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Autobahnbau wird beschleunigt

Staufalle A 10 Autobahnbau wird beschleunigt

Zwei Teilstücke der A 10 zwischen den Dreiecken Nuthetal und Potsdam sollen bereits 2018 und 2019 fertig sein – die Bundesregierung stockt die Bausumme um 4,5 Millionen Euro auf. Baukosten insgesamt: 155 Millionen Euro. Der achtstreifige Ausbau des neun Kilometer langen Autobahnabschnitts soll im Mai 2020 komplett sein.

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Der Baustellenabschnitt an der A 10 ist neun Kilometer lang.

Quelle: Detlev Scheerbarth

Potsdam. Gut ein Jahr nach Beginn des Ausbau des südlichen Berliner Rings (A 10) bei Michendorf (Potsdam-Mittelmark) haben die Verkehrsministerien des Bundes und des Landes sowie die Projektmanagementgesellschaft Deges am Montag eine erste Bilanz gezogen. Die Baustelle sorgt wegen vieler Unfälle und langer Staus für massiven Ärger und soll jetzt beschleunigt werden.

Wie ist es möglich, dass nun schneller gebaut wird?

Ursprünglich war für die komplette Freigabe des achtspurigen Ausbaus der A 10 zwischen den Dreiecken Nuthetal und Potsdam der Oktober 2020 angepeilt. Nun wird die neun Kilometer lange Strecke in drei Teilstücke zerlegt. Der Abschnitt zwischen Dreieck Potsdam und der Eisenbahnüberführung bei Seddin soll im August 2018 fertig sein und das Stück zwischen Nuthetal und Bahnbrücke im September 2019. Bliebe ein gut ein Kilometer langer Rest an der Bahnüberführung, der im Mai 2020 fertig sein soll. Laut Deges-Abteilungsleiterin Stefanie Langowski hat es dieses Stück in sich, weil umfangreiche Zugsperrungen auf der dicht befahrenen Strecke nötig sind.

Warum hat man nicht gleich Kurs auf eine offenbar mögliche kürzere Bauzeit genommen?

Weil die ursprünglich veranschlagten rund 150 Millionen Euro Baukosten das nicht erlaubt hätten. Nun legt der Bund noch einmal 4,5 Millionen Euro oben drauf. Gemeinsam mit den Baufirmen habe man die Abläufe optimiert, so Axel Schmohl vom Bundesverkehrsministerium. Jetzt könnten auch mehr Maschinen und Material eingesetzt werden, sagt Stefanie Langowski.

Bauabschnitte des achtspurigen Ausbaus

(Zum Vergrößern auf die Grafik klicken)

Beim Bau wird’s eigentlich immer teurer. Bleiben die Gesamtkosten bei der A 10 im Limit?

Die Gesamtkosten von 155 Millionen Euro sollen nicht überschritten werden, selbst wenn der Bund bei Straßenbauinvestitionen derzeit nicht knickrig ist. Auf der Rechnung stehen: die Erweiterung von sechs auf acht Fahrstreifen, der allein acht Millionen Euro verschlingende Ausbau der Rastanlage Michendorf (statt der jetzt 50 Stellplätze dann 180 Pkw- und 160 Lkw-Stellplätze) sowie die Errichtung von Lärmschutzwänden und der Einbau von Lärm minderndem Asphalt.

Was macht das Bauen an diesem Teilstück der A  10 so schwierig?

Weil es auf einem der am dichtesten befahrenen Autobahnabschnitte Deutschlands praktisch im laufenden Verkehr geschieht. Der Verkehr aus Nord, Südwest und West in Richtung Berlin und Osten bündeln sich hier. 100 000 Fahrzeuge werden täglich gezählt, ein Viertel sind Lastwagen. Für 2025 wird mit bis zu 126 000 Fahrzeugen gerechnet.

Die Anrainergemeinden leiden, wenn bei Stau auf der Autobahn Ausweichrouten durch die Orte genutzt werden. Vor allem Beelitz ist täglich betroffen. Überzeugt dort der Plan zur Bauzeitverkürzung?

„Jeder Monat zählt“, so Ordnungsamtsleiter Bernd-Rüdiger Ahlfeld. Er ist dennoch skeptisch, ob es gelingt, früher fertig zu werden. Für die Menschen in Beelitz, Fichtenwalde, Klaistow und Zauchwitz sei es momentan nahezu unerträglich, wenn Riesenlaster durch die engen Straßen kurven. „Da kann man kein Fenster mehr öffnen“, so Ahlfeld. Oft sei selbst für Feuerwehr oder Rettungswagen kein Durchkommen. Vor den beiden Grundschulen sei es für Kinder gefährlich geworden. Im Interesse rascher Verbesserungen habe sich Beelitz dafür eingesetzt, dass Ampelschaltzeiten verlängert werden und Digitalanzeigen auf der Autobahn dem Fahrer signalisieren, nicht abzufahren, weil er im nächsten Stau landen würde. Im Extremfall sollen Abfahrten zeitweise geschlossen werden.

Bis August 2018 wird die Ortsdurchfahrt der Landesstraße 88 durch Beelitz-Heilstätten ausgebaut, was zu einem zusätzlichen Rückstau von der dortigen Autobahnanschlussstelle führt. Warum wurde das nicht besser abgestimmt?

Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) räumte ein, dass das nicht optimal gelaufen sei. Allerdings seien es auch die Kommunen, die solche Bauprojekte unbedingt zeitnah durchsetzen wollten, weil sie fürchteten, dass die entsprechenden Fördertöpfe zu einem spätere Zeitpunkt leer seien. Brandenburg hat aktuell ein Investitionsprogramm für Landesstraßen über 100 Millionen Euro aufgelegt. Im Fall der L 88 übernimmt Beelitz von den rund 3,2 Millionen Euro Baukosten 900 000 Euro.

Die A 10-Baustelle ist nicht nur eine Staufalle, sondern ein Unfallschwerpunkt. Hat sich die Lage entspannt?

Nein. Laut Verkehrsministerin Schneider ist die Zahl der Unfälle mit Lkw-Beteiligung im April wieder angestiegen, nachdem der Jahresbeginn Anlass zur Hoffnung gegeben hatte. Und das trotz ständiger Geschwindigkeitskontrollen und einer besseren Beschilderung. 155 mal – also fünf mal täglich – krachte es im Dezember 2016. Im Vergleich zum Vormonat hatte sich die Zahl verdoppelt. Im Bereich der Baustelle gab es im gesamten Vorjahr 369 Unfälle mit 16 Verletzten, an 225 Crashs waren Lastwagen beteiligt.

Von Volkmar Krause

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