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Brandenburg Studie: Nur ein Drittel der Brandenburger ist gesund
Brandenburg Studie: Nur ein Drittel der Brandenburger ist gesund
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00:17 14.08.2018
Diabetes gehört zu den häufigsten chronischen Krankheiten in Brandenburg. Quelle: dpa
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Potsdam

In Brandenburg sind chronische Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes, Fettleibigkeit oder Schilddrüsenüberfunktion auf dem Vormarsch und die Zahl der Gesunden ist in der Minderheit. Rund zwei Drittel aller Brandenburger (64,6 Prozent) der mit 410 000 Versicherten zweitgrößten Krankenkasse Brandenburgs, der Barmer, leiden an mindestens einer chronischen Krankheit. Das geht aus Zahlen der Kasse hervor, die der MAZ vorliegen.

In der Altersgruppe der 65 bis 79Jährigen leiden 25 Prozent – also jeder Vierte – unter mindestens sechs chronischen Krankheiten auf einmal. 42 Prozent der Patienten in dieser Altersgruppe leiden sogar unter zehn chronischen Erkrankungen. Bei der wachsenden Gruppe der über 80Jährigen liegt der Anteil der Patienten mit zehn oder mehr diagnostizierten Krankheiten sogar auf über 60 Prozent.

Eine Krankheit kommt selten allein

Doch auch unter jüngeren Patienten sind chronische Krankheiten häufig vertreten. Jeder fünfte Versicherte von 0 bis 64 Jahren gilt in Brandenburg inzwischen als multimorbid. Das heißt, dass er gleich an mehr als fünf diagnostizierten chronischen Krankheiten leidet. Als chronisch bezeichnet man ein Leiden, wenn es in drei aufeinanderfolgenden Quartalen ärztlich festgestellt wird.

Gabriela Leyh, Chefin der Barmer Berlin-Brandenburg, geht davon aus, dass die Zahl der chronisch Kranken noch zunehmen wird, da die Bevölkerung im Schnitt immer älter werde. „Wir leben in einer älter werdenden Gesellschaft. Da rollt eine richtige Lawine auf uns zu“, so Leyh.

Krankheiten lösen Folgekrankheiten aus – ein Teufelskreis

Das Problem: Wenn chronisch Kranke Medikamente nehmen, können deren Nebenwirkungen Folgeerkrankungen auslösen. So können Mittel gegen Herzinsuffizienz beispielsweise auf die Nieren schlagen. Die Patienten müssen nicht selten auch Mittel gegen Nierenleiden nehmen. „Es ist ein Teufelskreis“, so Barmer-Chefin Leyh.

Zwei Drittel der Brandenburger leiden an einer chronischen Krankheit. Das ist eine Folge der älter werdenden Gesellschaft. Aber auch jüngere sind betroffen, entwickeln Diabetes oder leiden an Rückenschmerzen. Die häufigsten Diagnosen.

Auch für Ärzte sei das Problem der vielen chronischen Erkrankungen ein Problem. Sie könnten die vielen unterschiedlichen Wechselwirkungen der Arzneimittel nur schwer überblicken. 2016 bekamen die Patienten 1860 unterschiedliche Wirkstoffe verschrieben –und zwar in 454.000 verschiedenen Kombinationen. Hinzu kommt: Patienten erhalten häufig Verschreibungen von verschiedenen Ärzten und lösen sie in verschiedenen Apotheken ein. „Wir brauchen eine hohe Sensibilität bei der Verschreibung der Medikamente“, so Leyh.

Enorme Kosten durch vermeidbare Erkrankungen

Ärzten und Apothekern könne man nur sehr bedingt einen Vorwurf machen. „Je mehr Ärzte an der Versorgung der Patienten beteiligt sind, desto schwerer ist die Medikation zu überblicken“, sagte sie. Eine Lösung könne in spezieller Software liegen, in Systemen, die Alarm schlagen, wenn ein Patient Wirkstoffe verschrieben bekommt, die sich nicht gut vertragen. „Sie können Ärzte bei der Entscheidung von Arzneimittelverordnungen unterstützen und so die Therapiesicherheit erhöhen.“

Die Kosten für die Gemeinschaft der Beitragszahler sind enorm. Multimorbide Patienten verursachen durchschnittliche Arzneimittelkosten in Höhe von 1400 Euro im Jahr. Bei 145 .860 Patienten sind das jährliche Kosten von rund 200 Millionen Euro. Hinzu kommen je Patient durchschnittliche Krankenhauskosten in Höhe von 1884 Euro.

Vieles ließe sich durch eine andere Ernährung lindern oder verhindern. Die zweithäufigste Diagnose lautet in Brandenburg etwa auf Fettstoffwechselstörung. Die Ursache liegt häufig in einer falschen Ernährung und einem Mangel an Bewegung. „Man kann seinen Cholesterinwert und seinen Blutdruck im Anfangsstadium durch Ernährung und Sport auf ein normales Niveau bringen, wenn es nicht genetisch bedingt ist“, sagte Leyh.

Von Torsten Gellner

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