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Brandenburg Faszinierende Luftbilder von Brandenburg
Brandenburg Faszinierende Luftbilder von Brandenburg
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10:49 01.06.2015
Auch die Wohnhäuser bei Falkensee haben etwas Faszinierendes.  Quelle: Reinhard von Wegerer
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Oranienburg

 In Westberlin groß geworden, zog Reinhard von Wegerer 1999 nach Oranienburg. Von Beruf ist er Polizist und ging zwischen Marzahn, Hohenschönhausen und Schöneberg auf Streife. Der leidenschaftliche Pilot liebt den Blick von oben, betreibt seit 25 Jahren die Firma Luftbildservice Berlin-Brandenburg und hält traumhafte Momente in der Natur ebenso fest wie private Gärten oder Baustellen großer Unternehmen. Seit Sonntag zeigt der 69-Jährige in der Touristeninformation am Oranienburger Schlossplatz eine Ausstellung Luftbilder von Reinhard von Wegerer.

MAZ: Seit wann haben Sie den Pilotenschein eigentlich in der Tasche und wie kam es dazu?

Reinhard von Wegerer: Mein Bruder ist auch Pilot. Da wollte ich eigentlich was anderes machen und erwarb den Segel- und Motorbootschein. Später kam ein Freund in mein Geschäft und brachte einen Flugsimulator mit. Am Bildschirm fing alles an. Da hat es mich dann doch gepackt mit der Fliegerei. 1990 hab ich dann in Oehna bei Jüterbog die Flugschule absolviert. Nach 32 Stunden war ich fertig.

Was dürfen Sie fliegen?

von Wegerer: Einmotorige Maschinen bis zu zwei Tonnen wie ein Cesna.

Und wie kamen sie zur Fotografie?

von Wegerer: Eigentlich habe ich schon als Elfjähriger Objektive gebaut und versucht, vor allem Tiere zu fotografieren. Es ging daneben, alles war unscharf. Dann bin ich auf Porträts umgestiegen, habe in meinem Fotostudio in Berlin-Tempelhof, Hochzeiten, Bewerbungsfotos und Porträtaufnahmen gemacht. Aber auch viel Architektur fotografiert und Industrieaufnahmen gefertigt.

Sie haben als Polizist gearbeitet. Wie konnte man beides vereinbaren?

von Wegerer: Ganz gut, denn es gab ja immer lange Schichten und dazwischen 48-Stunden-Pausen. Zwischenräume, in denen man fliegen kann. Mit 61 bin ich pensioniert worden, seitdem habe ich nur noch das Fliegen und Fotografieren.

Ballonfahrt am Abend über der Havel bei Potsdam (zum Vergrößern klicken). Quelle: Reinhard von Wegerer

Nennen Sie selbst eine Maschinen ihr Eigen?

von Wegerer: Nein. Versicherung, Hangar-Gebühren, alle 1000 Stunden muss die Maschine komplett auseinandergenommen und gewartet werden. Das ist alles viel zu teuer.

Wie geht das, fliegen und fotografieren?

von Wegerer: Wir fliegen zu zweit. Ich sitze zumeist bis zum Einsatzort am Steuer. Von dort an fliegt mein Bruder oder mein Schwiegersohn, ich agiere dann als Co-Pilot, um Fotos machen zu können. Und der Pilot ist vergleichbar mit dem Passgeber im Fußball. Wenn er toll anfliegt, sind gute Fotos möglich. Derzeit fliegen wir mit einer C 42. Da kann man die Türen ausheben. Das ist wie auf dem Motorrad, nur höher. Ein Heidenspaß.

Was sagt Ihre Frau dazu?

von Wegerer: Sie fliegt nicht mit. Sieht wohl stärker das Restrisiko und ist auch beim Flug in den Urlaub gern wieder unten.

Wer schickt Sie so in die Luft?

von Wegerer: Früher vor allem Privatleute, die ihren Garten von oben sehen wollten oder das Haus. Heute eher Firmen und Unternehmen. Zu meinen Auftraggebern gehörten schon die FU Berlin, der Nabu, Coca Cola, Borsig, Elf, Bayer-Schering, Alba oder die Stadtwerke Oranienburg.

Ist die Konkurrenz in diesem Bereich groß?

von Wegerer: Es gab eine Reihe von Firmen, die Luftbilder gemacht haben, viele gingen Pleite. Daran sieht man, wie es um den Markt steht. Ich habe Glück, ich muss nicht davon leben. Ich habe auch schon für Oranienburger Firmen, Hotels oder Autofirmen Aufträge erledigt. Brandenburg rauf und runter fotografiere ich. Privat fliege ich eher mal nach Rügen, ins Ruhrgebiet oder auf die Zugspitze. Und freue mich später auf ein Weizenbier.

