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Brandenburg Dem Flughafen BER droht der Verkehrskollaps
Brandenburg Dem Flughafen BER droht der Verkehrskollaps
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00:21 26.01.2019
Schon jetzt sind die Autobahnen rund um die Flughafenregion stauanfällig. Das Problem werde sich verstärken, sagen die Planer. Quelle: picture alliance / Bildagentur-o
Schönefeld/Potsdam

Die Industrie- und Handelskammer Cottbus hat die Ergebnisse ihrer Verkehrsstudie für das BER-Umfeld vorgestellt. Demnach ist die jetzige Infrastruktur dem zu erwartenden Verkehr nach der BER-Eröffnung nicht gewachsen. Die Kammer fordert deshalb die Umsetzung von 15 Maßnahmen – und setzt damit auch das Land unter Druck.

Schon die Basisdaten sind beeindruckend. Nach Berechnungen der beteiligten Büros Spreeplan und PST werden die Fluggastzahlen in Schönefeld bis zum Jahr 2040 von jetzt 13 Millionen auf etwa 50 Millionen pro Jahr ansteigen. Hinzu kommen steigende Einwohnerzahlen in allen Umlandgemeinden. Die Planer rechnen mit mindestens 70 000 zusätzlichen Einwohnern rings um den Flughafen. Darüber hinaus sollen bis zu 135 000 neue Arbeitsplätze in der Flughafenregion entstehen.

Staugefahr auf Autobahnen erhöht sich

Die Folgen für den Straßenverkehr: Bis zum Jahr 2040 werden laut Planer Bertram Teschner vom Berliner Büro Spreeplan täglich etwa 500 000 Fahrzeuge zusätzlich im Flughafenumfeld terwegs sein.

Damit erhöhe sich auf den Autobahnen A 100 und A 113 die Staugefahr. Die bestehenden Ausweichrouten seien schon jetzt ausgelastet und deshalb keine Alternativen für Autofahrer. An vielen kritischen Kreuzungen in Berlin und rund um den BER sei ebenfalls mit völliger Überlastung zu rechnen.

Investitionen dringend erforderlich

Für die öffentlichen Verkehrsmitteln gehen die Planer mit rund 600 000 zusätzlichen Fahrgästen bis 2040 aus. In diesem Bereich hätten die Länder bereits nachgesteuert, so Teschner. Zusätzliche Investitionen seien aber auch dort dringend erforderlich.

Die IHK hat einen umfassenden Forderungskatalog aufgemacht, den sie auch den Ministerien unterbreitet hat. Unter anderem seien allein im Raum Schönefeld drei zusätzliche Autobahnzufahrten nötig, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, Jens Krause. Darüber hinaus fordert die Kammer insbesondere im Schönefelder Raum den raschen Bau weiterer Zufahrtstraßen, die im Staufall Autobahnen entlasten können. Auch der Ausbau der A13 im Süden Brandenburgs, der bislang noch in keinem Plan berücksichtigt ist, sei dringend geboten.

IHK fordert U7 nach Schönefeld

Für den öffentlichen Nahverkehr setzt die IHK unter anderem auf die Verlängerung der U7 nach Schönefeld, eine deutliche Ausweitung des Busverkehrs rund um den Flughafen und eine bessere Anbindung der südlichen Landesteile an den BER.

Die Studie ist die erste, die alle verfügbaren Daten für die Flughafenregion zusammenfasst und die zu erwartende Verkehrsbelastung in Gänze beleuchtet. Sie sei auch als Rückendeckung für die Kommunen zu verstehen, die seit Jahren vor einem Verkehrskollaps nach BER-Eröffnung warnen, so Teschner.

Kommunen begrüßen Studie

Entsprechen werden die Ergebnisse auch in den umliegenden Kommunen begrüßt. „Das ist das, was wir schon lagen sagen. Deshalb ist es gut, dass unsere Thesen jetzt auch mit Zahlen unterlegt sind“, sagt der Landrat von Dahme-Spreewald, Stephan Loge (SPD).

Auch die Flughafengesellschaft lobte die Studie. „Der Flughafen ist der Wachstumsmotor einer dynamischen Region. Die IHK-Studie benennt wichtige Straßenbaumaßnahmen und die U-Bahn-Verlängerung, damit die prosperierende Flughafenregion auch in Zukunft verkehrlich gut funktioniert“, sagt Flughafen-Geschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup.

Beim Land spielt man den Ball zurück an die Gemeinden im Umfeld des BER. Diese müssten erst einmal ein gemeinsames Strukturkozept vorlegen, aus dem hervorgeht, wie sich Gewerbeansiedlungen und Wohnungsbau in der Region entwickeln, sagt Steffen Streu, Sprecher des Infrastrukturministeriums. „Dabei muss die Verkehrsentwicklung dann mitbedacht werden.“

Von Oliver Fischer

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