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Brandenburg Fischerverband für Jagd auf Kormorane
Brandenburg Fischerverband für Jagd auf Kormorane
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14:39 10.09.2018
Für Fischer ein ständiges Ärgernis: Kormorane sind ebenso geschickte wie hungrige Jäger. Quelle: imago/Nature Picture Library
Potsdam

Es gibt wieder einmal Streit um die nimmersatten geflügelten Fischfresser. Die Präsidentin des Deutschen Angelfischerverbandes, Christel Happach-Kasan, möchte, dass Kormorane gejagt werden dürfen. Die Tiere hätten in Deutschland „dramatisch“ überhand genommen, sagte die Anglerpräsidentin jetzt im Interview.

„Diese Vögel entnehmen den Gewässern jedes Jahr etwa so viel Fisch, wie Berufsfischer und Angler zusammen. Und das ist ein großes Problem für Fischbestände“, so Happach-Kasan. Wahrscheinlich könne „maximal die Hälfte des jetzigen Kormoran-Bestandes aus biologischer Sicht akzeptiert werden“. Genaueres müssten wissenschaftliche Untersuchungen ermitteln.

Dem Geschäftsführer des Landesfischereiverbands Brandenburg/Berlin, Lars Dettmann, spricht Happach-Kasan aus der Seele. „Der Kormoran ist schon lange ein Problem“, sagt der die Fischereiwirtschaft vertretende Geschäftsführer. Der Verband schätze die jährlichen Schäden durch Kormorane auf mindestens 600000 Euro. Karpfenteichbetreiber rund um Peitz (Spree-Neiße) würden nicht zuletzt wegen der schwarzen Vögel 65 Prozent, manchmal sogar 95 Prozent ihres Besatzes verlieren.

„Der Kormoran gehört heraus aus dem Schutzstatus in den Anhang IIa der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie“, fordert Dettmann. Der Anhang IIa der FFH-Richtlinie erlaubt eine Bewirtschaftung des Bestandes, also mitunter den Abschuss der Vögel. Am 12. Juni dieses Jahres habe auch das Europaparlament die EU-Kommission zu entsprechenden Maßnahmen aufgefordert, betont Dettmann. „Die Forderung, Schutzmaßnahmen zu reduzieren ist jetzt auch bei der Politik angekommen.“ Angesichts der massiven Zunahme der Kormorane sei es „Zeit dagegenzusteuern“.

Das möchte auch der Vize-Fraktionschef der CDU im Brandenburgischen Landtag, Dieter Dombrowski. Happach-Kasan habe „sachlich gesehen recht“, sagt er. Längst hätten die Kormoranbestände die Schwelle zum natürlichen Selbsterhalt erreicht. Das bestätige auch das Bundesumweltministerium. Beim bisherigen Status dürfen Kormorane in Schutzgebieten trotz der in Brandenburg geltenden Kormoranverordnung nicht behelligt werden. Schutzgebiete machten aber 40 Prozent der märkischen Flächen aus.

Auch Dombrowski sieht die fischfressenden Vogel „auf jeden Fall“ als eine Bedrohung der märkischen Teichwirtschaft an. „Ich bin nicht für die Ausrottung der Kormorane“, sagt der Politiker. Man müsse den Naturschutz aber flexibel handhaben, um bestimmte Ziele zu erreichen.

Anders sieht das der Geschäftsführer vom Bund Brandenburg, Axel Kruschat. Er sieht im Töten der Kormorane zugunsten der Fische eine „antiquierte Meinung“. Kruschat räumt zwar einen Rückgang mancher Fischbestände ein, dafür seien aber nicht die Vögel verantwortlich. „Der Kormoran war früher auch in Brandenburg verbreitet“, so Kruschat. Tatsächlich nähmen die Tiere im Raum Brandenburg sogar ab.

Kruschat verweist auf andere Faktoren, wie die Bebauung der Fließgewässer mit Wehren, Staustufen und Schleusen. Das alles habe zum Beispiel zum Rückgang der Aale geführt. Die Erneuerung von Buhnen in der Oder wiederum zerstöre Laichplätze. Nicht zuletzt würden die Gewässer durch hormonähnliche Substanzen belastet. „Das alles sollte man eher in den Griff bekommen, bevor man Arten jagdbar macht“, sagt Kruschat.

Auch der Umweltpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Benjamin Raschke, glaubt nicht, dass sich die Konflikte der Fischerei mit dem Vogelschutz mittels Jagdrecht lösen lassen. Tatsächlich dürften Kormorane in Brandenburg schon abgeschossen werden. „2016 immerhin rund 1300 Tiere.“ Raschke glaubt, dass die kommende Entschädigung für Fischer die Konflikte „viel eher“ regeln würden „als eine populistische Forderung nach dem Jagdrecht“.

Gegen die Bejagung der Vögel ist auch die Naturschutzreferentin beim Nabu Brandenburg, Manuela Brecht. Sie weist die Behauptung Happach-Kasans von deren massiven Überhandnehmen zurück: „In Brandenburg ist die Kormoranpopulation deutlich zurückgegangen.“ 2001 habe man in Brandenburg 2813 Brutpaare gezählt, 2016 waren es nur noch 1446. Für ganz Deutschland hat Happach-Kasan allerdings recht. Hier stieg der Bestand um etwa 3300 Brutpaare. Doch geht der Zuwachs vor allem auf das Konto Mecklenburg-Vorpommerns. In anderen Bundesländern steigt der Bestand nur gering oder sinkt sogar.

Brecht hält eine Bejagung trotzdem ökologisch für unsinnig. „Die Brutpaare, die im Herbst geschossen würden, sind ja meist Zugvögel“, so Brecht. Damit griffe man in die europäische Population ein. „Und der Kormoran gehört nach wie vor zu den geschützten Vögeln.“

Von Rüdiger Braun.

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