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Der Anti-Mehdorn – ruhig, aber ohne Visionen

BER-Chef Mühlen seit 100 Tagen im Amt Der Anti-Mehdorn – ruhig, aber ohne Visionen

Seit 100 Tagen ist Karsten Mühlenfeld (52) Flughafenchef. Der Maschinenbauer agiert weitgehend geräuschlos. Im Gegensatz zu seinem oft aufbrausenden Vorgänger Hartmut Mehdorn. Mühlenfeld will weg von den Negativ-Schlagzeilen. Er verspricht eine große Zukunft des BER, auch wenn eines noch unsicher ist.

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Karsten Mühlenfeld ist der Anti-Mehdorn: geräuschlos, nüchtern, sachlich.

Quelle: dpa

Potsdam. Seine Amtsübernahme hätte eleganter verlaufen können. Karsten Mühlenfeld hatte gerade erst bei seinem neuen Arbeitgeber, dem Hennigsdorfer Zugbauer Bombardier angeheuert, da willigte er ein, Deutschlands berüchtigtste Baustelle zu übernehmen: Die Brandenburger Landesregierung holte den 52-Jährigen im Frühjahr an den Flughafen BER, wo er die Nachfolge Hartmut Mehdorns antreten sollte. Bombardier war düpiert, und im Aufsichtsrat stimmte der Mitgesellschafter Bund gegen Mühlenfeld.

100 Tage nach seinem Amtsantritt kann von Turbulenzen keine Rede mehr sein. Karsten Mühlenfeld regiert den BER mit ruhiger Hand, geräuschlos, aber auch ohne große Visionen. Zumindest ohne Visionen, die er mit Tamtam in die Öffentlichkeit tragen würde. Das unterscheidet ihn fundamental von seinem Vorgänger. In seinen ersten 100 Tagen hatte Hartmut Mehdorn schon gefühlt Hundert Ideen vorgelegt, von denen meist nur wilde Schlagzeilen blieben.

Mühlenfeld will weg von den Negativ-Schlagzeilen

Mühlenfeld will weg von den vielen Negativ-Schlagzeilen. Dagegen hat man auch im Aufsichtsrat nichts einzuwenden. „Guter Start auf schwierigem Terrain“, sagt der amtierende Aufsichtsratschef und Brandenburger Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider über Mühlenfeld. Und der Dahme-Spreewald-Landrat Stephan Loge, dessen Behörde für die BER-Baugenehmigungen zuständig ist, meint: „Wir sind jetzt langsam in der Gewohnheit, dass Termine eingehalten werden.“

Als Mühlenfeld, der Maschinenbauer, noch Chef von Rolls-Royce war und am Standort Dahlewitz (Teltow-Fläming) die BER-Schlagzeilen las, wird er gelegentlich selbst den Kopf geschüttelt haben darüber, dass sich so ein Desaster im Land der Ingenieurskunst abspielt. Heute arbeitet er mit Technikchef Jörg Marks daran, die Folgen chaotischer Planung und ständiger Änderungswünsche zu beseitigen und den BER bis zum zweiten Halbjahr 2017 seiner Bestimmung zu übergeben. „Ich bin zuversichtlich, dass wir den Termin einhalten können“, sagt Mühlenfeld.

Ein Drittel der „Meilensteine“ sind abgearbeitet

Wie der BER an den Start gehen soll, das war schon weitgehend vorgezeichnet, als der Mann mit dem Bürstenhaarschnitt den Job im März übernahm. 200 sogenannte Meilensteine hat Technikchef Marks definiert, etwa ein Drittel davon sind bis dato abgearbeitet. Völlig im Plan sind die Arbeiten aber nicht. „Wir wollten ein Stückchen weiter sein, bei einigen kleineren Meilensteinen hinken wir etwas hinterher“, räumt Mühlenfeld ein. „Es ist eben ein täglicher Häuserkampf.“ Die großen Wegmarken seien jedoch planmäßig abgearbeitet: „Der fünfte Nachtrag zur Baugenehmigung ist eingereicht, der Hauptkabelkanal saniert, die Pavillons sind fertig, die Sanierung der nördlichen Start- und Landebahn läuft“, zählt Mühlenfeld auf.

