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Brandenburg So reagierten die Pendler in Berlin und Brandenburg
Brandenburg So reagierten die Pendler in Berlin und Brandenburg
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13:06 10.12.2018
10.12.2018, Berlin: Reisende stehen im Berliner Hauptbahnhof und werden über den Streik informiert. Quelle: dpa
Potsdam

Am Montagmorgen stand auf den Schienen in Berlin und Brandenburg wegen des Warnstreiks der Zugverkehr vielerorts still – viele Regionalzüge fielen aus, der Fernverkehr wurde komplett eingestellt.

Viele Pendler hatten nur wenig Verständnis für die Maßnahmen der Gewerkschaft EVG, so auch David Scholz aus Luckenwalde. Dort ging am Morgen nichts mehr. Der Regionalzug in Richtung Berlin stand zwei Stunden auf dem Luckenwalder Bahnhof, bis der Zug dann gegen 9.30 Uhr wieder rollte. Der Streik traf hier vor allem Schüler.

David Scholz Quelle: Margrit Hahn

„Ich muss nach Ludwigsfelde zum Oberstufenzentrum. Ich mache dort ein berufsorientiertes Jahr. Auch wenn ich jetzt mit dem Zug fahre, nutzt es mir nichts, weil am Nachmittag wieder Streiks angekündigt sind und ich nicht weiß, wie ich dann nach Hause komme. Ich werde jetzt zum Oberstufenzentrum nach Luckenwalde damit ich den Tag als unentschuldigt eingetragen bekommen. Dieser Streik regt mich auf.“

Dem stimmt auch Maxim Wutzke aus Luckenwalde zu: „Der Streik ist vollkommen unnnötig. Nicht nur die Bahnfahrer auch die Arbeitgeber werden bestraft, weil sie ja ihre Leute nicht zusammenbekommen.“

Ähnlich verärgert ist Leon Falkenberg aus Dahme: „Ich habe meine Mutter angerufen, dass sie mich von Bahnhof abholen soll. Sie braucht von Dahme bis hierher eine dreiviertel Stunde. Ich weiß nicht, was sie mit de meinen kleinen Geschwistern macht. Entweder sie bringt sie mit oder sie muss jemanden suchen, der auf sie aufpasst. Dieser Streik nervt mich.“

Leon Falkenberg Quelle: Margrit Hahn

In Potsdam holen sich die Gestrandeten reihenweise Zettel der Bahn, die sie beim Arbeitgeber entschuldigen sollen. „Es ist schrecklich, weil wir Strafen bekommen, wenn wir eine Stunde später kommen. Dann müssen wir zwei Stunden mehr arbeiten“, sagt Arina Iurikin.

Bernhard Warnke (67) aus Schwante ist mit dem Auto früh zum Hennigsdorfer Bahnhof gefahren, er muss um 9.45 Uhr beim Arzt in Tegel sein. Verständnis für den Streik hat der Rentner wenig: „Das trifft zu viele Pendler.“

Berliner dachten, nur Fernverkehr sei betroffen

In Berlin ist das nicht anders: „Ich bin ziemlich gefrustet und habe auch kein Verständnis mehr. Die Bahn ist eh unzuverlässig und fällt viel aus“, sagt Ina Kottke (50) aus Adlershof. Sie hat den weiten Weg nach Griebnitzsee vor sich. „Vielleicht habe ich nicht richtig zugehört, aber ich dachte es wären nur Fernzüge, also keine S-Bahn betroffen“, sagt sie.

Viele Pendler sind überrascht: „Das ist ein blöder Tag für mich. Mein Handyakku ist leer und ich habe keinen Laptop dabei“,sagt eine junge Pendlerin, die zur Arbeit in Potsdam-Pirschheide muss. „Ich kann nur warten und verliere Zeit.“

Auch Rita Bakalova aus Jüterbog würde vom Streik überrascht. Mindestens eine Dreiviertelstunde Verspätung hatten alle Züge in Jüterbog, egal ob in Richtung Berlin oder nach Süden. „Keine Ahnung wie ich jetzt nach Wittenberg kommen soll“, sagt sie. Dabei hat sie noch Glück im Unglück. Denn normalerweise fährt sie in die andere Richtung zur Arbeit nach Teltow. „Heute habe ich keinen festen Termin, aber ärgerlich ist es trotzdem.“

Potsdamer haben Verständnis

Potsdam: Bahnreisende sitzen in einem für den Streik pausierenden Regionalzug am Hauptbahnhof. Quelle: dpa

Die Pendler am Potsdamer Hbf haben eher Verständnis für die Streikenden und nutzen die Zeit für einen Kaffee. „Es ist beschissen. Aber im Grunde finde ich es in Ordnung. Das müssten mehr in verschiedenen Branche machen, damit man aufwacht - politisch gesehen“, sagt Pendlerin Gisela Jeball aus Potsdam. Sie hat überlegt, Urlaub zu nehmen. „Ich wollte auch erst mit dem Auto fahren, aber das bringt ja auch nicht viel. Da steht man im Stau. Mal gucken, wie lange es dauert.“

