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Asyl: Wer darf bleiben, wer muss gehen?

Abschiebungen in Brandenburg Asyl: Wer darf bleiben, wer muss gehen?

Brandenburgs Ministerpräsident Woidke (SPD) macht sich für einen Flüchtling stark. „Widersinnig“ nannte er die drohende Abschiebung des „Welcome United“-Trainers. Auch Schauspieler Til Schweiger hat sich zu dem Fall klar geäußert. Auf diese Hilfe hoffen andere vergebens.

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Nicht alle Asylsuchende in Brandenburg können auch bleiben.

Quelle: imago stock&people

Potsdam. Die Geschichte von Zahirat Juseinov beschäftigt Schauspieler und Regisseur Til Schweiger ebenso wie Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD): Der Co-Trainer des Potsdamer Vorzeige-Flüchtlingsprojekts „Welcome United“ soll abgeschoben werden, obwohl er, wie Woidke am Sonnabend am Rande des Brandenburgballs in Potsdam sagte, voll integriert ist und seit Jahren mit seiner Familie in Deutschland lebt. „Widersinnig“ sei das, sagte Woidke. Und auch Ballgast Til Schweiger sagte über die drohende Abschiebung: „Das wäre ein fatales Beispiel.“

Juseinov, der das vor zwei Jahren vom SV Babelsberg 03 gegründete Flüchtlingsteam coacht, soll zurück nach Mazedonien, von wo er 2010 gekommen war. Allerdings unter falscher Identität, wie er am Montag gegenüber der MAZ einräumte. Er hatte sich als Iraker ausgegeben. Den Vorwurf, dass er auch schon einmal wegen Diebstahls belangt wurde, wies er dagegen strikt von sich. Die letzte Hoffnung der Familie Juseinov ruht jetzt auf der Härtefallkommission des Landes.

Die Familie Juseinov beschäftigt auch den Ministerpräsidenten in Brandenburg

Die Familie Juseinov beschäftigt auch den Ministerpräsidenten in Brandenburg.

Quelle: dpa-Zentralbild

Yakubu flüchtet für dem Ärger – und geht zurück

Fälle wie die von Juseinov gibt es viele im Land, nur die wenigsten haben dabei so prominente Fürsprecher wie Woidke oder Schweiger. Beispiel Jacob Kadiri Yakubu. Der 35-Jährige war vor den Islamisten von Boko Haram aus Nigeria geflohen. Im Januar begann er ein Praktikum bei der Firma Windenergie Wenger-Rosenau in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin). Kaum hatte er dort angefangen, erreichte ihn die Nachricht seiner Abschiebung. Er soll nach Italien, weil er dort als Flüchtling erstmals europäischen Grund betreten hat. Doch das will Yakubu nicht. Er hat sich mit seinem Chef, Christian Wenger-Rosenau, beraten. „Er will lieber wieder in seine Heimat zurück“, sagte der Unternehmer. „Er möchte den ganzen Ärger nicht.“

Wenger-Rosenau ist hin und hergerissen. Gerne hätte er Yakubu eine Chance gegeben, schließlich ist dieser Bauingenieur. „Ich glaube aber auch, dass es gut ist, wenn jemand wie Herr Yakubu mit seiner Erfahrung in seiner Heimat hilft“, sagte Wenger-Rosenau, der selbst zwei Jahre als Entwicklungshelfer gearbeitet hat.

Flüchtling Jacob Kadiri Yakubu hat in Nietwerder ein Praktikum gemacht

Flüchtling Jacob Kadiri Yakubu hat in Nietwerder ein Praktikum gemacht.

Quelle: Geisler

Auch für Raoul Landjolbo Palai endet sein Aufenthalt in Deutschland in diesen Tagen. Der Kameruner kam 2003 nach Deutschland, studierte Medizin. Aus finanziellen Gründen habe er sein Studium aber abbrechen müssen, sagte er. Seine Aufenthaltserlaubnis lief ab, er beantragte Asyl, doch das wurde ihm verwehrt. Seit zwei Jahren ist er geduldet, doch damit ist nun Schluss. Er soll Luckenwalde (Teltow-Fläming), wo er heute wohnt, in diesen Tagen verlassen.

Dieser Fall ging sogar an die Bundeskanzlerin

Hoffnung kann dagegen wieder Palais Landsmann Hervé Kommogne schöpfen, der im Übergangswohnheim in Friesack (Havelland) wohnt. Auch er sollte abgeschoben werden – nach Spanien, wo er erstmals in Europa registriert wurde. Doch nun wird sein Asylverfahren in Deutschland durchgeführt.

Hervé Kommogne darf vorerst in Deutschland bleiben

Hervé Kommogne darf vorerst in Deutschland bleiben.

Quelle: Danilo Hafer

„Wir sind froh darüber“, sagte Willibald Schmitt, der sich mit Freunden für den Kameruner eingesetzt hat. Seit zwei Jahren singt Kommogne in Schmitts Chor. „Wir haben alle möglichen Stellen angeschrieben, vom Ministerpräsidenten bis zur Bundeskanzlerin“, erklärte Chorleiter Schmitt. Keiner der Adressaten habe sich zuständig gefühlt. „Irgendwer hat scheinbar reagiert“, sagte Schmitt. „Aber wer es letztlich war, wissen wir nicht.“

Die Härtefallkommission

2005 wurde die Brandenburger Härtefallkommission gegründet. Sie kann von Ausländern angerufen werden, die zur Ausreise verpflichtet wurden.

258 Anträge für 532 Personen wurden Laut der aktuellen Statistik von 2005 bis Ende 2014 bearbeitet. In gut der Hälfte der Fälle wurde dem Antrag stattgegeben: In 137 Fällen zugunsten von knapp 300 Betroffenen.

In der Kommission sitzen Vertreter vom Flüchtlingsrat, von Kirchen, Wohlfahrtsverbänden, Kommunen und der Landesregierung. Wenn mindestens zwei Drittel der Vertreter in dem Gremium überzeugt sind, dass es sich um einen besonderen Härtefall handelt, bittet die Kommission das Innenministerium um die Anordnung einer Aufenthaltserlaubnis für den oder die Betroffenen. Dann entscheidet der Minister eigenständig, ob eine Aufenthaltserlaubnis angeordnet wird.

Von Torsten Gellner und Ildiko Röd

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