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Babyboom in Berlin: Schwangere weichen nach Brandenburg aus

Übervolle Kreißsäle und zu wenig Hebammen Babyboom in Berlin: Schwangere weichen nach Brandenburg aus

Die überfüllten Berliner Geburtsstationen machen sich inzwischen in Brandenburgs Kliniken bemerkbar. Hochschwangere aus der Hauptstadt berichten, dass sie an ihren Wunschkliniken weggeschickt und an Krankenhäuser im Umland verwiesen wurden, weil Hebammen fehlten.

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In Berlin fehlen ausreichend Hebammen. Die Folge: Viele Gebärende suchen Kliniken im Umland auf.

Quelle: dpa

Potsdam. Übervolle Kreißsäle und zu wenig Hebammen – Mütter, die in Berlin ihr Kind zur Welt bringen wollen, müssen starke Nerven beweisen. Denn in der Hauptstadt ist eine Debatte über die unzureichende Versorgung Schwangerer in den Kreißsälen entbrannt. Berlinerinnen berichten, dass sie an ihren Wunschkliniken weggeschickt und an Krankenhäuser im Umland verwiesen wurden, weil Hebammen fehlten. Eine Situation, die nun auch märkische Kliniken, vor allem im Umland, vor Herausforderungen stellt.

„Die Berlinerinnen sind glücklich, wenn wir sie aufnehmen“, sagt Sabine Linow, leitende Hebamme am Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann. Nach ihrer Auskunft sei es in den vergangenen Monaten einige Male vorgekommen, dass sich Hochschwangere aus der Hauptstadt in ihrer Not in letzter Minute an das Potsdamer Klinikum gewendet haben, weil in keinem Berliner Kreißsaal Platz für sie war. Um wie viele Entbindungen es sich dabei handelte, werde nicht erfasst, teilte das Krankenhaus mit.

„Niemand will Kind im Auto bekommen“

Aber Patientinnen hätten berichtet, dass sie trotz beginnender Wehen von Berliner Krankenhäusern an andere Häuser verwiesen wurden, weil keine Kapazitäten mehr für Geburten vorhanden waren. Die Mütter hätten zudem berichtet, dass sie nicht vom Rettungswagen nach Potsdam gefahren wurden, sondern sich auf eigene Verantwortung von Berlin nach Potsdam hätten begeben müssen. Damit seien Mutter und Kind einem großen Risiko ausgesetzt gewesen. „Niemand will sein Kind im Auto oder auf einem Parkplatz bekommen“, erklärt die Hebamme. Es drohe ein traumatisches Geburtserlebnis, das mitunter ein Leben lang im Gedächtnis bleibt. „Die Situation ist eine Katastrophe, sowohl für die werdende Mutter als auch für den Vater.“

Schwangere Berlinerinnen seien froh gewesen, dass sich am Bergmann-Klinikum jemand um sie gekümmert habe – auch wenn sie nicht an ihrem Wunschort entbinden konnten. „Wir weisen keine Gebärenden ab“, betont Linow, die seit 38 Jahren als Hebamme in dem Potsdamer Krankenhaus beschäftigt ist.

Auch viele geplante Anmeldungen von Berlinern

Dass Schwangere aus der Hauptstadt häufiger an Kliniken in Brandenburg verwiesen wurden, kann dagegen Jörg Schreier, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde am Helios-Klinikum Bad Saarow (Oder-Spree), nicht bestätigen. „Was wir sehr wohl merken, sind verstärkte Geburtsanmeldungen aus dem berlinnahen Speckgürtel, die bisher in Richtung Berlin abgewandert sind, sowie vereinzelte Anmeldungen von Berliner Frauen.“ Schwangere würden inzwischen auch weitere Wege auf sich nehmen, wenn sie ein „ganzheitliches Paket Geburt“ von einer Klinik erwarten dürfen.  

Mehrere Wochen im Vorhinein melden sich Mütter aus Berlin vor der Geburt auch im Potsdamer St.-Josefs-Krankenhaus an. „Wir haben deutlich mehr Frauen aus Berlin als sonst. Sie weichen nach Potsdam aus, weil sie unter der Geburt nicht erleben wollen, dass sie weggeschickt werden“, sagt Franziska Schubert, freiberufliche Hebamme im St.-Josefs-Krankenhaus. Dazu gehörten etwa Schwangere aus Berlin-Zehlendorf und -Spandau, aber auch Frauen aus Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark), die ursprünglich in Berlin entbinden wollten, aber angesichts der Schwierigkeiten bei der Versorgung Schwangerer auf Nummer sicher gehen wollten.

Babyboom in Berlin und Brandenburg

Gründe für die überfüllten Kreißsäle und Geburtenstationen sind Berlins Babyboom und die Überlastung der Hebammen, an denen es auch im Land Brandenburg mangelt. „Die Personalsituation ist ähnlich angespannt wie in der Pflege“, bestätigt Jens-Uwe Schreck, Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg.

Denn auch in der Mark kamen im vergangenen Jahr so viele Kinder zur Welt wie noch nie seit der Wende. „Das Problem, das die Berliner haben, haben wir auch: Die Kreißsäle sind voll, aber der Personalbestand der Hebammen wird nicht angepasst“, kritisiert Martina Schulze, Vorsitzende des Brandenburger Hebammenverbands. Vielerorts würden Hebammen an märkischen Kliniken händeringend gesucht, doch die Stellen blieben unbesetzt. „Viel Arbeit und Verantwortung für wenig Geld“, beschreibt die Stahnsdorfer Hebamme die Arbeitsbedingungen. Sie und ihre Kolleginnen fordern deshalb seit Langem, dass mehr Fachkräfte ausgebildet werden.

Von Diana Bade

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