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Brandenburg Wie die Polizei den Bankenbombern auf die Schliche kam
Brandenburg Wie die Polizei den Bankenbombern auf die Schliche kam
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02:15 11.02.2018
Die Polizei zeigt Bilder der Verwüstungen, die durch die Automatensprenger in Brandenburg entstanden – und Bilder von den Festnahmen. Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

Eine gewaltige Explosion erschüttert das Gebäude, Glas splittert. Dass keine Menschen verletzt werden, ist Glück. Die Täter flüchten in deinem dunklen Wagen in den Schutz der Dunkelheit über die Grenze nach Polen. So wie am 6. Oktober 2016 in Lübben, wo durch einen in die Luft gejagten Automaten nicht nur das Gebäude der Bank, sondern auch das benachbarte Rathaus stark beschädigt wurde. Nun scheint der Fall aufgeklärt – und mit ihm mindestens zehn weitere in Brandenburg. Fahndern der Polizei aus Deutschland und Polen ist ein Schlag gegen zwei Banden, die Automaten gesprengt haben sollen, gelungen.

Der deutschen und polnischen Polizei ist ein Schlag gegen zwei Banden von Automatenbombern gelungen. Am Donnerstag hat die Polizei dazu eine Pressekonferenz gegeben und spektakuläre Bilder der Festnahme und der angerichteten Schäden gezeigt. Insgesamt verursachten die Verbrecher einen Schaden von mehr als 1,3 Millionen Euro.

In einer gemeinsamen Aktion mit 270 Einsatzkräften des Landeskriminalamtes Brandenburg und der polnischen Antiterroreinheit sind am Montag acht Tatverdächtige in Polen verhaftet worden, ein weiterer ist auf der Flucht. Umfangreiche Beweise seien gesichert worden: „Angefangen bei Panzertape über Tankrechnungen und hochwertigen Fahrzeugen, die als Tatmittel eingesetzt wurden, bis hin zu Kupferlanzen zum Stabilisieren der Schläuche“, sagte Mathias Schäle, Kriminaloberrat und Polizeiführer der „Besonderen Aufbauorganisation Geld“ (BAO Geld), die November 2017 aus der Sonderkommission „Fläming“ gebildet und auf mehr als 20 Ermittler des LKA zur Bekämpfung der Automatensprengungen aufgestockt wurde.

Kein Brandenburg-Phänomen, sondern ein europaweites

Die Täter gehen fast immer nach demselben Muster vor. Sie leiten Gas über einen Schlauch in den Geldautomaten, dann zünden sie ihn an und greifen nach dem Knall die Geldkassetten. Es ist nicht nur ein brandenburgweites Phänomen, sondern ein europaweites.

Das Werkzeug der Bankautomatenbomber. Quelle: Polizei/ Julian Stähle

Banken reagieren mittlerweile verstärkt präventiv darauf, arbeiten eng mit der Polizei zusammen, setzen unter anderem Gas-Neutralisierungssysteme oder einen Farbschutz ein, der das Geld in der Kassette beim öffnen markiert und damit entwertet. Einzelne Selbstbedienungszentren der Commerzbank bleiben in Südbrandenburg seit den sich häufenden Spreng-Fällen nachts von 22 Uhr bis sechs Uhr morgens geschlossen. „Das ist eine Zeit, in der Bankgeschäfte nur in Einzelfällen vorgenommen werden“, erklärt Commerzbank-Sprecher der Region Ost, Mathias Paulokat. Es sei das letzte Mittel nach drei Attacken 2016 gewesen. Die Kunden hätten Verständnis. „Sie wissen um die verheerenden Auswirkungen“, sagt Paulokat. Im schlimmsten Falle gefährden die Sprengungen Menschenleben.

Ein Bandenmitglied hat wegen versuchten Mordes gesessen

Rund drei Monate waren die Polizeifahnder den Banden auf der Spur. „Uns war schnell klar, dass es sich nicht nur um deutsche Täter handeln kann“, sagte der Leiter des Landeskriminalamtes Brandenburg, Dirk Volkland. Deshalb setzte man schnell auf eine Kooperation mit polnischen Behörden.

Brandenburgs LKA-Chef betonte immer wieder die gute Zusammenarbeit mit den polnischen Einsatzkräften und Fahndern. Quelle: Julian Stähle

Eine der gefassten Banden mit drei Tätern war vorrangig in Brandenburg aktiv. Sie waren verantwortlich für acht Attacken von August bis November 2016 auf Banken in Fürstenwalde, Guben, Spremberg, Eisenhüttenstadt, Forst, Luckau und die besagte Filiale in Lübben, sagte der leitende Oberstaatsanwalt Helmut Lange aus Frankfurt/Oder. Die zwei 35 und 41 Jahre alten Männer und der flüchtige Mittäter, der bereits wegen BTM-Delikten per Haftbefehl gesucht wird, verursachten einen Schaden von 1,3 Millionen Euro. Brandenburgs Vizepolizeipräsident Roger Höppner bezeichnete die Straftäter am Donnerstag auf einer Pressekonferenz als „hochgefährlich“. Unter anderem saß einer der Festgenommenen 14 Jahre wegen versuchten Mordes im Gefängnis. Auf die Spur der Täter kamen die Ermittler durch eine DNA-Spur in einem in Lübben zurückgelassenen Fluchtauto. Außerdem hätten einige Zeugenhinweise viel bewirken können.

Nächste Verhaftungen sollen in Kürze folgen

Sechs Mitglieder einer weiteren Bande werden verdächtigt, drei Geldautomaten in Brandenburg und weitere in Polen, Deutschland und ganz Europa gesprengt zu haben. Dabei entstand ein Schaden von über vier Millionen Euro. Von dem Geld aus den Kassetten ist nicht mehr viel übrig. Das meiste sei sofort umgesetzt worden, etwa in teure Anschaffungen oder Neuanbauten.

Bei der Pressekonferenz machten Vizepolizeipräsident Roger Höppner (l.) und Polizeiführer der BAO Geld, Mathias Schäle (m.), deutlich, dass dies nur der Anfang sei. Weitere Banden sind bereits im Visier der Fahnder. Quelle: Julian Stähle

„Der Erfolg ist nur der Anfang intensiver und monatelanger Ermittlungsarbeit“, betonte Vizepolizeipräsident Höppner. Der BAO Geld-Leiter Schäle hat gegenwärtig zwei weitere Banden im Visier – eine in Polen, eine in Deutschland. „Ich kann natürlich nicht sicher sagen, dass den Banden keine weiteren folgen werden“, sagte Schäle. Allerdings gehe er davon aus, dass die Ermittlungen langfristig nachhaltige Erfolge bringen und die Bürger dadurch auch nachts wieder mit einem Sicherheitsgefühl schlafen könnten. Die nächste Verhaftung jedenfalls könne nicht mehr lange dauern, gab Schäle zu verstehen.

Von MAZonline

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