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Bald rollen die XXL-Laster in Brandenburg

Bund genehmigt Teststrecken Bald rollen die XXL-Laster in Brandenburg

Die Gigaliner rollen an: Der Bund gibt rund zwei Drittel des Brandenburger Autobahnnetzes für die umstrittenen 25-Meter-Lkw frei. Brandenburg hatte bisher wenig von den Riesenlastern gehalten, seinen Widerstand aber aufgegeben. Spediteure in der Region zögern aber noch.

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Die 25-Meter-Lkw dürfen losfahren.
 

Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam.  Burkhard Fromm zögert noch. „Wenn wir in einen Lang-Lkw investieren, muss sich das auch rechnen“, sagt der Logistik-Unternehmer aus Oranienburg (Havelland). Der Chef und Inhaber des Fuhrbetriebs Fromm soll sich demnächst an der letzten Phase des fünfjährigen Feldversuchs zu den Gigalinern beteiligen, der Ende 2016 ausläuft. Doch er bleibt skeptisch: „Solange unklar ist, ob danach der Regelbetrieb erlaubt wird, besteht natürlich das Risiko, dass wir unnötig Geld in den Sand setzen.“

Der 150 Jahre alte Familienbetrieb ist eines von wenigen Unternehmen in Brandenburg, das den Einsatz der umstrittenen Riesenlaster testen will, die mit 25,25 Metern nochmals ein Drittel länger sind als die größten Sattelzüge. Fromm plant, den Lang-Lkw auf der Strecke Berlin-Wiesbaden für den Transport von Trockenbau-Material einzusetzen: „Da fahren wir täglich ein bis zwei Fuhren und könnten mit Anhänger 54 statt 36 Paletten laden. Das wäre natürlich kostengünstiger“, sagt der Fuhrunternehmer.

Neue Verordnung soll im März in Kraft treten

Noch im März, hofft Fromm, wird die neue Verordnung des Bundesverkehrsministeriums veröffentlicht. Dann will er entscheiden, ob es im Mai oder Juni losgeht. Sicher ist: Im neuen Streckennetz des Feldversuchs ist sein Standort in Oranienburg und die Route über die Autobahn gen Hessen enthalten. Das zeigt die Endfassung der sechsten Änderungsverordnung von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), die der MAZ vorliegt. Darin sind alle Strecken gelistet, auf denen Lang-Lkw mit Sondererlaubnis fahren dürfen.

Auf diesen Strecken sollen die Gigaliner künftig rollen

Auf diesen Strecken sollen die Gigaliner künftig rollen.

Quelle: Scheerbarth

Die Übersicht zeigt: Das Streckennetz für die Riesenlaster wird bundesweit nochmals ausgeweitet. Vor allem, weil erstmals das rot-rot-regierte Brandenburg die 25-Meter-Laster auf den meisten Autobahnen im Land zulässt. Die von Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) beantragten Teststrecken werden vom Bund nach jetzigem Stand alle freigegeben. Damit verweigern mit Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Berlin nur noch drei Länder auf ihren Straßen den Gigalinern die nötige Sondergenehmigung.

Brandenburg gab seinen Widerstand auf

Zu Beginn des Feldversuchs hatten noch fast alle rot oder grün regierten Bundesländer die Teilnahme an dem Praxistest abgelehnt, den die Union und der damalige Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zuvor gegen große Widerstände und Bedenken von Verkehrs- und Umweltexperten politisch durchgesetzt hatten. „Da wir als Logistikregion auch von dem wachsenden Seehafenhinterlandverkehr profitieren, ergibt es keinen Sinn, sich dem Feldversuch zu verschließen“, hatte Schneider das Umschwenken Brandenburg begründet.

Die Bundesregierung erlaubt die Fahrten der 25-Meter-Laster ohne eigenes Gesetz durch eine bloße Verordnung, deren sechste Fassung im Frühjahr in Kraft treten wird. In Brandenburg ist zum Beispiel der gesamte westliche Teil des A10-Autobahnrings um Berlin, die gesamte A9 Richtung Nürnberg, die A2 Richtung Niedersachsen, die A13 Richtung Dresden sowie die A19 und A24 Richtung Rostock und Hamburg vorgesehen.

