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Baby-Boom braucht mehr Hebammen

Geburtshilfe in Brandenburg Baby-Boom braucht mehr Hebammen

In Brandenburg kommen mehr Kinder zur Welt. Das vergangene Jahr bescherte der Mark einen regelrechten Baby-Boom. Allerdings reicht die Zahl der Hebammen zur Betreuung der Mütter und des Nachwuchses nicht mehr aus, wie die Vorsitzende des Hebammenverbandes, Martina Schulze, beklagt. Und es werden zu wenige Hebammen ausgebildet.

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Hebammen fordern mehr Unterstützung vom Land.

Quelle: dpa

Potsdam/Fürstenwalde. Die märkischen Hebammen schlagen Alarm: Trotz deutlich steigender Geburtenzahlen gibt es zu wenige ihre Zunft. Zwar würden deswegen in Brandenburger Kliniken keine Frauen abgewiesen, erklärte Verbandschefin Martina Schulze am Donnerstag in Fürstenwalde (Oder-Spree). Allerdings kämen auf eine Geburtshelferin mindestens drei hochschwangere Frauen. „Das ist nicht länger zu verantworten“, erklärte Schulze.

Wenn Hebammen wegen eines hohen Geburtenaufkommens die Kreißsäle nicht verlassen könnten, übernehmen laut Schulze Schwestern die Erstversorgung der Babys. Gemäß der nach wie vor geltenden Reichsversicherungsordnung dürften aber nur Hebammen Geburten leiten, bei Komplikationen werde ein Arzt hinzugerufen. Auch in der Nachsorge gebe es massive Probleme: Um einen Platz zur Nachbetreuung müssten sich Frauen bereits kurz nach Bekanntwerden ihrer Schwangerschaft bemühen.

Es werden zu wenige Hebammen ausgebildet

Als eine Ursache für die Misere nannte Schulze, dass sich immer mehr Hebammen in den Ruhestand verabschiedeten und zu wenig neue ausgebildet würden. So geht Ende diese Jahres in Frankfurt (Oder) die letzte Vollzeit arbeitende Geburtshelferin den Ruhestand. „Alle drei Jahre werden in Cottbus 15 neue Hebammen ausgebildet“, sagte die Landesvorsitzende der Bündnisgrünen, Petra Budke. Das Land stehe klar in der Pflicht, die Kapazitäten zu erhöhen. Jetzt sei ein guter Zeitpunkt dafür, weil die Hebammen-Ausbildung bis 2020 laut EU akademisiert werden müsse, sagte Schulze. „Die Ausbildung endet dann mit einem Bachelor-Abschluss.“

Laut brandenburgischem Gesundheitsministeriums waren Ende 2015 in den 25 Krankenhäusern mit Geburtsstationen 207 angestellte sowie 43 sogenannte freie Beleg-Hebammen beschäftigt, die die Klinik-Infrastruktur nutzen können. Zudem gebe es vier Geburtshäuser in Potsdam, Eberswalde (Barnim) und Wendisch-Rietz (Oder-Spree). Etwa 400 Hebammen arbeiten laut Ministerium in eigenen Praxen.

Wenige Geburtsstationen, überfüllte Kreißsäle

Wegen des Geburtenrückgangs nach der Wende waren auch in Brandenburg Entbindungsstationen in Krankenhäusern geschlossen worden. Seit 1991 ging die Anzahl der Kreißsäle von 40 auf 25 zurück, zwei Geburtshäuser schlossen. Zuletzt wurde gegen den Protest von Kommune und Betroffenen die Geburtsstation in Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) dicht gemacht. Für viele Schwangere bedeutet das längere Wege und nicht selten überfüllte Kreißsäle. Auf einer Landkarte hat der Deutsche Hebammenverband für Brandenburg mehr als 100 Meldungen von Frauen registriert, die vergeblich eine Hebamme suchten – überwiegend zur Wochenbettbetreuung.

Problem: Hohe Haftpflicht-Prämien

Ein seit Jahren schwelendes Problem freier Hebammen sind die extrem hohen Haftpflicht-Prämien der Versicherer. Mehr als 6000 Euro jährlich sind dafür fällig. Ausgleichszahlungen der Krankenkassen mindern die Belastung nur teilweise. Geburtshelferinnen könnten diese enormen Ausgaben nicht länger allein schultern, sagte Grünenchefin Budke. Ihre Partei favorisiere hierfür ein öffentliches Modell ähnlich der gesetzlichen Unfallversicherung. Auch Kreise und Kommunen könnten sich im Rahmen der Daseinsvorsorge an den Kosten für Geburtshilfepraxen beteiligen. „Alle wollen mehr Kinder. Dann muss man uns auch helfen“, bemerkte Verbandschefin Schulze.

Von Volkmar Krause und Georg Russew

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