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Beeskower „Ice Guerilla“ eröffnet Online-Shop

Lieferservice für Deutschlands bestes Vanilleeis Beeskower „Ice Guerilla“ eröffnet Online-Shop

Die Beeskower „Ice Guerilla“ hat einen Online-Shop eröffnet. Der Bestellservice über das Internet ist ein Testballon für den geplanten Einstieg in die industrielle Produktion. „Ice Guerilla“-Chef Ralf Schulze will in Beeskow eine Eisfabrik errichten.

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Ricco Klotzsche von der „Ice Guerilla“ präsentiert eine Transportbox für den Versand des Beeskower Speiseeises.

Quelle: dpa

Beeskow. Unablässig gibt das Handy von Ralf Schulze leise „Pling“-Geräusche von sich. „Das Signal ertönt jedes Mal, wenn jemand in unserem neuen Online-Shop Eis bestellt hat“, sagt der Begründer der Beeskower Firma „Ice Guerilla“. Einige „Plings“ später schüttelt er ungläubig den Kopf. „Wenn man bedenkt, dass wir dafür so gut wie keine Werbung gemacht haben, ist das schon Wahnsinn“, freut sich der 41-Jährige.

Erst seit wenigen Tagen können sich Kunden unter www.iceguerilla.de ihr eigenes Lieblingseis zusammenstellen – aus 24 Sorten, die unter dem Link „Mixer“ mit 23 Extras wie Chiliflocken oder weißer Schokolade und 28 Soßen – Honig, flüssiger Tortenboden oder Amarena-Krisch - kombinierbar sind. Der so gewählte Mix kommt in einen 500 Milliliter-Becher, der wiederum in eine mit Trockeneis gekühlte Versandkiste und ab geht die köstlich-kalte Fracht an den Besteller. Dieser Service ist nicht billig, für einen Becher handgemachten Beeskower Eises berechnet die Firma 7,99 Euro. Zudem müssen vier Becher bestellt werden, damit sich der Transport in der Spezialkiste lohnt, hinzu kommen vier Euro Versandkosten.

Nicht nur ein Eis-Macher

Der 41-jährige Ralf Schulze liebt Herausforderungen, wie er in der Vergangenheit schon oft bewiesen hat. Eigentlich hatte der gelernte Kfz-Mechaniker einen gut bezahlten Beamten-Job bei der Bundeswehr. Als er hörte, dass das Kino in seiner Heimatstadt Beeskow geschlossen werden sollte, sprang er in die Bresche. Allerdings wollte ihm keine Bank einen Kredit gewähren – für ein Kino in einer 8000-Einwohner-Kleinstadt. Schulze blieb hartnäckig und überzeugte schließlich die Beeskower Stadtverwaltung zu einem zinslosen Darlehen.

Das Kino „Schukurama“ mit drei Sälen läuft gut, weit berühmter wurde jedoch schnell die dazugehörige Eis-Lounge, beliebter Treff auch für Nicht-Kinogänger. Schulzes Credo: Wenn schon Eis, dann selbst gemachtes. Rund 200 Sorten fertigt die „Ice Guerilla“, deren Name sinnbildlich für Schulzes Kampf gegen die den Eismarkt dominierenden Italiener steht.

Das schreckt Eisliebhaber aus ganz Deutschland offenbar nicht. Sie lassen sich die handgemachte schmelzende Leckerei offenbar gern etwas kosten und stürmen den Online-Shop, so dass der Server zwischenzeitlich schon zusammenbrach. Das inzwischen deutschlandweit berühmte Vanilleeis, für das Schulze 2012 auf der Fachmesse „Intergastra“ den ersten Preis bekam, bleibt der Renner, auch online. Ebenfalls stark nachgefragt sind die Sorten Schoko und Käsekuchen. Wer sich sein Lieblingseis nicht selbst mixen will, bekommt unter dem Stichwort „Bestseller“ Anregungen - „New York Trip“ nennt sich beispielsweise eine Kreation aus Käsekuchen-Eis mit Erdbeervarigato und Kuchenkrümeln. Die Variante „Sesam öffne Dich“ enthält Haselnusseis, Sesamkrokant und Toffeevarigato.

