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Brandenburg BER-Chef warnt vor einer Offenhaltung von Tegel
Brandenburg BER-Chef warnt vor einer Offenhaltung von Tegel
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20:14 10.07.2017
Der Flughafenkoordinator der Landesregierung Brandenburg, Rainer Bretschneider (r.) und der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Engelbert Lütke Daldrup, am Montagnachmittag in Potsdam kurz vor Beginn einer BER-Sonderausschuss-Sitzung Quelle: dpa
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Potsdam

Unwirtschaftlich, horrende Mehrkosten, doppelte Lärmbelastung – die Ablehnung eines Weiterbetriebs des Flughafens Tegel war im BER-Sonderausschuss des Landtags deutlich. Flughafen-Chef Engelbert Lütke Daldrup und die Brandenburger Seite waren sich diesmal schnell einig. Eine Offenhaltung Tegels nach der Eröffnung des BER sei „keine Option“, wie Lütke Daldrup betonte. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrinth (CSU) hatte vorigen Freitag die Debatte los getreten, als er sich plötzlich zum Tegel-Befürworter aufschwang. Zwei Airports seien gut vorstellbar, die Flughafengesellschaft müsse das prüfen.

Was er als Geschäftsführer davon hält, sagte Lütke Daldrup (60), der seit März im Amt ist, schon einmal im Potsdamer BER-Ausschuss. Ein paralleler Betrieb von BER, Schönefeld Alt und Tegel würde zu erheblichen Mehraufwendungen von 100 bis 200 Millionen Euro pro Jahr führen. „Das können wir aus eigener Kraft nicht erwirtschaften.“ Das hieße, die drei Gesellschafter müssten nachlegen, was Brandenburg schon einmal entschieden ablehnt. Finanzminister Christian Görke (Linke) sagte, es gebe einen Beschluss der drei Gesellschafter –Berlin, Brandenburg, Bund – vom Januar, dass alle Mehrkosten die Flughafengesellschaft selbst tragen müsse. Er halte den parallelen Betrieb zweier Flughäfen weder für wirtschaftlich sinnvoll noch für notwendig.

Außerdem gäbe es für den sanierungsbedürftigen Flughafen Tegel einen zusätzlichen Investitionsbedarf, betonte Lütke Daldrup, den er auf etwa eine Milliarde Euro bezifferte. Bei zwei Flughäfen sei auch mehr Personal nötig als geplant. „Wir müssten eine völlig neue Flughafen-Crew aus dem Boden stampfen.“ Das Personal, das heute in Tegel tätig sei, soll nach dem Umzug in Schönefeld eingesetzt werden. Zusätzliche Kosten seien auch für den Schallschutz nötig, wenn Tegel offen bliebe. Allein, wenn der Schallschutz für den BER auch für die Anwohner von Tegel gelten solle, so der Flughafen-Chef wären statt der jetzt für Schönefeld geplanten 400 Millionen Euro mehr als eine Milliarde Euro nötig. Auch sei völlig offen, ob ein Weiterbetrieb rechtlich möglich ist. BER-Aufsichtsratschef, Brandenburgs Flughafen-Koordinator Rainer Bretschneider, vermutet hinter den Dobrinth-Äußerungen Wahlkampf, um der Berliner CDU zu helfen, die einen Volksentscheid für die Offenhaltung Tegels initiierte. Dobrinth müsse, wenn er es wirklich ernst meine, nun Pläne für eine Verlegung des geplanten Regierungsflughafens von Schönefeld nach Tegel vorlegen.

Das wird wohl kaum passieren. Denn ein Sprecher der Bundesregierung widersprach gestern Dobrinth. Man halte an der Schließung Tegels fest, die Bundesregierung stehe zum Konsensbeschluss, wonach Tegel nach der Eröffnung des BER geschlossen wird. Bei der Äußerung von Bundesminister Dobrindt handele es sich um „einen persönlichen Debattenbeitrag des Ministers.“

Lütke Dadrup erläuterte den Abgeordneten außerdem einige Grundzüge des Masterplans 2040. Hintergrund ist die Steigerung der Zahl der Fluggäste. 2040 wird mit 55 Millionen gerechnet. Im vergangenen Jahr wurden in Tegel und Schönefeld knapp 33 Millionen Passagiere abgefertigt. Ein zusätzlicher Terminal soll südlich vor dem bereits zur Nutzung freigegebenen Pier Nord entstehen. Das Abfertigungsgebäude für 100 Millionen Euro soll in einer zeit- und kostensparenden Leichtbauweise errichtet werden. Es ist für bis zu sechs Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt ist. Über Brücken soll das T1-E light an das Pier Nord angeschlossen werden. Im Frühjahr 2020 soll es fertig sein – unabhängig von der geplanten Eröffnung des Flughafens.

Schwierigkeiten gibt es am Flughafen neben der Sprinkleranlage offenbar auch bei den vielen Türen. Es gibt nach Angaben von Lütke Daldrup 1500 Türen mit bis zu 17 Funktionen und spezieller Steuerungstechnik. Bisher seien 51 Prozent komplett fertig. Diese geringe Zahl nach so langer Bauzeit sorgte im Saal für Raunen, wo Flughafengegner ihren Unmut über das Gesagte äußerten.

Der Ausschuss hörte in seiner Sitzung auch den umstrittenen Flughafen-Experten Dieter Faulenbach da Costa an. Er sagte, es sei angesichts vieler Planungsfehler unumgänglich, den Flughafen Tegel offenzuhalten. Er plädierte für ein Flughafensystem mit mehreren Airports, bei dem etwa auch Cottbus eingebunden werden könne. Billigflieger und klassische Airlines sollten jeweils eigene, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Flughäfen erhalten.

Unterdessen teilte die Fluglärmkommission bei einer Sitzung in Schönefeld mit, dass der Flugverkehr dort für mindestens zwei Monate wegen Bauarbeiten an der Nordbahn über die neue Südbahn abgewickelt werde. Dafür sei vom 16. Juli bis 28. Oktober eine Sondergenehmigung erteilt worden. Womöglich würden die Bauarbeiten aber bereits Ende August abgeschlossen. An der Nordbahn ist der Bau weiterer Rollwege und Halteplätze notwendig. Während der Nutzung der Südbahn gilt von 23.30 Uhr bis 5.30 Uhr ein Nachtflugverbot, während für die alte Nordbahn nur eine Beschränkung für laute Flugzeuge zu beachten ist.


Ziel der Eröffnung ist 2018 – mit Fragezeichen

Der Flughafen BER „Willy Brandt“ in Schönefeld soll im Jahr 2018 eröffnet werden – dieses aktuelle Ziel steht trotz vieler Fragezeichen immer noch. Im Sommer wollte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup eigentlich einen Termin nennen.

Ersetzt werden soll der Flughafen Tegel und der geschlossene Flughafen Tempelhof, später auch der Altflughafen in Schönefeld. Die drei Anteilseigner – Bund, Berlin und Brandenburg – hatten vereinbart, dass der BER in Schönefeld der einzige Flughafen für die Region wird. Die Kosten für das Projekt stiegen seit Baubeginn von zwei auf etwa 6,5 Milliarden Euro, teils durch nachgereichte Erweiterungen des Baus. Der leere Flughafen verschlingt jeden Monat 17 Millionen Euro Betriebskosten.

Von Igor Göldner

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