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Brandenburg Freilandhaltung von Hühnern verletzt Bodenschutzgesetz
Brandenburg Freilandhaltung von Hühnern verletzt Bodenschutzgesetz
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00:23 13.01.2019
Die Freilandhaltung von Legehennen in Brandenburg gefährdet laut BUND die Umwelt. Quelle: picture-alliance/ ZB
Potsdam

Die 20 Anlagen zur Freilandhaltung von Legehennen in Brandenburg widersprechen fast durchweg dem Bundesbodenschutzgesetz. Zu dieser Einschätzung kommt der Naturschutzverband BUND Brandenburg aufgrund der rechtlichen Auswertung einer Studie der Universität Kassel. Das Landesumweltamt hätte die Anlagen in ihrer vorliegenden Form überhaupt nicht genehmigen dürfen, so der Berliner Rechtsanwalt Tim Stähle. Stähle hat im Auftrag des BUND auf Grundlage von Modellrechnungen und zweier Versuche der Universität aus dem Jahr 2017 ein Rechtsgutachten erstellt.

Versuch an zwei Modellställen

Die Universität Kassel hatte 2017 anhand zweier kleinerer Freilandanlagen untersucht, wie viel Hühnerkot tatsächlich auf eine bestimmte Freilandfläche gerät. Selbst wenn die Hühner nur 10 Prozent ihres Kots tatsächlich im freien Feld und nicht in dem vom Untergrund getrennten Stall ausscheiden, geben 2500 Hennen, die sich stets auf einem Hektar aufhalten müssen, auf dieser Fläche in einem Jahr 565 Kilo Nitrat ab. Erlaubt seien nach den geltenden Richtlinien 170 Kilo Nitrat, so Anwalt Stähle.

„Der zugelassene Wert wird um ein Vielfaches überschritten“, betont Stähle. „Wir haben es mit einer schädlichen Bodenbelastung und einer Belastung des Grundwassers zu tun.“ Da die Betreiber auch oft nicht der Entsorgung des Kots im Freien nachkämen, gebe es in märkischen Betrieben letztlich eine Vielzahl von Verstößen gegen geltendes Umweltrecht.

„Aus den zwei Modellbetrieben der Universität Kassel ziehen wir den Schluss, dass alle Freilandanlagen in Brandenburg illegal sind“, sagt BUND-Landesgeschäftsführer Axel Kruschat. Der Sprecher der Bürgerinitiative „Contra Eierfabrik Oranienburg“, Axel Wunsch, fordert das Landesumweltamt auf, in allen laufenden Genehmigungsverfahren diese Erkenntnisse zu berücksichtigen. Bei den bereits bestehenden Anlagen müsste entweder die Zahl der Tiere verringert oder die Auslauffläche so gestaltet werden, dass sie in Gänze von den Hühnern genutzt werde. Die derzeit üblichen vier Quadratmeter pro Huhn seien viel zu klein. Würde der Hühnerkot besser auf das vorhandene Gelände verteilt, könne er durch den Pflanzenbewuchs auf natürliche Weise abgebaut werden, so Wunsch. Ein deutliches Zeichen für Übernutzung der Freilandflächen sei das Verschwinden von Grasnaben. „Man muss die Flächen deutlich vergrößern, dazu muss es auch Wechselauslaufflächen geben“, so Wunsch. Auf keinen Fall dürfe man aber zur geschlossenen Stallhaltung zurückkehren. Freilandhaltung sei die einzig akzeptable Form der Hühnerhaltung.

Grüne halten Kritik für berechtigt

Unterstützung erhält der BUND vom umweltpolitischen Sprecher der Grünen im Landtag, Benjamin Raschke. Wenn man die bestehenden Betriebe aufsuche, sehe man tatsächlich den Handlungsbedarf. Auch wenn vorhandene Flächen relativ groß seien, hielten sich die Tiere meist in der Nähe der Ställe auf, wodurch sich ihre Ausscheidungen rund um diese konzentrierten. Neue Gesetze seien zwar nicht nötig, gemäß geltendem Verwaltungsrecht müssten die jetzigen Erkenntnisse aber bei der Genehmigung berücksichtigt werden. Das helfe auch den Betreibern selbst.

„Dadurch bekommen sie auch Planungssicherheit“, so Raschke. „Es muss für alle Seiten klar sein: Wie sind die Spielregeln?“ Es sei niemandem gedient, wenn es nach Jahren der Auseinandersetzungen zwischen Betreibern und Gegnern zu einem Verfahren käme und die erteilte Genehmigung dann wieder kassiert würde. Die jetzt vorliegenden Modellrechnungen sollten bei künftigen Genehmigungen berücksichtigt werden.

Tatsächlich haben zum Beispiel in Haßleben (Uckermark) Umweltschützer 14 Jahre lang gegen die Wiedereröffnung der größten Schweinemastanlage der DDR gekämpft. Erst im Oktober 2017 hatte dann das Verwaltungsgericht Potsdam die vom Land bereits erteilte Genehmigung wieder aufgehoben.

Betreiber wehren sich

Heftige Kritik an den Studie und den Schlussfolgerungen des BUND kommt dagegen von den Betreibern der Freilandanlagen selbst. Der Geschäftsführer des Spreenhagener Vermehrungsbetriebs für Legehennen (Oder-Spree), Richard Geiselhart, meint, dass sowohl die Voraussetzungen der Studie wie auch die getroffenen Aussagen nicht stimmen. Nicht nur übertreibe die Universität Kassel die Dichte von Tieren auf einer bestimmten Fläche, sie wisse auch nicht, unter welchen Bedingungen sie ihren Kot ausschieden. „Ein Huhn kotet zu 80 Prozent bei der Futtergabe und bei Nacht.“ Entsprechend sammle sich der Hühnerkot meist in den Ställen an. „Von dort wird er gemäß der Düngemittelverordnung ordnungsgemäß auf landwirtschaftliche Flächen verbracht.“ Die Schätzung der Studie, mindestens zehn Prozent des Kotes lande auf wenigen Flächen, sei übertrieben.

Laut BUND gibt es in Brandenburg derzeit etwa 20 Freilandanlagen mit bis zu 40000 Hühnern. Insgesamt würden etwa 700000 Hühner zumindest teilweise im Freien gehalten. Für fünf weitere Anlagen laufen gerade die Genehmigungsverfahren, noch einmal genauso viele sind in Planung. Wie viel Nitrat in den bestehenden Anlagen tatsächlich in den tieferen Boden gelangt, wurde bisher noch nicht gemessen. Allerdings ist es laut BUND-Geschäftsführer Kruschat auffällig, dass in Gegenden mit Tierhaltungen die Nitratbelastung des Grundwassers besonders hoch ist.

Von Rüdiger Braun

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