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Brandenburg Bauernbund fordert: Wölfe auf Jagdliste
Brandenburg Bauernbund fordert: Wölfe auf Jagdliste
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16:10 05.06.2016
Wolf in der Schorfheide. Quelle: dpa
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Potsdam

Wölfe sollen künftig in Brandenburg gejagt werden dürfen – das fordert der Bauernbund Brandenburg, eine Interessenvertretung bäuerlicher Familienbetriebe mit knapp 450 Mitgliedern. „Wir brauchen nicht mehr Wölfe in Brandenburg und wir müssen dafür sorgen, dass die Tiere scheu bleiben – indem wir sie schießen, wo sie nicht hingehören“, sagt Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung. Er reagiert damit auf Forderungen des konkurrierenden, deutlich größeren Bauernverbands nach besserer finanzieller Unterstützung der Landwirte beim Bau von Zäunen. Jung entgegnet dem Bauernverband, finanziell lasse sich das Problem nicht lösen. „Jeder Wolf, der auf 500 Meter an menschliche Siedlungen oder Tierherden herankommt, ist ein Problemwolf“, so Jung.

Bauernbund-Präsident fürchtet hohe Kosten für Herdenschutz

Sollte der Wolf flächendeckend in der Mark heimisch werden, entstünden unbezahlbar hohe Kosten für Herdenschutz und Schadensausgleich im Falle getöteter Nutztiere, sagt Bauernbund-Präsident Karsten Jennerjahn – er schätzt die notwendigen Mittel auf eine Viertelmilliarde Euro. Stattdessen müssten die Raubtiere „mittelfristig in das Jagdrecht aufgenommen werden“. Dazu müsse die Landesregierung mittels einer Bundesratsinitiative aktiv werden. Ziel: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) solle die Europäische Kommission davon überzeugen, das Jagdverbot zu lockern. Im deutschen und westpolnischen Gebiet gebe es mittlerweile 700 bis 800 Tiere, die Verwandtschaft reiche bis in die russisch-baltische Population, so Jennerjahn. Vor diesem Hintergrund könne „nicht mehr von einer bedrohten Art ausgegangen werden“. Wölfe sollten nur in Schutzgebieten von der Jagd ausgenommen sein – etwa in ehemaligen Tagebauen oder auf Truppenübungsplätzen.

Menschen nicht gefährdet

Neun illegale Abschüsse von Wölfen sind seit 1991 in Brandenburg bekannt geworden. 2015 starb ein Tier, 2014 waren es drei.

Wolfsattacken auf Menschen hat es nicht gegeben, seit das Raubtier wieder heimisch ist in Deutschland. Die direkteste Begegnung hatte im Jahr 2014 ein Oberforstrat in Steinhöfel (Uckermark) nahe Angermünde. Dessen Hündin geriet nahe dem abseits gelegenen Hof mit einem Wolf aneinander. Der Forstbedienstete konnte den Wolf gerade noch abhalten, seine Tiroler Bracke zu töten. Der Hund überlebte nach einer Notoperation.

Hintergrund der Forderung ist der unterschiedliche Umgang mit den Raubtieren in Europa. In Skandinavien etwa können Wölfe mit Sondererlaubnis geschossen werden. In Finnland sollen im Jahr 2016 46 Wölfe zum Abschuss freigegeben worden sein. Auch Schweden kontrolliert die Wolfspopulation – unter anderem zum Rentierschutz. Dort gibt es gut 400 Tiere. In Brandenburg leben schätzungsweise 80 bis 100 Wölfe.

Ministerium sieht keine Chance auf Lockerung der Jagdrichtlinien

Anfang Mai war ein überfahrener Wolf auf der A10 bei Ferch gefunden worden – wahrscheinlich ein zwei Jahre altes, weibliches Tier. In Brandenburg sind seit 1990 offiziell 43 Wölfe durch Verkehrsunfälle gestorben, zehn nach Angaben der Behörden allein in diesem Jahr. Schwerpunkte seien mit drei toten Wölfen der südwestliche Berliner Ring und die A 9 mit zwei Tieren. Westlich des Berliner Rings bis zur Grenze zu Sachsen-Anhalt sind laut Landesumweltamt drei Wolfsrudel bekannt.

Der Sprecher des Potsdamer Umweltministeriums, Jens-Uwe Schade, verweist darauf, dass das scheue Raubtier nach wie vor auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten steht – und zwar europaweit. Erst vor zwei Jahren habe die Landesregierung beim Bundesumweltministerium vorgefühlt, ob Änderungen in der Bejagungs-Thematik möglich seien, sagt Schade. Man habe jedoch klar signalisiert bekommen, dass keine Chance auf Lockerung der entsprechenden Richtlinie für Deutschland bestehe. Vor einem Jahr habe das Ministerium eine ähnliche Anfrage in Sachen Biber klar abgelehnt. Schade sieht außerdem keine politische Mehrheit im Bundesrat: Von 16 Landesumweltministern stellt die Partei Bündnis 90/Grüne zehn.

Von Ulrich Wangemann

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