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Baby Lanie kommt wieder nach Hause

Potsdam, Hannover Baby Lanie kommt wieder nach Hause

Was als freundliches Hilfsangebot begann, endete als Kindesentziehung: Eine 19-jährige Obdachlose nimmt in Potsdam ein fremdes Baby mit und flieht mit ihm ins 250 Kilometer entfernte Hannover. Das Kind ist wohlauf, die Frau in Untersuchungshaft. Die Mutter des Babys kann es nicht verstehen: „Wer macht denn sowas?“

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Mutter Grace T. zeigt ein Foto ihrer Lanie.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam, Hannover. Es ist schwer zu verstehen. „Wer macht denn sowas?“, fragt sich Grace T. immer wieder. Mehr als 24 Stunden war sie von ihrer vier Monate alten Tochter Lanie getrennt – was als freundliches Hilfsangebot einer Unbekannten begann, endete als Kindesentziehung. Ein Baby, verschleppt von Potsdam nach Hannover. Am Freitagabend konnte T. ihr Kind wieder in die Arme schließen. „Ich bin so froh“, sagt die 35-Jährige. Sie war nach Hannover gereist und nahm ihr Kind im Kinderkrankenhaus Auf der Bult in Empfang.

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Hannover, 11. August 2017 – Familie T. aus Potsdam ist überglücklich. Am Freitagabend konnte Mutter Grace ihr Baby wieder in die Arme schließen – in Hannover. Dorthin hatte eine 19-Jährige das Baby verschleppt.

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Was war passiert? Der Säugling war am Donnerstag kurz vor 16 Uhr vor T.s Wohnhaus im Potsdamer Stadtteil Zentrum Ost von einer 19-Jährigen mitgenommen worden. Grace T. war mit ihren drei Kindern auf dem Heimweg vom Einkaufen im nahen Supermarkt. Die junge Frau half ihr beim Tragen und schlug vor, mit der Tochter im Kinderwagen spazieren zu gehen, während die Mutter den Jungs Essen macht. „Sie war freundlich und wollte mir helfen. Ich war überrascht, denn es kommt nicht oft vor, dass mir jemand Unterstützung anbietet.“ Grace T. stammt aus Kenia, seit acht Jahren lebt sie in Potsdam. Das Hilfsangebot der 19-Jährigen nahm sie gerne an – und sieht das jetzt als großen Fehler an, der beinahe zu einer Tragödie geführt hätte. „Ich wollte ihre Handynummer, aber sie sagte, wir sehen uns ja gleich wieder.“ Nach etwa 20 Minuten hatte Grace T. ein unangenehmes Gefühl und wollte nach Tochter und Babysitterin sehen. „Sie waren beide verschwunden. Ich geriet in Panik.“ Eine Stunde lang suchte Grace T. die Gegend ab. Vergebens. Gegen 17.30 Uhr informierte sie die Polizei.

20.20 Uhr Festnahme in Hannover

Um 20.20 Uhr konnte die 19-Jährige in einem Einkaufsmarkt in der Innenstadt von Hannover festgenommen werden – 250 Kilometer entfernt. Zwölf Beamte waren dafür im Einsatz. Das Kind kam zur Untersuchung in ein Krankenhaus. Noch in der Nacht die erlösende Nachricht: Lanie geht es gut. „Das ist so ein Glück“, sagt Grace T. am Freitagmittag, bevor sie mit ihrem Mann und den vier und sechs Jahre alten Brüdern von Lanie nach Hannover aufbricht. Dort holt sie die Kleine ab, die sich inzwischen in der Obhut des Jugendamtes befindet.

Mehr als 100 Polizisten suchen in Potsdam

Mehr als 100 Beamte, darunter Bereitschaftspolizisten aus Brandenburg und Berlin, sowie eine Rettungshundestaffel nahmen eine weiträumige Suche auf, befragten Nachbarn und Anwohner, durchstreiften ein nahes Einkaufszentrum am Hauptbahnhof. Ein Hubschrauber mit einer Wärmebildkamera kreiste über Potsdam. „In Fällen von Kindentzug müssen wir sehr schnell handeln, solange es noch mögliche Spuren gibt“, sagt Heiko Schmidt, Sprecher der Polizeidirektion West.

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Es ist die Horrorvorstellung jeder Mutter: Ein Fremder verschwindet mit dem eigenen Kind. In Potsdam hat eine fremde Frau einer Mutter angeboten, auf ihr Kind aufzupassen. Die Mutter willigte ein. Kurz darauf waren beide verschwunden.

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Vorwurf: Kindesentzug

Der 19-Jährigen wird Kindesentzug und keine Kindesentführung zur Last gelegt, weil sie keine Forderungen zur Freilassung, etwa nach Lösegeld, gestellt hat. Zum Zeitpunkt der großflächigen Suche hatte die Frau die Stadt mit dem Baby möglicherweise bereits verlassen. Der Polizei gelang es aber, das Handy der Gesuchten im Raum Hannover zu orten, nachdem diese sich noch einmal überraschend bei Grace T. gemeldet hatte. Brandenburgs Fahnder verständigten ihre niedersächsischen Kollegen.

19-Jährige soll aus Mecklenburg-Vorpommern stammen

Zur Person der Beschuldigten machen die Behörden nur wenige Angaben, weil sie als Heranwachsende (bis 21 Jahre) noch unter das Jugendstrafrecht fällt. „Nach unseren Erkenntnissen ist sie ohne festen Wohnsitz und hat sich mal hier und mal dort aufgehalten“, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam, Christoph Lange. Nach MAZ-Informationen stammt die 19-Jährige aus Mecklenburg-Vorpommern. Sie soll länger in Berlin gelebt haben und gilt als psychisch auffällig. Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte die Ermittlungen noch am Freitag an die Potsdamer Anklagebehörde übergeben. Die mutmaßliche Kindesentzieherin wurde zeitgleich nach Potsdam überstellt, wo sie noch am selben Tag einem Haftrichter vorgeführt werden sollte.

Ähnliche Fälle von Kindesentzug gab es in der Vergangenheit immer wieder. So wurde eine Frau im Spätsommer 2015 in Bad Cannstatt (Baden-Württemberg) zu knapp drei Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie ein Baby aus der Entbindungsstation eines Stuttgarter Krankenhauses entführt hatte.

Von Volkmar Krause

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