„Wir stehen jetzt seit zwei Stunden hier und es geht nicht weiter. Persönlich finde ich den Streik bescheuert – aber ich kann die Beschäftigen der Bahn verstehen“, meint Pendlerin Karin Gemende. „Allerdings frage ich mich, ob es der richtige Zeitpunkt, jetzt zum Fahrplanwechsel und ausgerechnet am Montag.Wobei es zu Weihnachten noch schlimmer wäre. Ich hatte mich vorher erkundigt, ob der Zug fährt. In der App stand, dass er planmäßig fährt. Sonst hätte ich mir eine Alternative gesucht. Wenigstens funktioniert der Kaffeeautomat.“

„Das trifft zu viele Pendler

Bernhard Warnke aus Schwante Quelle: Sebastian Morgner

Bernhard Warnke (67) aus Schwante ist mit dem Auto früh zum Hennigsdorfer Bhf gefahren, er muss um 9.45 Uhr beim Arzt in Tegel sein. Verständnis für den Streik hat der Rentner wenig: „Das trifft zu viele Pendler.“

Jasmina Neuenfeld aus Hennigsdorf (16) wiederum wollte eigentlich heute früh um 6.40 Uhr an die Ostsee für ein Seminar. Jetzt hat sie einen Bus nach Oranienburg genommen - hier soll es um 10.10 Uhr mit dem Zug weitergehen. „Ich hoffe ich schaffe es noch!“

Kiosk in Ludwigsfelde freut sich über doppelten Umsatz

Der Kiosk in Ludwigsfelde, dem Pendler-Bahnhof mit den Strecken RE nd RE4, hat schon seit 5.30 Uhr auf. Valora-Gebietsverkaufsleiter Frank Schumann und Kollegin freuen sich zwar über mehr als doppelt so hohen Umsatz wie sonst, sind aber sauer: "Diese Strecke und die ganze Region sollten ja noch gestern Abend gar nicht dabei sein, und heut früh hören wir von Kunden, dass auf der ganzen Ringbahn nichts fährt. So ein Streik ohne Ankündigung und das jetzt im Dezember..."

Halt eines Regionalexpress-Zuges RE3 auf der Strecke Anhalter Bahn am Pendler-Bahnhof Ludwigsfelde. Quelle: Jutta Abromeit

Die 20-jährige Auszubildende Franziska Hechter aus Priedl musste statt wie sonst mit dem Zug mit dem Bus nach Ludwigsfelde kommen: "Der war natürlich rappelvoll, weil der Busfahrer ausnahmsweise auch Fahrräder mitgenommen hat, was er ja sonst gar nicht darf." Die junge Frau lernt im Küchenfachbereich beim ZAL.

Gestrandet in Bad Belzig

Der bundesweite Streik von Bahn-Mitarbeitern in Stellwerken hat auch den Hohen Fläming erfasst. Auf der Linie des Regionalexpress 7 bleiben die Züge in Richtung Berlin sowie in Richtung Dessau in Bad Belzig und an anderen Bahnhöfen stecken.

Der Bahnstreik hat am Montagmorgen auch den Betrieb am Fläming-Bahnhof in Bad Belzig lahm gelegt. Christine Janosi kam nicht nach Dessau zur Berufsschule. Quelle: Thomas Wachs

Christine Janosi ist nun schon zum zweiten Mal an diesem Morgen am Bahnhof der Kreisstadt. Immerhin hätte ihr Zug schon um 6.18 Uhr nach Dessau fahren sollen. Die Bad Belzigerin, die in der Ausbildung zur Erzieherin ist, verpasst dort nun ihre Berufsschule, die täglich um 7.30 Uhr beginnt.

„Ich hatte gedacht, am Morgen vielleicht doch noch weg zu kommen, aber nichts ging dann mehr“, erzählt Janosi. Sie hat jedoch Verständnis für den Arbeitskampf der Bahnbeschäftigten. „Anders können sie sich ja nicht zu Wort melden, als mit einem Streik“, sagt die Pendlerin. „Blöd nur, dass jetzt um 9 Uhr immer noch nichts geht“, so Janosi.

***

Auch nach dem Ende des Streiks der Gewerkschaft EVG müssen Reisende noch mit erheblichen Einschränkungen rechnen, wie es auf der Internetseite der Bahn heißt. Bis zum Nachmittag könne es demnach Teilausfälle und Verspätungen geben. Betroffen ist auch die Berliner S-Bahn (weitere Informationen finden Sie hier).

Von RND/MAZonline

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