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Artgerechter Platz für Findel-Tiger ist teuer

Wildkatzenzentrum Felidae in Tempelfelde Artgerechter Platz für Findel-Tiger ist teuer

Vom süßen Kuscheltier hat Diego nicht mehr viel. Der Findel-Tiger, der voriges Jahr im Alter von nur wenigen Wochen in Bernau (Barnim) ausgesetzt wurde, ist inzwischen zwei Meter lang und 90 Kilogramm schwer. Darum braucht Diego mehr Platz – viel Platz! Damit er künftig artgerecht gehalten werden kann, greift jetzt auch das Land Brandenburg in die Tasche. Doch das reicht nicht.

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Tierarzt Renato Rafael mit seinem berühmten Patienten, Tiger Diego.

Quelle: dpa

Tempelfelde. Vom süßen Kuscheltier hat Diego nicht mehr viel. Der Findel-Tiger, der im vergangenen Jahr im Alter von nur wenigen Wochen vor einer Tierarztpraxis in Bernau (Barnim) ausgesetzt wurde, ist ein eindrucksvoller Halbstarker. Wenn sich das fast 90 Kilogramm schwere und über zwei Meter große Raubtier gegen die Gitter seines Geheges wirft, bekommt auch der letzte Fan Respekt.

Tiger in Bernau ausgesetzt

Keine artgerechte Haltung für Diego

Gemeinsam mit dem weißen Tigermädchen Heike lebt Diego in einem etwa 150 Quadratmeter großen Gehege im Wildkatzenzentrum „Felidae“ in Tempelfelde (Barnim). „Für eine artgerechte Haltung ist das natürlich viel zu wenig“, sagt „Felidae“-Chef Renato Rafael, der den vermutlich aus einem Wanderzirkus stammenden Findel-Tiger im vergangenen Herbst aufnahm. Der Tierarzt hat auf mehr als 6000 Quadratmetern seit 1998 Gehege für 40 Wildkatzen von 16 verschiedenen Arten aufgebaut. Der Artenschutz stehe im Vordergrund, betont er.

Spenden, Eintrittsgelder – und nun Lotto-Mittel vom Land

Tiger gehörten bisher nicht zu dem aus Spenden und Eintrittsgeldern finanzierten, deutschlandweit einmaligen Wildkatzenzentrum. Sie artgerecht zu halten, war für „Felidae“ eine Nummer zu groß. Für Diego gingen in den vergangenen Monaten viele Spenden ein. Der Tiger, der täglich etwa fünf Kilogramm Fleisch verputzt, hat inzwischen sogar eine eigene Webseite. Nun stellt das Land Brandenburg 250 000 Euro aus Lotto-Mitteln bereit, damit Diego und Heike ein etwa 1100 Quadratmeter großes, Tiger-gerechtes Zuhause bekommen.

 Der Tierarzt Renato Rafael schmust mit dem kleinen Tiger Diego am 04112015 im Wildkatzenzentrum Felidae

Der Tierarzt Renato Rafael schmust mit dem kleinen Tiger Diego am 04.11.2015 im Wildkatzenzentrum Felidae.

Quelle: dpa

Das Wildkatzenzentrum war Diegos Rettung

Das Engagement des Landes kommt nicht von ungefähr. Da der Tiger in Bernau gefunden wurde, ist Brandenburg für das Tier verantwortlich. Ein Zoo oder Tierpark, der Diego hätte aufnehmen können, habe sich aufgrund strenger Quarantänevorschriften und Überpopulationen gerade bei Raubkatzen nicht gefunden, erläutert Umweltministeriums-Sprecher Jens-Uwe Schade. Die Unterbringung im Wildkatzenzentrum war die einzige Rettung, sonst hätte der kleine Findling wohl eingeschläfert werden müssen.

Tiger-Baby kommt in neues Zuhause

Land fürs Gehege ist gekauft, Baugenehmigung erteilt

Rafael hat für das neue Gehege extra Land dazu gekauft, der Antrag auf eine Baugenehmigung ist fertig. Rund 40 000 Euro hat der Verein bereits in Planungen und Architektenleistungen investiert. Doch der Tierarzt befürchtet, die Tiger könnten ihm längst über den Kopf gewachsen sein, bis das neue Gehege endlich fertig ist. Zudem reiche das Geld zwar für ein sicheres Gehege, nicht aber für artenschutzrechtlich vorgeschriebenes Inventar wie Baumstämme und Bäume zum Klettern oder einen Teich zum Abkühlen.

Groß geworden

Groß geworden: Die beiden Tiger Heike (r) und Diego, aufgenommen am 27.05.2016 im Wildkatzenzentrum Felidae.

Quelle: dpa

Tigerdame Heike braucht es warm im Winter

Im Winter braucht vor allem Heike einen warmen Unterschlupf, wie Tierpfleger Carlo Kantwerk erzählt. „Weiße Tiger sind in der Regel aus Indien stammende Bengaltiger. Die vertragen keine europäischen Winter und brauchen eine warme Behausung.“ Der inzwischen 10 Monate alte Diego sei robuster, mit dicker Unterwolle und einem kürzeren Schwanz, was auf eine Abstammung von sibirischen Amur-Tigern deute. „Mit Sicherheit kann man das aber erst sagen, wenn er etwa anderthalb Jahre alt ist und die typischen Merkmale der Tigerart sichtbar werden.“

Eine Spielkameradin für Tigerkind Diego

Kritik an Finanzspritze des Landes

Das Ministerium hoffe, dass mit dem Tigergehege auch ein zusätzlicher Anziehungspunkt für das Wildkatzenzentrum entsteht. „Denn es werden schon für die Verpflegung der Tiger weitere Spenden nötig sein“, macht Ministeriumssprecher Schade deutlich. Das finanzielle Engagement des Landes für Diego findet allerdings nicht nur Zustimmung. „250 000 Euro für einen Tiger sind unverhältnismäßig“, kritisiert Tierarzt Andreas Valentin aus Melchow (Barnim). Gemeinsam mit einem Verein betrieb er über Jahre eine Station für die Pflege verletzter, heimischer Wildtiere. Aus finanziellen Gründen musste sie Ende 2015 schließen.

Von Jeanette Bederke

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