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Brandenburg Baumaschinen-Klau: Darum wird oft auf Anzeigen verzichtet
Brandenburg Baumaschinen-Klau: Darum wird oft auf Anzeigen verzichtet
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08:36 07.03.2016
Diebstahl-Schutz: An einem Kran hängt eine Säge. Quelle: DPA
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Potsdam

Die Diebe, die kürzlich einen Minibagger von einer Brückenbaustelle in Michendorf (Potsdam-Mittelmark) abtransportierten, hatten Pech. Ihnen wurde das GPS zum Verhängnis. Nur kurze Zeit später war der Bagger geortet, und die Polizei konnte in Treuenbrietzen einen Verdächtigen schnappen. So schnell geht es jedoch selten. Der Diebstahl von Bau- und Landmaschinen, Lastwagen und Transportern macht Brandenburger Unternehmern zu schaffen. Viele Fahrzeuge verschwinden nach Osteuropa, manche nur als Ersatzteilspender.

Dabei ist nicht nur die Brandenburger Grenzregion im Visier. Ähnlich wie beim Autoklau werden Bagger, Traktoren und Radlader von organisierten Banden bundes- und europaweit geknackt. Beispiel ist der Betonmisch-Lkw, der Mitte Februar auf der Autobahn bei Frankfurt (Oder) gestoppt wurde, am Steuer ein 39-jähriger Pole. Der Mercedes war in Frankreich gestohlen worden.

Raubzüge durch Firmen

8. Februar: In Hönow (Märkisch-Oderland) stehlen Unbekannte eine Estrichpumpe aus einer Lagerhalle. Schaden: 20 000 Euro.

11. Februar: Im Tagebau Jänschwalde (Spree-Neiße) verschwinden Spezialwerkzeuge für den Gleisbau. Schaden: 20 000 Euro.

12. Februar: In Neupetershain (Oberspreewald-Lausitz) wird ein Hallentor aufgehebelt und ein Kipper der Marke Iveco gestohlen.

22. Februar: In Jänschwalde (Spree-Neiße) klauen Unbekannte eine Forstmaschine. Eine zweite können sie nicht knacken.

1. März: Aus einer Firma in Herzberg (Elbe-Elster) verschwinden Anhängerteile von elf Traktoren im Wert von 6000 Euro.

3. März: Aus einen Stall ein Bendelin (Prignitz) werden ein Radlader, ein Hochdruckreiniger und ein Kompressor gestohlen. Schaden: 50 000 Euro.

Beunruhigende Tendenz: Weniger Anzeigen

Aber viele Diebstähle werden in Brandenburg nicht mehr angezeigt. Laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern unter 1200 Unternehmen sind 2014 nur 60 Prozent der Einbrüche angezeigt worden, acht Jahre zuvor waren es noch 85 Prozent. „Die Tendenz ist beunruhigend“, sagt Thomas Herrschelmann, Sicherheitsexperte bei der IHK Frankfurt (Oder). Firmenchefs hätten offenbar weniger Vertrauen in Polizei und Justiz. Zudem fürchteten sie, bei gehäuften Diebstählen aus der Versicherung zu fliegen. Der Schaden pro Einbruch wurde laut Herrschelmann im Vorjahr mit 10.000 Euro beziffert (2010: 4000 Euro).

Manfred Biener, der mit seiner Frankfurter Firma seit fast 25 Jahren Erdarbeiten ausführt, will nur noch große Verluste der Polizei melden. Bei ihm gab es bislang über 15 Einbrüche, fünf Lastwagen verschwanden. Den Gesamtschaden schätzt Biener auf eine halbe Million Euro. Jüngst verschwanden von zwei Frontladern die Batterien – ein vergleichsweise geringer Verlust. „Wenn das so weitergeht, braucht man keine Anzeige mehr zu erstatten, es passiert ja doch nichts“, so Bieners Tochter Doreen, die den Betrieb leitet. Mehr will sie nicht sagen. Sie fürchtet „Ärger“. Nachdem sich ihr Vater in der Lokalpresse geäußert habe, sei der Zoll auf den Firmenhof gekommen.

Auch Michael Branding, Chef einer Landtechnikfirma in Angermünde (Uckermark), bestätigt, dass er sich – „in kleineren Fällen“ – die Anzeige spart. „Das kostet Zeit und bringt nichts.“ Bei ihm verschwand jüngst eine 3000 Euro teure Pumpe. Der Polizei fehle Personal, sie sei überfordert, sagt er.

Polizei-Chef weist Kritik zurück

Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke weist das zurück. „Wir sind wesentlich besser, als mancher denkt. Das sieht man daran, wie viele Planenschlitzer auf Lkw-Rastplätzen wir in den vergangenen Wochen gefasst haben. Ich kann nur jedem empfehlen, Anzeige zu erstatten.“ Neben der Strafverfolgung, die mit der Anzeige eingeleitet werde, könne die Polizei dadurch Trends in der Kriminalitätsentwicklung besser erkennen und entsprechend reagieren, so Polizeisprecher Rudi Sonntag.

Von Volkmar Krause

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