135 Lang-Lkw in ganz Deutschland unterwegs

Bundesweit umfasst das erlaubte Streckennetz inzwischen mehr als 10 000 Kilometer in zwölf Bundesländern. An dem Feldversuch nehmen allerdings nur rund 50 Unternehmen mit 135 Lang-Lkw teil. Die Aussagekraft der Studie, zum Beispiel zur Verkehrsgefährdung und Umweltbelastung ist daher umstritten.

Die Ausweitung der Strecken stößt bei der Bahnlobby, die in der Allianz pro Schiene vereint ist, auf scharfe Kritik. Dort hält man 25-Meter-Trucks auf der Straße für unnötig und gefährlich. Zudem seien durch noch längere Lastwagen ein Rückgang des umweltschonenderen Güterverkehrs auf der Schiene und der Verlust von Arbeitsplätzen bei Frachtbahnen zu befürchten, wie entsprechende Studien zeigten.

Lobbyisten setzen Politik unter Druck

Große Lkw-Hersteller wie Daimler, Speditionen, der Verband der Autoindustrie und Verkehrsminister Dobrindt, der den Regelbetrieb in ganz in Europa anstrebt, halten die Riesenlaster dagegen für einen Fortschritt. Besonders Daimler und VW verstärkten mit zahlreichen Genehmigungsanträgen den Druck auf die Bundesländer. Zuletzt gaben neben Brandenburg auch Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ihre ablehnende Haltung auf.

Spediteur Fromm aus Oranienburg ist froh, dass auch Brandenburg letztlich den Kurs gewechselt hat. Doch ob er beim Pilotversuch mitmacht, ist noch nicht entschieden. Dafür müsste er zumindest eine spezielle Achse für den zusätzlichen Anhänger anschaffen. Kosten: 15 000 bis 20 000 Euro. „Da warten wir lieber noch ab, bis die neue Verordnung da ist“, sagt der Unternehmer. „Es muss ja auch klar sein, ob wir durch Sachsen-Anhalt und Hessen bis zum Kunden fahren dürfen. Und solange die Lang-Lkw höchstens 44 Tonnen laden dürfen, lohnt sich die Investition ohnehin nur für große, sperrige und leichte Güter.“

Sechs Firmen beteiligen sich am Feldversuch

In Brandenburg beteiligen sich am Feldversuch für Lang-Lkw neben dem Fuhrbetrieb Fromm in Oranienburg die BSH Hausgeräte in Nauen (beide Havelland), Nordgetreide in Falkenhagen (Prignitz), Fiege Logistik in Rangsdorf, Mercedes Benz in Ludwigsfelde und das Logistikzentrum GVZ Großbeeren (alle Teltow-Fläming).

Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) hat dafür rund zwei Dutzend Abschnitte auf Autobahnen, Bundes -, Land- und Gemeindestraßen für die Riesenlaster freigegeben. Dazu kommen 40 Autobahn-Rastplätze, die 25-Meter-Lkw aufnehmen können, sowie die nachgeordneten Straßen zu den Standorten, die sich beteiligen.

Studien zufolge könnten die 25-Meter-Trucks den Transport auf der Straße um 30 Prozent verbilligen. Das Fraunhofer-Institut prognostiziert bis zu 35 Prozent weniger Verkehr auf der Schiene.

Auch eine Untersuchung der Verkehrswissenschaftler Herbert Sonntag (TH Wildau) und Gernot Liedtke (TU Berlin) kommt zu dem Ergebnis, dass der Bahnverkehr weiter schrumpfen würde. Falls Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sich durchsetzt und die Genehmigung für den Regelbetrieb der Riesenlaster erteilt, könnte es täglich rund 7000 Lkw-Fahrten mehr geben, warnten sie.

Tausende Jobs bei Güterbahnen könnten verloren gehen, so die Studie. Die Frachtsparte der Deutsche Bahn steckt ohnehin schon in einer Krise und soll deshalb drastisch schrumpfen. DB-Chef Rüdiger Grube will 2600 Jobs streichen lassen und rund 400 Verladestellen vor allem in Ostdeutschland schließen.

Von Thomas Wüpper

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