Neun Monate lang hat das Ehepaar Schulze gemeinsam mit seinen vier Mitarbeitern und der Firma Schaumaplast aus Nossen sowie dem Industriegas-Spezialisten Linde aus Leuna an der speziellen Versandkiste geknobelt, die das leckere Beeskower Eis währen der Reise zum Kunden bis zu 75 Stunden lang frostig und fest hält. Inzwischen läuft für die blau bedruckte Kiste, in der vier Eisbecher in speziellen Halterungen schweben, das Patentverfahren. Das online-Shop der „Ice Guerilla“ ist ein Testballon für das weitaus größere Projekt einer Eisfabrik, das Schulze in Beeskow plant. Große Supermarktketten waren an die „Ice Guerilla“ herangetreten, wollten das prämierte Speiseeis der Beeskower in ihren Märkten anbieten, weil die Nachfrage danach so groß ist. „Für so riesige Mengen ist unsere Haus-Manufaktur aber gar nicht ausgelegt“, erklärt der ehemalige Bundeswehr-Beamte.

Ein Mitarbeiter füllt frisches Erdbeereis ab

Ein Mitarbeiter füllt frisches Erdbeereis ab.

Quelle: dpa

Zumal nicht nur die Eis-Lounge im „Schukurama“ daraus beliefert wird. Auch firmeneigene Eis-Cafés in Beeskow, Eisenhüttenstadt und Fürstenwalde sowie weitere 35 Restaurants in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern haben die handgemachte Köstlichkeit der „Ice Guerilla“ im Angebot. Ein Grundstück im Beeskower Gewerbegebiet ist für die Eisfabrik bereits gefunden, sämtliche Zeichnungen sind fertig. „Das ist dann kein familiäres Werkeln mehr, sondern industrielle Fertigung“, betont Schulze. Insgesamt 30 neue Vollzeit-Jobs will er schaffen, 3,3 Millionen Euro investieren. Allerdings kann der Chef der „Ice Guerilla“ diese Investitionssumme nicht allein aufbringen. ,„Wir haben für das Projekt mehrere Geldgeber. Und die wollen nicht ins Blaue investieren“, beschreibt er, dass die Geschäftspartner ihn zum online-Shop rieten, um die tatsächliche Kundenresonanz zu testen.

Außerdem hatten sie Schulze empfohlen, nicht mehr alles selbst machen zu wollen, sondern professionelle Unternehmensstrukturen aufzubauen. „Dabei sind wir gerade“, bekennt der hünenhafte Vater zweier Söhne, ohne dass ihm vor der Zukunft bange ist.

30 Tonnen Eis pro Tag sollen in der neuen Fabrik produziert werden – in Bechern, Ein-Liter-Familienpackungen, als Waffelhörnchen oder Sandwich-Eis. Die Fertigungsstrecke ergänzen eine eigene Forschungsabteilung mit Labor, ein Logistikpark sowie eine gläserne Eismanufaktur für Besucher. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

In Schulzes Eis-Manufaktur heißt es jetzt erst einmal eine Extraschicht einlegen: Eis machen, verpacken und in den Versand geben. „Der Postbote wird nicht schlecht staunen, wenn ich ihm signalisiere, dass er statt mit einem Kleintransporter gleich mit einem großen Laster kommen kann“, freut sich Schulze. Das bevorstehende Arbeitspensum schreckt ihn nicht. „Es macht einfach Spaß, weil es uns das Gefühl gibt, direkt mit Kunden zu tun zu haben.“ Hetzen lässt er sich dabei nicht. Denn ein gutes Eis mit zartem Schmelz braucht Zeit, weiß der Autodidakt. Die verstreicht, während die Milch mit dem Bindemittel und Zucker zu einer homogenen Masse verarbeitet wird. „Unter ständigem Rühren sind das bei uns 24 Stunden.“

Von Jeanette Bederke

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