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Bauern sollen Brandenburgs Alleen retten

Umweltschutz in Brandenburg Bauern sollen Brandenburgs Alleen retten

Sie sind das Wahrzeichen Brandenburgs: die 8000 Kilometer Alleen. Aber die meisten Bäume sind alt, viele krank. Seit Jahren kommt das Land nicht hinterher beim Nachpflanzen. Jetzt soll ein neues Programm helfen.

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Allee in Brandenburg.

Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam. Weil sie beim Erhalt der Alleen im Land nicht hinterher kommt, startet die Landesregierung ein neues Programm zur Rettung der landschaftsprägenden Baumreihen. Künftig sollen Landwirte Prämien erhalten, wenn sie auf eigenen Flurstücken am Straßenrand Alleebäume pflanzen. Die ersten 392 Pflanzungen nach diesem Modell haben am Freitag im Beisein von Verkehrsministerin Kathrin Schneider (parteilos) und Landwirtschaftsstaatssekretärin Caroline Schilde bei Marwitz und Eichstädt (Oberhavel) begonnen.

Bauern verkaufen kaum noch Land – es ist zu wertvoll

Das ist ein Politikwechsel, denn bislang musste das Land die Grundstücke kaufen und die Pflanzungen selbst vornehmen. Das Problem: Weil Ackerland seit Jahren stetig an Wert gewinnt, veräußern Bauern ihren Grund und Boden kaum noch. Ein Blick in die Pflanzstatistik des Landesbetriebs Straßenwesen belegt das: Das in der Alleenkonzeption von 2007 festgelegte Ziel von 30 Kilometern neu gepflanzter Alleen jährlich ist noch in keinem der Jahre erreicht worden. 2015 wurden 17 Kilometer mit Jungbäumen versehen, 2014 waren es gar nur sieben Kilometer.

Nabu fordert Rettung des „Kulturguts Allee“

Wie bislang dürfe es nicht weitergehen, mahnt die Alleen-Beauftragte des Naturschutzbundes (Nabu), Manuela Brecht: „Hält der Trend an, wird Brandenburg auf längere Sicht kein Alleenland mehr sein – dann verschwindet dieses geschützte Kulturgut.“ Der Nabu begrüße die getroffene Vereinbarung, weil sie „die Landwirte einbindet“, so Brecht. Tatsächlich handelt es sich um eine Regelung, die den Bauern in einem ganz anderen heiklen Bereich Erleichterung verschafft: Sie können die Alleestreifen künftig als Umwelt- und Klimaschutzleistungen abrechnen. Zu solchen ökologischen Beiträgen sind die Bauern seit der jüngsten EU-Agrarreform verpflichtet, wollen sie in den vollen Genuss der EU-Subventionen kommen.

Grüne wollen eigenen Fonds für die Baumreihen einrichten

Der Nabu allerdings sorgt sich noch um die Langzeit-Perspektive dieser Doppellösung. „Nach 20 Jahren wird Ackerland, das mit Bäumen bepflanzt ist, zu Wald erklärt. Was ist dann?“, fragt Alleen-Expertin Brecht. Die Grünen im Landtag halten die Nachpflanzungs-Offensive für „überfällig“, so ihr verkehrspolitischer Sprecher Michael Jungclaus. Es sei höchste Zeit, gegen das „schleichende Verschwinden des brandenburgischen Wahrzeichens Allee“ anzukämpfen. Seine Fraktion will in den Haushaltsverhandlungen die Einrichtung eines Alleenschutzfonds beantragen. Der soll dafür sorgen, dass nicht ausgegebenes öffentliches Geld ins Folgejahr gerettet werden kann.

Von Ulrich Wangemann

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