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Augustnächte für Romantiker und Verliebte

Sternenhimmel über Brandenburg im August 2016 Augustnächte für Romantiker und Verliebte

Die Augustnächte sind für Romantiker und Verliebte. Denn vor allem zwischen dem 10. und 14. August werden Tausende Sternschnuppen vom Himmel fallen. Astronomie-Lehrer Uwe Schierhorn erklärt, warum das so ist und erklärt außerdem, was es mit der Milchstraße auf sich hat.

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Die Perseiden.

Quelle: Uwe Schierhorn mit Stellarium

Königs Wusterhausen. Im August werden die Nächte wieder deutlich länger. Im Allgemeinen wird das sicherlich keine Freude auslösen, Sternenfreunde warten dagegen nach dem "astronomischen Sommerloch" schon sehnlichst darauf.

Die Tageslänge nimmt im Vergleich zum Juli um fast eineinhalb Stunden ab. Außerdem verursacht der deutlich steilere Auf- bzw. Untergangswinkel der Sonne ein schnelleres Eintreten völliger Dunkelheit. Diese ist dann erreicht, wenn sich die Sonne mindestens 16° unter dem Horizont befindet. So kommen zur verminderten Sonnenscheindauer noch weitere eineinhalb Stunden Dunkelheit hinzu.

Der Charakter des abendlichen Sternenhimmels hat sich im Vergleich zum Juli kaum geändert. Allerdings ist im Vergleich zum Vormonat Arktur schon tiefer im Westen zu finden und im Osten ist Pegasus aufgegangen.

Sternschnuppen "fallen" vom Himmel

Die Augustnächte sind die Nächte der Romantiker und Verliebten. Nicht nur Astronomen und astronomisch Interessierte werden daher so manche Nacht mit einer Beobachtung des Himmels verbringen, denn vor allem izwischen dem 10. und dem 14. August werden, wie in jedem Jahr, Tausende von Sternschnuppen vom Himmel „fallen“. Auch sogenannte Feuerkugeln oder Boliden sind keine Seltenheit. In den Nächten des Maximums dieses schönsten und reichsten Sternschnuppenstroms sind über 110 Sternschnuppen pro Stunde zu erwarten.

Die Staubspur des Kometen

Astronomisch ist die Sache schnell erklärt: Jedes Jahr im August durchquert die Erde bei ihrer Bahn um die Sonne die Staubspur des Kometen Swift–Tuttle . Dabei sammelt sie den Staub auf, den der Komet einst verloren hat. Beim Eindringen der Staubteilchen in die Erdatmosphäre erhitzt die entstehende Reibung die Luft so sehr, dass sie ionisiert wird und zu leuchten beginnt. Scheinbar kommen alle diese Sternschnuppen aus dem Sternbild Perseus im Osten, woher auch der Name dieses Sternschnuppenstroms, Perseiden , stammt. Die beste Beobachtungszeit des Perseidenstroms, im Volksmund nach dem Märtyrer Laurentius auch Laurentius-Tränen genannt, liegt zwischen 23 Uhr und 5 Uhr morgens.

Getreidemond im August

Der August beginnt „ohne Mond“. Am 2. August ist Neumond, das heißt der Mond befindet sich zwischen Sonne und Erde und ist deswegen nicht beobachtbar. Das ist er erst wieder 2 bis 3 Tage nach Neumond als schmale Sichel am Abendhimmel. Im August können wir einen kompletten Mondzyklus beobachten, denn der nächste Neumond ist am 1. September. Am 11. August, der Mond ist etwas größer als Halbmond, bildet er abends mit Saturn und Mars ein schönes Ensemble am Südwesthimmel. Vollmond ist am 18. August. Der achte Vollmond des Jahres wird in alten Schriften auch oft der Getreidemond genannt.

Milchstraße als schimmerndes Band

Lohnenswert ist im August die Beobachtung der Milchstraße, die sich als quer von Nordosten nach Südwesten schimmerndes Band über den Nachthimmel zieht. Um in den vollen Beobachtungsgenuss zu kommen, ist nicht nur jede störende irdische Lichtquelle zu meiden, sondern am besten auch die Neumondphase Anfang August zu nutzen.

