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Brandenburg In Sekundenschnelle beim Patienten
Brandenburg In Sekundenschnelle beim Patienten
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00:30 08.07.2015
Rettungsassistent Christian Frank (l.) und Notarzt Andreas Kittel führen erste Maßnahmen nach einem Sonnenstich durch. Quelle: Julian Stähle
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Beelitz

Notarzt Andreas Kittel hockt neben der Trage, auf der seine Patientin liegt. Er drückt ihr Handgelenk und fühlt einen schwachen Puls an seine Finger schlagen. Das Gesicht der Frau ist blass, ihre Augen glasig. In der knallenden Mittagssonne fühlte sie sich plötzlich benommen und bekam kaum noch Luft. Der Blutdruck ist im Keller. Die Patientin bekommt eine Sauerstoff-Kur, danach ist sie fast wie neu. Sicherheitshalber entscheidet der Arzt, sie trotzdem ins Krankenhaus zu bringen, denn nicht immer ist nur die Hitze verantwortlich für einen Zusammenbruch. Am bisher heißesten Wochenende des Jahres war das kein Einzelfall. Bei Temperaturen weit über 35 Grad zählte der Rettungsdienst der Johanniter bis Sonntagmittag 23 Hitze-Einsätze allein im Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Atemnot und Bewusstlosigkeit sind die Symptome, die Sanitäter bei extrem heißem Wetter am häufigsten behandeln, erklärt Andreas Kittel, der seit 15 Jahren bei der Unfallhilfe der Johanniter arbeitet. Bei Hitze-Einsätzen muss er oft automatisch mit ausrücken, weil die Patienten möglicherweise in Lebensgefahr schweben. „Ein Hitzschlag kann besonders bei bereits kranken oder älteren Menschen tödlich enden“, sagt der Mediziner. Wenn die eigene Körper-Kühlung versagt, weil Flüssigkeit fehlt, können irgendwann Gehirnfunktionen aussetzen. In der Folge werden die Organe nicht mehr ausreichend versorgt. Im schlimmsten Fall versagt das Herz. „Das sind zwar eher Ausnahmen, die sich aber häufen, wenn es über längere Zeit sehr warm ist“, sagt Kittel.

Es ist Mittagszeit in der Johanniter-Rettungswache in Beelitz. Sechs Kollegen essen gemeinsam am Tisch im Aufenthaltsraum. Was nach einer entspannten Pause aussieht, kann jederzeit durch einen Notruf unterbrochen werden. „Eine innere Unruhe ist immer da. Auch in der Nacht schlafen wir nicht, sondern ruhen nur“, sagt Rettungsassistent Sven Schmidt. Die beiden Rettungswagen und das Notarzteinsatzfahrzeug stehen seit dem Einsatz am Vormittag still. „Das ist eigentlich ein gutes Zeichen, denn dann geht es den Leuten gut und das ist uns natürlich lieber“, sagt er. Trotzdem ist das ganze Team immer in Bereitschaft, besonders wenn es so extrem heiß ist, wie am vergangenen Wochenende.

Funksprüche der Leitstelle für das gesamte Land Brandenburg hallen durch den Lautsprecher der Wache, manchmal auch eine Sirene. Ernst wird es aber erst, wenn der persönliche Pieper lärmt. Dort können die Rettungskräfte lesen, wie der Patient heißt, wo der Einsatz ist und welche Beschwerden vorliegen. Nur 60 Sekunden haben sie nach Eingang des Alarms Zeit, in die Wagen zu springen und loszufahren. Spätestens nach 15 Minuten sollten sie am Unfallort eintreffen.

Sven Schmidt könnte sich keinen besseren Job vorstellen. Er macht ihn gern, dennoch ist die Arbeit bei der Hitze härter als sonst. Einen hundert Kilogramm schweren Menschen von der vierten Etage auf der Trage nach unten zu wuchten, erfordere körperliche Fitness, sagt er. Besonders unangenehm seien Unfälle auf der Autobahn. „Auch wenn die Sonne auf den Asphalt knallt, müssen wir Schutzkleidung tragen.“ Knöchelhohe Sicherheitsschuhe, lange Hosen und langärmlige Jacken mit Reflexionsstreifen seien nicht gerade atmungsaktiv, verrät er. „Wir passen aufeinander auf und ermahnen uns gegenseitig, genug zu trinken.“

Wenn er eine 24-Stunden-Schicht schiebt, wohnt Schmidt auf der Wache. Jeder hat einen eigenen Ruheraum. „Es gibt extreme Tage, an denen wir fünf Einsätze in zwölf Stunden haben.“ An diesem Tag erleben die Sanitäter die Ruhe vor dem Sturm. „Viele Menschen verhalten sich bei dem Wetter vorsichtig und bedacht, das beobachten wir immer wieder“, sagt Andreas Kittel. Mit drei hitzebedingten Einsätzen am Sonnabend war das Aufkommen in Beelitz am gesamten Wochenende erhöht, bestätigt Rettungsdienstleiter Thomas Jordan am Sonntag auf Anfrage.

Von Luise Fröhlich

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