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Bei jedem achten Brandenburger muss der Ruhestand warten

Altersarmut oder Spaß am Job? Bei jedem achten Brandenburger muss der Ruhestand warten

Der Anstieg in den vergangenen 15 Jahren ist mit 150 Prozent enorm: Immer mehr Brandenburger arbeiten auch noch im Rentenalter. Damit geht jeder achte Märker auch noch jenseits der 65 Jahre arbeiten. Müssen die Menschen ihre schmalen Renten aufbessern? Oder können sie sich schlichtweg aus Spaß am Job nicht davon trennen? Wir sind dem nachgegangen.

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Auch im höheren Alter gehen viele Märker noch schuften.

Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam. Der Ruhestand muss warten: In Brandenburg arbeiten immer mehr ältere Menschen. Der Anteil der Erwerbsmäßigen jenseits der 65 Jahre ist binnen 15 Jahren um 150 Prozent angestiegen. Die Erwerbstätigenquote liegt in der Altersgruppe bei inzwischen 12,5 Prozent. Jeder achte Märker geht also auch im Rentenalter einem Beruf nach, wie aus einer Erhebung des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft hervorgeht.

Für den Deutschen Gewerkschaftsbund Berlin-Brandenburg ist der Trend ein Indiz für zunehmende Altersarmut. In der Region seien die Neurenten seit 2000 inflationsbereinigt um ein Fünftel gesunken, erklärte DGB-Sprecherin Nina Lepsius. Die hohe Arbeitslosigkeit nach der Wende und die niedrigen Durchschnittslöhne machten sich bemerkbar. „Es ist davon auszugehen, dass viele über 65-Jährige in Brandenburg deshalb noch arbeiten, weil sie ihre niedrigen Renten aufbessern müssen“, so Lepsius.

Arbeitgeber glauben an freiwilliges längeres Arbeiten

Auf der Arbeitgeberseite glaubt man unterdessen nicht, dass der Anstieg arbeitender Senioren allein finanziellen Gründen geschuldet ist. Ältere seien heute deutlich gesünder und würden oft freiwillig gerne länger arbeiten. Außerdem würden Unternehmen wegen des Fachkräftemangels gezielt darum werben, dass die erfahrenen Kollegen dem Betrieb noch länger erhalten bleiben, heißt es bei den Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg.

Rente in Brandenburg

Haben Sie Angst vor der Rente?

Auch die Forscher sind sich uneins, was die Hintergründe der Altersarbeit angeht. „Je niedriger die Rente ist, umso wahrscheinlicher ist eine berufliche Tätigkeit im Ruhestand“, heißt es beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Auch wer längere Zeit arbeitslos war, arbeite häufiger im Alter, um die niedrigeren Rentenbezüge auszugleichen.

Diese Motivation ist den Rentnern wichtig

Andreas Mergenthaler vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung hat arbeitende Senioren für eine groß angelegte Studie nach ihren Motiven gefragt und kommt zu einem anderen Ergebnis: „An oberster Stelle steht bei den Senioren der Spaß an der Arbeit und das Aufrechterhalten von sozialen Kontakten“, erklärt der Forscher. „Das Motiv, Geld zu verdienen, ist weniger stark ausgeprägt.“ Dafür spricht laut Mergenthaler auch, dass die Bereitschaft von Senioren, sich in einem Ehrenamt zu engagieren, ebenfalls zugenommen hat. „Menschen sind heute gesünder als früher und haben ein höheres Bildungsniveau. Gleichzeitig bieten mehr Firmen altersgerechte Arbeitsplätze an, weil sie auf die Fachkräfte angewiesen sind“, erklärt Mergenthaler.

Einen gewissen Anteil an der Zunahme der Erwerbstätigen jenseits der 65 hat ein statistischer Effekt: Wer im Jahr 2014 seinen 65. Geburtstag feierte, konnte wegen der Anhebung des Rentenalters seit 2012 erst drei Monate später Altersrente beanspruchen. Die Folge: Die 65-Jährigen zählten zumindest in den ersten drei Monaten ihres neuen Lebensjahrs meist noch zu den Erwerbstätigen.

Minijobs sind im Alter gefragt

943 000 Rentner bessern deutschlandweit ihr Einkommen durch einen Minijob auf und verdienen sich so bis zu 450 Euro monatlich dazu. Das geht aus Daten des Bundesarbeitsministeriums hervor.


Die Zahl dieser Senioren stieg damit seit 2010 um 22 Prozent und im Vergleich zu 2005 sogar um 35 Prozent.
Allein mit dem demografischen Wandel, also der Zunahme des Anteils Älterer, lässt sich das nicht erklären: Von 2005 bis 2015 stieg der Anteil der über 65-Jähren an der Bevölkerung um 7,7 Prozent (17 Millionen).

36 Prozent der Rentner mit Minijobs bräuchten diesen tatsächlich zum Lebensunterhalt, schätzt das Institut der Deutschen Wirtschaft.

Von Torsten Gellner

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