Wie von einem anderen Stern: Eine Tagebaulandschaft aus der Luft. Quelle: Reinhard von Wegerer

Wie gehen Sie vor, wenn ein Kunde Sie beauftragt?

von Wegerer: Ich schicke ihm die Datei von Google-Earth und lasse mir den Auftrag bestätigen. Denn ich habe schon mal den falschen Garten fotografiert, weil der nicht im Wiesenweg, sondern in der Wiesenstraße lag. Das Objekt wird dann umkreisend fotografiert. Der Kunde sucht sich per Foto-CD selbst seine Bilder aus.

Welches ist die ideale Fotografierhöhe?

von Wegerer: In Berlin sind 2000 bis 2500 Fuß erlaubt, im ländlichen Bereich wie hier 1000 das sind 300 Meter. Mit dem Teleobjektiv sieht es dann aus, als wenn wir niedriger als 30 Meter sind.

Und welches Wetter ist das beste?

von Wegerer:Zwischen Horizontal- und Schräglicht ist ein Riesenunterschied. Wenn Feuchtigkeit in der Luft ist und die Sonne schein, fliegt man wie gegen ein weißes Laken. Wir fragen vorher beim Flugplatz nach der Sicht. Manchmal dauert es, bis wir einen Auftrag erledigen können. Jetzt gerade hatten wir einen aus Potsdam für Aufnahmen von 13 Häusern. Der kam im Januar rein, erst im Mai konnten wir fliegen. Es will ja auch niemand zweimal Geld für den Einsatz ausgeben. Wenn jemand darauf besteht, fliegen wir natürlich auch sofort.

Wie viel Aufnahmen von Berlin und Brandenburg haben Sie inzwischen auf ihren Festplatten?

von Wegerer: Ich habe sie nie gezählt, aber es kommen im Jahr bis zu 10.000 Fotos dazu.

Faszination aus der Luft: Kaliabbau von oben. Quelle: Reinhard von Wegerer

Sie sind auch mit dem Ballon unterwegs. Was ist schöner?

von Wegerer: Im Ballon fährt man mit dem Wind, schwebt so dahin. Das lässt sich mit dem Fliegen eigentlich schwer vergleichen. Für Luftbildaufnahmen ist das Flugzeug beweglicher und besser.

Eine Auswahl von 14 Luftbildern ist jetzt in der Touristeninfo zu sehen. Sie haben auch Filme über ihre Luft-Expeditionen über Brandenburg gedreht. Ist da Neues zu erwarten?

von Wegerer: Nach „Bis zum Horizont und weiter“ und „Das Land, das ich suchte“, möchte ich 2016 den Streifen „An einem Sonntagnachmittag im August“ fertigstellen. Sie erzählt die spannende Geschichte dreier Ballonfahrer vor dem Hintergrund Brandenburgs.

Gibt es ganz besondere Ziele, die sie unbedingt noch von oben sehen möchten wie Manhatten?

von Wegerer: Um Gottes Willen, nein. Die Wüste würde ich gern von oben sehen, ansonsten finde ich Brandenburg sehr interessant. Zum Beispiel die Gegend um den Schlabendorfer See oder den Kali-Abbaugebiete. 3000 Seen gibt es rund um Oranienburg. Vieles ist wesentlich faszinierender als ein Häusermeer.

MAZ-Kommentar: Hingehen!

Oben geblieben ist noch niemand, besagt ein launiges Sprichwort. Ein schwacher Trost für jemanden, der nicht gern ins Flugzeug steigt wie ich. Für kleine Blicke auf die große Welt habe ich den Schweinehund schon bezwungen und den Mut zusammengenommen. Um so größer ist stets mein Respekt für Flieger wie Reinhard von Wegerer aus Oranienburg. Seit Sonntag ist eine Auswahl traumhafter Luftbildaufnahmen in der Touristinfo ausgestellt. Aufgenommen bei einer Fahrt aus dem Heißluftballon, vor allem aber aus kleinen Flugzeugen, die er als Pilot auch selbst fliegen kann. Und dann berichtet er, wie bei ausgehängter Tür und im Schrägflug die genialsten Bilder gelingen. Na super, schon der Gedanke daran lässt alle Nackenhaare hochstehen. Seine Aufnahmen zeigen Schlösser, Burgen und Herrenhäuser, seine Leidenschaft gilt aber vor allem aber dem ungewöhnlichen Detail, wie den Schürfwunden, die der Kali-Abbau hinterlässt, dem einsamen Tier, das durchs Hochwasser watet oder die Sonne, die die Havel in flüssiges Gold zu verwandeln scheint. Hingehen!

Von Heike Bergt

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