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Asylheime: Kommunen können Böllerverbot erlassen

Silvester 2015/16 Asylheime: Kommunen können Böllerverbot erlassen

Das Silvesterfeuerwerk kann bei Flüchtlingen aus Kriegsgebieten starke Stressreaktionen auslösen, mahnen Mediziner. Aus Rücksicht können brandenburgische Städte und Gemeinden deshalb im Umfeld von Unterkünften das Abbrennen von Feuerwerk verbieten – wie beispielsweise in Templin (Uckermark). Ein landesweites Verbot gibt es aber nicht.

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In Brandenburg sind Feuerwerksverbote Sache der Kommunen

Quelle: dpa

Potsdam. Es dürfte am Silvesterabend wieder bunt werden in Brandenburg – und laut. Was vielen Menschen Freude bereitet, kann bei Flüchtlingen mit Traumafolgestörungen starke Stressreaktionen auslösen, sagt Felix Hohl-Radke, Chefarzt der Allgemeinpsychiatrie am Asklepios-Klinikum in Brandenburg an der Havel. „Bei Menschen, die Schießereien und Explosionen miterlebt haben, kann durch die Knallerei ein Gefühl der Angst und Hilflosigkeit entstehen, das Minuten bis Stunden anhält“, so Hohl-Radke.

Im brandenburgischen Innenministerium hofft man deshalb auf den „gesunden Menschenverstand und Rücksichtnahme“ am Silvesterabend, wie Sprecher Ingo Decker betont. Ein generelles Böllerverbot gebe es im Land nicht, allerdings könnten die Kommunen eigene Verordnungen erlassen.

Böllerverbot vor Templiner Flüchtlingsheim

So hat Templins Bürgermeister Detlef Tabbert (Die Linke) ein Böllerverbot vor der Flüchtlingsunterkunft in der Prenzlauer Allee ausgesprochen – „zum Schutz der Flüchtlinge und Asylsuchenden vor traumatischen Erlebnissen durch Knallgeräusche“. In der Unterkunft leben derzeit 73 Flüchtlinge, überwiegend aus Syrien. „Eine solche ordnungsrechtliche Verfügung ist nichts Einmaliges“, sagt Tabbert und weist darauf hin, dass beispielsweise vor Krankenhäusern, Altenheimen oder reetgedeckten Häusern ohnehin kein Feuerwerk gezündet werden darf. Für Tabbert ist es weniger ein Verbot als vielmehr ein Hinweis darauf, dass die Flüchtlinge besonderen Schutz benötigen. Stichprobenartige Kontrollen soll das Ordnungsamt am Silvesterabend aber vornehmen. Karl-Ludwig Böttcher vom Städte- und Gemeindebund begrüßt das Verbot. „Es ist wichtig, dass ein Signal gesetzt wird und die Leute sehen, dass sich die Stadt darum kümmert.“

Aufklärungsarbeit soll „Flashbacks“ verhindern

In Eisenhüttenstadt und Potsdam, wo sich große Erstaufnahmeeinrichtungen befinden, gibt es hingegen keinen Böllererlass. Es handele sich im Umfeld der zentralen Unterkünfte „um öffentliches Straßenland. Da ist ein Verbot schwer zu kontrollieren“, begründet Jan Brunzlow, Sprecher der Stadt Potsdam, die Entscheidung. Ein „wirkliches Problem“ sieht man im Innenministerium in der Knallerei nicht. „Die Kriegsflüchtlinge können schon sehr genau unterscheiden, ob eine Bombe explodiert oder Feuerwerk abgebrannt wird“, so Decker.

Für Felix Hohl-Radke spielt die Aufklärungsarbeit eine wichtige Rolle. Wenn den Flüchtlingen vermittelt würde, dass an Silvester hierzulande geknallt werde, sei die Wahrscheinlichkeit von „Flashbacks“ weitaus geringer.

Von Mischa Karth

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