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Brandenburg Bäckereikette Lila Bäcker meldet Insolvenz an
Brandenburg Bäckereikette Lila Bäcker meldet Insolvenz an
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10:51 16.01.2019
Lieferwagen von Lila Bäcker vor dem Betrieb in Gägelow, der 2018 geschlossen wurde.  Quelle: Michaela Krohn
Potsdam

Hiobsbotschaft für 2700 Mitarbeiter: Die Holding „Unser Heimatbäcker“ aus Pasewalk (Landkreis Vorpommern-Greifswald), die hinter der Bäckereikette „Lila Bäcker“ steht, ist insolvent.

Insolvenz von „Lila Bäcker“ zugestimmt

Das Amtsgericht Neubrandenburg stimmte am Dienstag einem entsprechenden Antrag des Unternehmens auf ein Eigenverwaltungsverfahren zu. Produktion und Verkauf in den Bäckereien sowie in den 400 Filialen in BrandenburgBerlin, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig laufen nach Firmenangaben weiter. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gasstätten spricht angesichts der Umstände von einem Skandal. Ein Großteil der Beschäftigten arbeitet im Nordosten.

„Mit dem Verfahren kann das Unternehmen unter dem seit Februar 2018 amtierenden Geschäftsführer Stefan Blaschak die momentane massive finanzielle Schieflage überwinden“, teilt das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit. Es gebe „Defizite in der gesamten Wertschöpfungskette, vom Einkauf über die Produktion bis hin zur Warenauslieferung“. Schuld daran seien „Fehler und Handlungen in der Vergangenheit“, die das Unternehmen „erheblich geschädigt haben“, wird Blaschak in der Mitteilung zitiert.

Mitarbeiter kritisieren „Lila Bäcker“

Die Mitarbeiter der Pasewalker Zentrale seien direkt nach der Entscheidung des Amtsgerichts informiert worden. Die Beschäftigten in den Filialen habe man schriftlich benachrichtigt, erklärt eine Sprecherin von Lila Bäcker. Die Geschäftsleitung will den Mitarbeitern am Mittwoch an mehreren Standorten die Gründe der Entscheidung persönlich erklären. In sozialen Netzwerken gaben Mitarbeiter an, sie hätten am Dienstag ihr Gehalt bekommen sollen, was aber nicht geschehen sei.

Jörg Dahms, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft NGG, kritisiert, dass die Chefs um Blaschak im Amt bleiben sollen: „Die aktuelle Geschäftsführung hat die Karre noch weiter in den Dreck geschoben. Warum sollen die plötzlich schlauer geworden sein?“ Unter Blaschak, der früher beim Spirituosenhersteller Berentzen und Coca-Cola arbeitete, hätten sich Umsatz und Ergebnis noch weiter verschlechtert. Die letzte veröffentlichte Bilanz ist für 2017, sie weist 18,5 Millionen Euro Verlust aus. Dahms fordert den Rücktritt der Geschäftsführung. Bei einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung bleibt das Management im Amt, verstärkt durch einen berufenen Verwalter. Das ist Jan Markus Plathner von der Hamburger Kanzlei Brinkmann & Partner. Die begonnene Sanierung solle fortgesetzt werden.

Gründer war 2018 aus der Firma gedrängt worden

Die Gehälter der Mitarbeiter sind lediglich bis Ende Februar durch das Insolvenzausfallgeld abgesichert. Das wird für drei Monate gezahlt. Die Sprecherin bestätigt, dass bereits die Löhne für Dezember und Januar aus diesem Topf bestritten werden. Für Gewerkschafter Dahms ist das ein Unding. Es sei zu spät Insolvenz beantragt worden. „Das ist sehr unprofessionell“, sagt Dahms. Der Antrag hätte schon im Dezember gestellt werden müssen, nun sei die Hälfte der Zeit, in der die Gehälter gesichert seien, verstrichen. Die verbleibende Frist zur Rettung des Unternehmens sei nun nur noch sehr klein.

Lila Bäcker gehört seit 2014 der Deutsche Beteiligungs AG aus Frankfurt/Main. Verluste sollte man nicht überbewerten, hieß es dort noch im November auf Anfrage der OZ zur Situation im Unternehmen, immerhin die sechsgrößte Bäckereikette Deutschlands. Lila-Bäcker-Gründer Volker Schülke war 2018 aus der Firma gedrängt worden. Die neue Geschäftsleitung schloss Produktionsstandorte in Gägelow bei WismarPasewalk und Dahlewitz in Blankenfelde-Mahlow, insgesamt mussten 225 Leute gehen. Das Arbeitsgericht Neubrandenburg erklärte Ende 2018 sechs Kündigungen für unwirksam.

Gerald Kleine Wördemann

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