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Bei Chefkoch Lemke gibt's nur Frisches

Kremmen betreibt eigene Schulküche Bei Chefkoch Lemke gibt's nur Frisches

Kremmen (Oberhavel) ist einer der wenigen Orte in Brandenburg, der über eine eigene Schulküche verfügt. Deren Stärke ist es, dass Mahlzeiten relativ frisch auf den Tisch kommen und nicht so lange warm gehalten werden müssen. Drei Wahlessen gibt es am Tag. Die Kräuter für die Gerichte holt sich Küchenchef Sebastian Lemke aus dem Kräutergarten der Schule.

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Chefkoch Sebastian Lemke beim Ernten von Kräutern.

Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert

Kremmen. Draußen auf der Straße vor der Goethe-Schule in Kremmen (Oberhavel) riecht es schon morgens um neun Uhr nach Mittagessen. Drinnen steht Küchenchef Sebastian Lemke und schneidet Kräuter klein, die er selbst gerade im Kräutergarten der Schule geerntet hat, Petersilie und Liebstöckel für die Bohnensuppe, die in einem großen Topf kocht. Das ist eines von drei Wahlessen an diesem Tag.

Kremmen ist einer der wenigen Orte im Land, der über eine eigene Schulküche verfügt. Deren Stärke ist es, dass Mahlzeiten relativ frisch auf den Tisch kommen und nicht so lange warm gehalten werden müssen. „Wir beginnen um sechs Uhr mit dem Kochen, da sind die größeren Küchen schon fast am Ausliefern“, sagt Lemke. Der 31-Jährige, früher stellvertretender Küchenchef im Hotel Sommerfeld (Oberhavel), leitet seit drei Jahren die Schulküche. Alle Zutaten für das heutige Essen sind frisch. „Tiefkühlware nutzen wir praktisch nie“, versichert Lemke. Aus dem Schulgarten stammen allerdings nur die Kräuter, aber für die übrigen Zutaten gibt es regionale Lieferanten. Das Fleisch stammt von einer Fleischerei in Zehdenick (Oberhavel). Lemke lüftet einen Topfdeckel, unter dem Gulasch köchelt. Frischfleisch bester Qualität, am Vortag geliefert, sagt er. Dazu gibt es Rotkohl und Knödel. Auch der Rotkohl ist Frischware und wird erst in der Schulküche zubereitet. Die Kohlköpfe hat der Hauptlieferant, ein Großhändler aus Gransee (Oberhavel) in der Nacht in die Küche gebracht. Wenn es Kartoffeln gibt, liefert der 110 Kilogramm, gleich fertig geschält, denn das ist von Lemke und seinen fünf Helferinnen nicht zu schaffen.

Auf dem Sportplatz neben der Küche ist eine Gruppe von Viertklässlern mit ihrer Lehrerin unterwegs. Fast alle gehen mittags in die Schulmensa. „Am liebsten esse ich Pizza“, sagt Lucas. Und Chantal mag besonders gerne Nudeln. Aber auch Gulasch mit Rotkohl ist okay, meinen sie. Auch Niklas und Erik sagen, dass sie gern in der Schule essen. Von den 600 Schülern der Goethe-Grund- und Oberschule nehmen etwa 200 das warme Mittagessen in Anspruch. In den unteren Klassen ist es die Mehrheit, ab der siebten Klasse nur noch etwa jeder Dritte. Das entspricht dem Brandenburger Durchschnitt.

Die Zufriedenheit mit dem Essen ist nicht überall in Brandenburg so groß. Mal wird über verkochtes, lange warm gehaltenes Essen geschimpft, mal über Fertiggerichte, die nach dem Stichwort „cook and freeze“ in Aluschalen aus der Tiefkühlung geliefert werden. Die Großküchen wie Sodexo geloben inzwischen Besserung, wollen mehr frische und regionale Produkte einsetzen. Einen Blick in die Küche will Sodexo aber nicht erlauben. Das sei „im Moment nicht möglich“, heißt es in einer schriftlichen Absage. In der Kremmener Schulküche darf auch die Presse sehen, wie gekocht wird. Jetzt wird dort die Suppe in die „Särge“ abgefüllt. So werden die großen rechteckigen Metallbehälter scherzhaft genannt, mit denen das Essen per Elektromobil an Kitas ausgefahren wird. Einzelportionen gehen auch an Rentner der Umgebung. 600 Menschen macht die Küche täglich satt. Unmittelbar nach dem Sodexo-Skandal war überlegt worden, Einrichtungen im benachbarten Oberkrämer (Oberhavel) mit zu beliefern. Die Kapazität der Küche hätte es hergegeben, sagt Lemke. Aber es scheiterte an Abrechnungsschwierigkeiten. Schließlich subventioniert die Stadt Kremmen das Schulessen.

In der Kremmener Schulmensa geht es inzwischen hoch her. Schulkoch Christian Lemke hat sich am Tresen postiert und gibt das Essen an die Kleinsten aus, die ihre Essenmarken hinlegen und sich ein Gericht aussuchen. Oft sind das Nudeln mit Zucker und Zimt. „Das essen vor allem die Kleinsten gern“, sagt Lemke.

Am Nachmittag hat er noch einen ehrenamtlichen Einsatz. In der Lehrküche der Schule trifft sich dann die Arbeitsgruppe Kochen und Backen, mit bis zu zehn Kindern der vierten bis sechsten Klasse, die sich freiwillig dafür gemeldet haben. Sie kochen zusammen Nudeln mit Tomatensauce und Wurstwürfeln und backen Schoko-Muffins – kindgerechte Sachen halt, sagt Lemke. Dafür sind die kleinen Köche dann auch mit Begeisterung bei der Sache.

Von Ulrich Nettelstroth

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