Herkules an die Brust gelegt

Die Bezeichnung "Milchstraße" hat ihren Ursprung in der griechischen Mythologie: Nach dem Willen des Göttervaters Zeus sollte der von ihm mit der sterblichen Alkmene gezeugte Herkules die Unsterblichkeit erlangen. Dazu legte er ihn seiner schlafenden Gattin Hera an die Brust. Herkules aber - schon ganz der spätere Held - saugte so heftig, dass Hera erwachte und ihn wegstieß. Aus der dabei wegspritzenden Milch soll der Sage nach die Milchstraße entstanden sein.

Grieche erkennt ein "Lichtband"

Aber bereits der Grieche Demokrit (470 - 380 v. Chr.) erkannte die Milchstraße als ein "Lichtband", welches durch viele weitentfernte Sterne erzeugt wird. Erst mit Erfindung des Fernrohrs konnte diese Vermutung auch belegt werden. Langwierige und sorgfältige Sternzählungen führten zu der Erkenntnis, dass all diese Sterne zu einem riesigen Sternensystem gehören, der Galaxis (aus dem griechischen gala – Milch, xias – Weg, Straße), wozu auch unsere Sonne zählt. Sie ist eine von insgesamt rund 100 Milliarden Sternen, die, im äußeren Drittel stehend, an der galaktischen Rotation teilnimmt und so alle 240 Millionen Jahre einmal um das Zentrum wandert.

Zahlreiche weitere Beobachtungen führten zur Erkenntnis, dass die Galaxis eine flache Scheibe aus Sternen und interstellarer Materie mit einer deutlichen Verdickung in der Zentralregion darstellt. Könnte man senkrecht von weit außerhalb auf unsere Milchstraße blicken, so würde man außerdem die spiralförmige Struktur unseres Sternensystems erkennen. Von der Erde aus betrachtet entsteht so als Innenansicht der Eindruck eines hell leuchtenden Bandes.

Um die Milchstraße zu finden, orientiert man sich am besten am Sommerdreieck und dem Sternbild Schwan. Entlang der „Körperachse“ zieht sich die Milchstraße. Im Nordosten beginnt die sichtbare Milchstraße mit den Sternbildern des Herbstes: Perseus, Fuhrmanns mit der hellen Capella, Kassiopeia und Cepheus. Es schließen sich das Sternbild des Schwans mit dem Stern Deneb und das Sternbild der Leier mit dem Stern Wega an. Das Sternbild Adler zeigt den Weg der Milchstraße nach Südwesten. Weitere Sternbilder, die neben den immer sichtbaren Sternbildern um den Polarstern im Norden im August über dem Horizont sind, wären Herkules und Bootes (Bärenhüter) mit den auffälligen Stern Arktur im Westen.

Die Planeten im August

Die Sichtbarkeit der Planeten ändert sich: Merkur bleibt, Jupiter wird unsichtbar. Auch die Beobachtungszeiten von Saturn und Mars werden kleiner. Venus dagegen baut ihre Sichtbarkeit langsam aus. Sie erscheint am Abendhimmel. Die Untergänge des hellen Planeten (m = -3m9) erfolgen am Monatsanfang gegen 21.45 Uhr, am letzten Tag des Monats am 31. August bereits um 19.52 Uhr. Und das, obwohl Venus ihren Winkelabstand zur Sonne vergrößert. Im Fernrohr zeigt Venus ein winziges, fast voll beleuchtetes Planetenscheibchen, dessen scheinbarer Durchmesser nur knapp 11" beträgt. Mars ist am Abendhimmel bis nach 23.00 Uhr zu sehen. Auch seine Untergangszeiten werden immer früher. Jupiter ist nur in der Abenddämmerung noch sichtbar. Saturn sieht man am Monatsanfang noch bis nach Mitternacht am Himmel. Am Monatsende geht er jedoch schon am späten Abend unter.

Von Uwe Schierhorn
Fachlehrer für Mathematik, Physik und Astronomie am Friedrich-Schiller–Gymnasium Königs Wusterhausen, Mitglied der Schul- und Volkssternwarte Dahlewitz e.V.
    
Quellen: Daten aus „www.calsky.com“
Abbildungen erstellt durch den Autor (u.a. unter Nutzung von Stellarium)

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