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BER-Chef Mühlenfeld muss zum Rapport

Führungskrise am BER BER-Chef Mühlenfeld muss zum Rapport

Mühlenfeld ist ein erfahrener Manager aus der Industrie – doch am politisch kontrollierten BER gelten andere Gesetze. Der Ingenieur ist kein Diplomat. Nun sind wieder Empfindlichkeiten verletzt. Für Mühlenfeld könnte das ernsthafte Konsequenzen haben. Am Mittwoch muss er zum Rapport in den Aufsichtsrat.

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Flughafenchef Karsten Mühlenfeld ist mit seiner Personalpolitik in Ungnade gefallen.

Quelle: FOTO:dpa

Potsdam. Karsten Mühlenfeld ist kein Mann des großen Auftritts. Macht er von seinem Büro aus einen Abstecher in das in die Jahre gekommene Terminal, dann streift der Flughafenchef durch die Gänge, ohne dass jemand sonderlich Notiz von ihm nimmt. Der Mittfünfziger mit dem Bürstenschnitt ist niemand, vor dem sich die Wogen teilen.

Der Ingenieur ist aber auch keiner, der gut Wogen glätten kann. Mühlenfeld ist kein Diplomat, und das hat ihn am politisch umkämpften Projekt neuer Hauptstadtflughafen in erhebliche Turbulenzen gebracht. Weil er auf der Baustelle Technikchef Jörg Marks rauswarf – gegen ausdrückliche Bedenken der Eigentümer. Nun steht Mühlenfeld mit dem Rücken zur Wand. Am Mittwochabend kommt der Aufsichtsrat zu einer Sondersitzung zusammen, bei der Mühlenfeld seinen Alleingang erklären soll.

Nachfolger werden schon gehandelt

Der in Ungnade gefallene Flughafenchef selbst sieht seine Personalentscheidung nicht als Alleingang. In einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ hatte er am Wochenende gesagt, er habe schon „seit ein paar Wochen“ Ersatz für Marks gesucht. „Und das war mindestens dem Anteilseigner Berlin bekannt.“ Berlin aber dementierte gestern, ließ über Senatssprecherin Claudia Sünder ausrichten: „Dem widersprechen wir. Die Anteilseigner sind von der Personalentscheidung Mühlenfelds in dieser Woche völlig überrascht worden.“

Ist es gar die letzte Aufsichtsratssitzung Mühlenfelds? Zumindest kursieren schon Gerüchte, dass in Gesellschafterkreisen nach einem Nachfolger gesucht wird. Besonders scharf schießt der CDU/CSU-geführte Bund, der Mühlenfeld – den Kandidaten der SPD-regierten Länder Berlin und Brandenburg – von Anfang nicht unterstützt hat. Und der im Streit um das Regierungsterminal schon einmal eine Sondersitzung anstrengte, in der der Aufsichtsrat Mühlenfeld einnorden sollte. „Ich bekomme schon genug Prügel“, stöhnte Mühlenfeld damals.

Soll Bomba wirklich den Retter spielen?

Nun wird wieder ein Name gestreut, der schon einmal als Gegenkandidat zu Mühlenfeld gehandelt wurde: Der Verkehrsstaatssekretär des Bundes, Rainer Bomba (CDU). Er war Anfang 2015, als sich Hartmut Mehdorn aus dem Krisenprojekt BER verabschiedete, als potenzieller Nachfolger im Gespräch. Ob Berlin und Brandenburg hier mitgehen würden, ist allerdings sehr fraglich. Zumal Bomba seit 2010 im Aufsichtsrat des Flughafens sitzt – und damit fünf verschobene BER-Eröffnungen mit zu verantworten hat. Er soll jetzt den Retter spielen?

Mühlenfeld, der ehemalige Werksleiter von Rolls Royce in Dahlewitz (Teltow-Fläming), wusste, dass er auf dem BER-Chefsessel unter Beobachtung stehen würde – und unter Druck. „Ich habe nie gesagt, dass es leicht werden wird“, sagte er, nachdem er vor knapp zwei Jahren den Posten in Schönefeld übernommen hatte. Auch in einem privaten Unternehmen redeten einem Gesellschafter und Aufsichtsräte rein, berichtete Mühlenfeld einmal.

Aber in Schönefeld musste er schnell lernen, dass er dort noch weniger frei walten kann. Im Aufsichtsrat sitzen viele Politiker, Eigentümer sind zwei Länder und der Bund. „Irgendwo ist immer Wahlkampf“, seufzte schon Mühlenfeld-Vorgänger Hartmut Mehdorn, wenn sich wieder Politiker auf Kosten des BER zu profilieren suchten.

Mühlenfeld zieht sein Ding durch

Mehdorn schaltete dann auf Attacke, Mühlenfeld setzt eher die Scheuklappen auf und zieht sein Ding durch. Einen Bauleiter für den neuen Flughafen einzustellen oder entlassen, das ist formal Sache der Geschäftsführung, nicht des Aufsichtsrats. Also hat der Flughafenchef es gemacht, Jörg Marks entlassen und Christoph Bretschneider angeheuert, ohne sich um Bedenken der Kontrolleure zu scheren.

Man kann die Personalie Marks/Bretschneider als einen weiteren Versuch sehen, sich freizuschwimmen. So wie es auch vor einem Jahr beim Rauswurf seines Pressesprechers Daniel Abbou war, der ihm von Aufsichtsratschef Michael Müller mehr oder weniger aufgezwungen worden war. Heute geht es allerdings nicht um einen Pressesprecher, sondern um den Technikchef – und damit den Schlüsselposten des BER-Projekts.

Von Burkhard Fraune und Torsten Gellner

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