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Brandenburg Bauer verstrickt sich in Widersprüche
Brandenburg Bauer verstrickt sich in Widersprüche
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16:22 11.08.2015
Bauer Wilfried Z. (72) aus Klein Behnitz (Havelland) am 11. August 2015 vor dem Potsdamer Landgericht. Quelle: Foto: Julian Stähle
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Potsdam, Klein Behnitz

Wilfried Z. lebt in seiner eigenen Welt. Es ist keine Idylle, aber es ist eine Welt, die noch halbwegs in Ordnung ist, solange seine Tiere da sind. Die Arbeit auf dem Hof ist anstrengend, das Geld fehlt, sogar Hundefutter habe er manchmal essen müssen. „Hundefutter, das ist hart“, sagt Wilfried Z. Aber die Kühe und Kälbchen seien immer gesund und versorgt gewesen. Davon ist er überzeugt.

Am 20. Januar dieses Jahres sah sich Wilfried Z. in seiner kleinen bäuerlichen Welt in Klein Behnitz im Havelland bedroht. „Da haben mich Räuber und Banditen überfallen“, sagt er am Dienstag vor dem Potsdamer Landgericht. „Die wollten meine Kühe wegnehmen.“

Seit Jahren gab es Ärger mit dem Hof

Wilfried Z. (72) muss sich wegen Totschlags, versuchten Totschlags und unerlaubten Waffenbesitzes vor der Justiz verantworten. Er hatte im Januar einen Tierarzt erschossen.

Am 20. Januar wollten drei Mitarbeiter des Kreisveterinäramtes wegen anhaltender Tierhaltungsverstöße die rund 30 Rinder von Wilfried Z. beschlagnahmen. Seit Jahren gab es Ärger mit dem Hof. Mehrere Nachbarn hatten ihn angezeigt, die Tiere waren immer wieder ausgebüxt, der Hof glich stellenweise einem Schrottplatz. Die Tierärzte machten Z. ein Angebot: Wenn er den Hof wieder in Ordnung bringt, bekommt er fünf Tiere zurück. Eine Kleinherde, für die es immerhin noch Fördermittel gibt.

Bauer sah sich von „Räubern und Banditen“ umzingelt

Am 20. Januar fielen in Klein Behnitz (Havelland) die tödlichen Schüsse. Die Polizei sichert den Tatort. Quelle: dpa

Aber für den greisen Landwirt waren die Behördenmitarbeiter nur „Räuber und Banditen“, die ihn überfallen wollten. Über Frank M., sein späteres Opfer, sagt Wilfried Z: „Der sah aus wie ein Räuber, hatte einen dicken Schnurrbart im Gesicht.“

Die Kollegin hatte Glück: Das Gewehr hatte Ladehemmungen

Der Besuch der Veterinäre wird zur Tragödie. Z. will sich die Kühe nicht wegnehmen lassen, schießt dem Tierarzt Frank M. aus nächster Nähe in den Bauch. Er verblutet. Dann will Z. laut Anklage auch auf Amtstierärztin Dörte W. (45) und ihre Kollegin schießen. Doch die Frauen hatten großes Glück: Laut Staatsanwalt Peter Petersen hat Z.s alte Flinte Ladehemmungen, die Kugel bleibt im Lauf. Frank M. war Ortsvorsteher in einem Ortsteil im Havelland.

Bauer Z. ist gesundheitlich angeschlagen

Im Rollstuhl wird Z. ins Gericht geschoben, er kann nur schlecht gehen, hat Herz- und Nierenleiden. „Es tut mir sehr leid, dass das passiert ist“, sagt Z. Es sei ein Unfall gewesen. Er habe die Waffe, die russische Soldaten bei ihm vergessen hätten, geholt, um in die Luft zu schießen. Da sei er gestolpert, der Schuss habe sich gelöst, M. sei zusammengebrochen. „Der hat zwei mal geschrien“, sagt Z..

Der Landwirt verstrickt sich in Widersprüche

Der Kleinbauer verstrickt sich aber rasch in Widersprüche. Angeblich hat er nicht gewusst, dass die Waffe geladen war; er wollte aber trotzdem damit in die Luft schießen. Warum lief er direkt auf sein Opfer, den dreifachen Familienvater Frank M. zu, wenn er nur einen Warnschuss abgeben wollte? Warum lief er den Frauen hinterher, statt sich um das Opfer zu kümmern? „Der hat nix mehr gesagt“, sagt Z. dazu.

In seiner Welt wollte die Amtstierärztin Dörte W. aus bloßer Boshaftigkeit die Tiere mitnehmen. „Die hat mich schon immer gehasst“, sagt Z. Aber die Tiere seien doch häufiger ausgerissen, fragt Richter Frank Tiemann. „Ja, das ist mal passiert. Da sind die abgehauen, durch ein Hotelzimmer durch. Wenn man Tiere hat, ist das so“, meint Bauer Z. dazu.

Gericht hegt Zweifel am Geständnis

Richter Tiemann zweifelt, macht den Angeklagten auf die vielen Widersprüche aufmerksam. „Vielleicht gehen sie noch mal in sich. Das ist kein aufrichtiges Geständnis“, empfiehlt er.

Unter Tränen erinnert sich Tierärztin Dörte W. an den 20. Januar. Wieder habe Wilfried Z. die vielen Missstände auf dem Hof – Stacheldraht, verschimmeltes Heu, meterhoher Mist – nicht wahrhaben wollen. Nach längeren Diskussionen sei er ins Haus, wieder raus, wieder rein, wieder raus. „Da hatte er das Gewehr in der Hand“, sagt sie. „Ich habe nur den Lauf gesehen, da knallte es auch schon.“

Die Polizei war vorgewarnt

Mit ihrer Kollegin rannte sie davon. Doch das Hoftor klemmte. „Z. kam hinter uns her. Da ging das Tor auf, wir rannten zu einer Bushaltestelle und versteckten uns“, sagt Dörte W.

Dort verständigten sie Polizei und Krankenwagen. Die waren schon vorgewarnt: Im Vorfeld des Einsatzes hatten die Tierärzte per Fax bei den Behörden Bescheid gegeben, dass sie sich bereithalten sollten, da solche Situation immer heikel sind.

Der Prozess wird am 18. August fortgesetzt.

Von Torsten Gellner

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