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Brandenburg „Auf dem Dorf wird mehr gestritten als in der Stadt“
Brandenburg „Auf dem Dorf wird mehr gestritten als in der Stadt“
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17:28 10.06.2018
Wolfgang Mundil aus Bad Belzig erhielt für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz Quelle: Maria Strauß
Potsdam

Als Schiedsmann hat der Brandenburger Wolfgang Mundil bereits hunderte Verfahren begleitet. Für viele Streitparteien sei das Schiedsverfahren eine Chance nach jahrelanger Feindschaft, wieder Frieden zu schließen, sagt er.

Sie sind seit 25 Jahren mit Zank und Reibereien konfrontiert. Warum schlichten Sie so gern Streitigkeiten, Herr Mundil?

Wolfgang Mundil: Ich war immer daran interessiert, anderen Menschen zu helfen. Für mich ist es einfach schön, wenn zwei Streithähne, die sich nach jahrelangen Zankereien nicht mehr angucken, wieder in die Augen sehen können. Ich habe es sogar einmal nach einem Schlichtungsgespräch erlebt, dass die Kontrahenten anschließend gemeinsam in eine Gaststätte gegangen sind und ein Glas Wein zusammen getrunken haben. Das motiviert.

Um welche Themen geht es, wenn die Menschen bei Ihnen als Friedensschlichter Rat suchen?

Überwiegend geht es um Nachbarschaftsstreitigkeiten: Die Hecke oder der Zaun ist zu hoch, Bäume stehen zu nah an der Grundstücksgrenze und Baumwurzeln ragen herüber. Mal macht der Nachbar zu viel Lärm oder das Grillen stört. Dann wieder sorgt für Ärger, dass jemand seine Schulden nicht zurückgezahlt hat. An einem Punkt kommt dann der Bruch, den man kitten muss.

Das klingt eher harmlos und einfach zu regeln. Warum eskaliert der Streit zwischen Nachbarn so sehr, dass ein Außenstehender schlichten muss?

An sich ist jeder Fall kurios, aber die Ursache für die Streitigkeiten liegt oft viel tiefer. Neid und Missgunst spielen eine große Rolle. Meine Aufgabe ist es, der Sache auf den Grund zu gehen und zu versuchen, dass die Parteien wieder vernünftig miteinander reden können.

Wie bringen Sie zwei erwachsenen Menschen bei, einen kühlen Kopf zu bewahren?

Als Schlichter müssen Sie nicht die Gesetze kennen, sondern gut zuhören und moderieren können. Das wichtigste ist, die Leute erzählen zu lassen. Eine Spielregel ist, den anderen ausreden zu lassen. Erst hat der Antragsteller das Wort und kann so lange reden, wie er möchte. Ich greife erst ein, wenn er sich wiederholt und fasse das Gesagte zusammen. Dann ist der Antragsgegner an der Reihe und darf seine Sicht darstellen. Am Ende versuche ich die einzelnen Streitpunkte auf den Punkt zu bringen und halte das Gesagte fest. Wenn sie sich in vielen Punkten einig sind, geben sie vielleicht auch in anderen nach.

Wie lange brauchen Sie in der Regel, bis Frieden herrscht?

Die Schiedsverfahren dauern durchschnittlich zwei bis drei Stunden. Wenn es gelingt, zu vermitteln, gibt es einen Vergleich zwischen den Parteien, der wie ein Urteil unterschrieben wird. Hält sich einer der Kontrahenten nicht daran, kann der andere es vor Gericht vollstrecken lassen. Bei den sogenannten Tür-und-Angel-Fällen suchen die Kontrahenten bei mir lediglich einen Rat. Manchmal erzählen die Leute eine halbe Stunde davon, was sie ärgert, sind damit ihren Frust bereits losgeworden und verzichten auf ein echtes Schiedsverfahren.

Was geschieht, wenn sich die Streithähnen nicht einigen können?

Wenn eine außergerichtliche Einigung nicht möglich ist, erhalten die Parteien in zivilen Streitigkeiten eine Erfolglosigkeitsbescheinigung und in strafrechtlichen eine Sühnebescheinigung. Die meisten aber wollen gar nicht vor Gericht ziehen, weil sie eine Chance sehen, Frieden zu schließen. Mit 40 bis 50 Euro ist ein Schiedsverfahren immer noch billiger und geht deutlich schneller, als sich gleich vor Gericht zu streiten. Und ein anderer großer Vorteil beim Schiedsverfahren ist, dass kein Urteil gefällt wird, das zwischen einem Gewinner und einem Verlierer unterscheidet.

Wie streitlustig sind die Brandenburger eigentlich?

Auf den Dörfern wird mehr gestritten als in der Stadt. Das liegt daran, dass sich die Menschen dort gut kennen und ihre Grundstücke nah beieinander liegen In den Städten regeln meist Vermieter Streitigkeiten oder die Mietervereinigung

Was macht eine gute Streitkultur aus?

Man muss bereit sein, Argumente auszutauschen, dem anderen zuzuhören und sich auch mal eingestehen, wenn man sich irrt. Zu meiner Frau sage ich nach einer Meinungsverschiedenheit immer: Wir hatten ein positives Streitgespräch. Nicht miteinander zu reden ist immer Gift.

Von Diana Bade

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