Von dem Team, das er am BER, aber vor allem auch an den unter Hochlast arbeitenden Flughäfen Schönefeld und Tegel vorgefunden hat, ist der neue Chef begeistert. Denn die Mitarbeiter halten die in die Jahre gekommenen Airports trotz jährlicher Passagierrekorde bisher verlässlich am Laufen. Vor allem Tegel hat sein Soll mehr als erfüllt, doch jetzt wird es auch in Schönefeld eng. Ab Herbst wird Ryanair dort wesentlich mehr Flüge anbieten, deswegen muss das Terminal C noch einmal umgebaut werden.

Das Passagierwachstum hält an, der BER braucht dringend Entlastung

„Die Berliner Flughäfen haben in den vergangenen zehn Jahren ihre Passagierzahlen verdoppelt“, sagt Mühlenfeld. „ Wir gehen davon aus, dass das überdurchschnittliche Wachstum auch noch ein paar Jahre anhält.“ Das stellt Mühlenfeld und sein Team vor die Frage, wie die Passagiere untergebracht werden können. Bis zu 33 Millionen Reisende werden im Eröffnungsjahr 2017 erwartet, der BER kann aber nur 22 bis 27 Millionen Gäste abfertigen. Noch weniger also, als bislang bekannt. Unter Mehdorn hieß es noch, der BER sei für 27 bis 30 Millionen Gäste gut.

Wie dem auch sei: Die Passagiere müssen irgendwo abgefertigt werden. Zwei Modelle kommen infrage: Entweder wird das alte Schönefeld-Terminal auch über 2017 hinaus genutzt. Oder auf dem BER-Gelände wird im Bereich des Nordpiers ein Behelfsterminal gebaut. Der Aufsichtsrat soll im Herbst darüber entscheiden.

Der Airport wird ordentlich Rendite abwerfen, verspricht Mühlenfeld

Es gibt Zweifler, vor allem in den Reihen der Opposition, die es für unwahrscheinlich halten, dass sich der Flughafen auf absehbare Zeit – oder überhaupt jemals – rechnen wird. Dem hält Mühlenfeld die ungebrochen hohen Wachstumsraten der beiden Airports entgegen. Mühlenfeld ist sich sicher: „Der Flughafen wird eine Cashcow.“

Ab wann genau der Flughafen von seinen öffentlichen Investoren gemolken werden kann, das ist nach wie vor offen. Der Eröffnungstermin ist entweder eine geheime Kommando-Sache – oder er steht tatsächlich noch nicht fest, wie es Mühlenfeld zu verstehen gibt. Im Frühjahr 2016 soll der Flughafen fertig gebaut sein, daran schließt sich eine mehr als ein Jahr dauernde Abnahme- und Probephase. Und irgendwann im Sommer 2016 soll dann der Termin genannt werden.

„Ich hoffe, dass sich durch den BER mehr internationale Firmen in der Region ansiedeln“, sagt Mühlenfeld. Qualitativ hochwertige Arbeitsplätze könnten dann entstehen. „Und vielleicht wird auch die eine oder andere Firma wieder ihren Stammsitz zurück nach Berlin verlegen.“

Vom Turbinen-Ingenieur zum Flughafenchef


Karsten Mühlenfeld (52) ist, was man einen waschechten Berliner nennt. Er studierte Maschinenbau an der Technischen Universität Berlin („Abschluss als Jahrgangsbester“, wie es im offiziellen Lebenslauf heißt) und promovierte auch dort. Dann heuerte er bei Rolls Royce in München an.

Bei Rolls-Royce trieb Mühlenfeld vor allem den Aufbau der Triebwerksfertigung in Dahlewitz (Teltow-Fläming) voran, den mit mehr als 2200 Beschäftigten größten deutschen Standort des Konzerns. Anfang 2015 schied Mühlenfeld aus dem Unternehmen, bei dem er sein Handwerk gelernt hatte, aus, um beim Hennigsdorfer Zugbauer Bombardier anzuheuern.

Die Brandenburger Landesregierung holte ihn im März zum Flughafen BER.

Der 52-jährige Mühlenfeld ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt im Süden Berlins.

Von Torsten Gellner

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