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Brandenburg BER: Absturzrisiko eins zu zehn Milliarden?
Brandenburg BER: Absturzrisiko eins zu zehn Milliarden?
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02:15 30.09.2017
Der Forschungsreaktor am Wannsee trägt den passenden Namen BER II. Quelle: dpa
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Potsdam

Die umstrittenen Flugroute über den Wannsee-Forschungsreaktor beschäftigt seit Mittwoch einmal mehr die Justiz. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) will mit Hilfe von Gutachtern klären, wie groß das Risiko eines Flugzeugabsturzes auf den Reaktor des Helmholtz-Zentrums ist. Mehrere Gemeinden und Anwohner wehren sich gegen die Flugroute, die 2012 festgelegt wurde. Wann ein Urteil in der Sache ergeht, ist noch nicht abzusehen.

Im Auftrag des Gerichts haben Gutachter des Tüv Süd verschiedene Szenarien untersucht. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit eines herabstürzenden Flugzeuges, das den Reaktor trifft und beschädigt, zwischen einem Zehnmillionstel und einem Zehnmilliardstel liegt, also extrem unwahrscheinlich ist.

Risiko bei Tschernobyl war ähnlich

Anders ausgedrückt: Ein mal in zehn Millionen Jahren tritt ein solcher Horrorabsturz auf. Allerdings wurde auch die Atomkatastrophe von Tschernobyl von Experten mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu zehn Millionen eingegrenzt. Etwas wahrscheinlicher aus Sicht der Tüv-Gutachter ist das Szenario, dass einzelne Wrackteile den Reaktor oder das Gelände treffen. Das liegt den Experten zufolge bei eins zu einer Million.

Das Gericht muss nun klären, ob das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung dieses Risiko bei der Routenfestlegung berücksichtigen muss oder nicht. Die Behörde wehrt sich dagegen. Doch selbst wenn sie vor dem OVG nun verliert, bedeutet das noch nicht das Aus für die seit Jahren heftig umkämpfte Wannsee-Route. Denn das Aufsichtsamt könnte bei einer neuerlichen Abwägung zu dem Ergebnis kommen, dass das Risiko vertretbar ist.

Erledigt sich das Problem mit der Abschaltung des Reaktors?

Außerdem sind die Tage des Helmholtz-Reaktors gezählt. Er soll bis Ende 2019 abgeschaltet werden. Ob der BER, um dessen Flugrouten sich der Rechtsstreit ja dreht, bis dahin in Betrieb ist, ist weiterhin unklar. Allerdings geht auch der Reaktor nicht von heute auf morgen vom Netz. Bis er komplett stillgelegt ist, könnte es nach Plänen des Berliner Senats bis 2028 dauern.

Der Forschungsreaktor am Wannsee trägt den passenden Namen BER II. Quelle: dpa

Bis zu 80 Jets, so der Plan der Flugsicherung, könnten die Route nach der Eröffnung des Flughafens BER bei Westwindlage täglich nehmen. Dagegen wehren sich eine ganze Reihe von Klägern, unter anderem die Gemeinden Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark), aber auch Privatpersonen, darunter eine Angestellte des Helmholtz-Zentrums.

Kläger: „Man hält es einfach nicht aus“

Auch Olaf Ihlefeldt, Verwalter des Stahnsdorfer Südwestkirchhof, hat sich der Klage angeschlossen – als Privatmann, wie er betont. Schon heute werde Stahnsdorf am Wochenende in geringer Höhe überflogen. „Das beeinflusst unseren Alltag und unsere Arbeit. Wir werden Trauerreden künftig unterbrechen müssen, man hält es einfach nicht aus“, sagt er. „Wenn die Linien offiziell werden, bekommen wir ein richtiges Problem.“

Der juristische Aufwand, der um die Flugroute betrieben wird, ist groß. Das Oberverwaltungsgericht hatte den Fall bereits im Januar 2013 auf dem Tisch. Es hatte die Route damals gekippt – weil die Flugsicherung das Absturzrisiko nicht geklärt hatte.

Der Reaktor gehört zum Helmholtz-Zentrum am Wannsee und liefert Neutronen für wissenschaftliche Untersuchungen. Die Kernspaltung erfolgt nicht zur Energiegewinnung. Der Mini-Reaktor ist deshalb auch nicht mit einem Atomkraftwerk zu vergleichen. Es gibt lediglich 24 kleine Brennstäbe. Ein Atomkraftwerk braucht rund 600 große Brennstäbe.

Von Torsten Gellner

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