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Brandenburg Bekannter Richter fordert: Cannabis legalisieren!
Brandenburg Bekannter Richter fordert: Cannabis legalisieren!
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13:47 05.05.2016
Der Bernauer Amtsrichter Andreas Müller fordert die sofortige Legalisierung von Cannabis. Quelle: dpa-Zentralbild
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Bernau

Der Bernauer Amtsrichter Andreas Müller fordert die sofortige Legalisierung von Cannabis. Er unterstützt damit eine bundesweite Frühjahrs-Kampagne des Deutschen Hanfverbands zur Entkriminalisierung der Droge und ihrer Konsumenten.

Hanf-Demo am Samstag in Berlin

Auf 30 Demonstrationen, die im ganzen Bundesgebiet bis Ende Mai stattfinden, soll dafür geworben werden, dass das Cannabisverbot von der Politik aufgehoben wird. In Berlin wird am Samstag ab 12 Uhr unter dem Motto „Bärenstark, für Hanf in Berlin!“ vor dem Roten Rathaus demonstriert. Müller selbst ist an dem Tag aber auf der Veranstaltung in Bremen, um seine Thesen zu diskutieren, kündigte er an.

Übersicht über die Veranstaltungen

„Deutschland härtester Jugendrichter“

Der 54-Jährige gilt vor Gericht als „harter Hund“. Eine Boulevardzeitung nannte ihn sogar „Deutschlands härtesten Jugendrichter“, weil er Ende der 1990er, Anfang der 2000er Jahre eine Null-Toleranz-Strategie gegenüber Neonazi-Schlägern fuhr. Er schickte rechtsextreme Heranwachsende für Jahre hinter Gitter. „Mir waren die Opfer einfach lieber, anstatt Milde mit den Tätern walten zu lassen“, sagte er.

Für Urteile mit Signalwirkung ist Müller noch heute zu haben. „Und zwar bei Straftaten, die gegen die Menschenwürde gehen. Wenn Täter beispielsweise gegen Homosexuelle oder Ausländer vorgehen oder Missbrauch im Fokus steht. Hier bin ich klar härter.“

Durch verfehlte Gesetzgebung auf die schiefe Bahn

Doch beim Thema Cannabis schlägt Müller einen ganz anderen Ton an. „In den vergangenen 40 Jahren wurde ungefähr eine halbe Million Menschen wegen Cannabis in die Knäste der Republik geworfen. Vollkommen unnötig“, sagte er. „Das waren oft junge Menschen, die nichts Böses getan haben. Wir haben durch eine verfehlte Betäubungsmittel-Gesetzgebung ihr Leben völlig unnötigerweise zerstört, sie stigmatisiert und erst hierdurch auf die schiefe Bahn gebracht“, betonte der 54-Jährige.

Gegnern, die Cannabis für eine Einstiegsdroge halten, entgegnet er, dass das kein Wissenschaftler weltweit mehr vertrete. Das Verbot und das Strafrecht hätten in all den Jahren nichts dazu beigetragen, irgend jemanden zu schützen. Cannabis sei hierzulande zur am meisten verbreiteten illegalen Droge aufgestiegen.

„Legalisieren heißt nicht verharmlosen“

„Wer kiffen will, kifft. Legalisieren heißt nicht verharmlosen“, betonte Müller. Aber der Staat verpulvere Jahr für Jahr Milliarden von Euro für die Strafverfolgung. Eine Heerschar von Polizisten, Staatsanwälten und Richtern müsse sich mit Kiffern beschäftigen, anstatt sich wichtigeren Ermittlungen anzunehmen.

Müller hat nichts dagegen, wenn junge Erwachsene mal kiffen, ihre Pflichten aber weiter ernst nehmen. „Allen anderen ist mit Psychologie und Therapie viel besser geholfen als mit der Strafrechtskeule.“

Sein Bruder ein stadtbekannter Kiffer

Dass er beim Thema Cannabis ganz anders tickt, kommt nicht von ungefähr. „Mein älterer Bruder Jonas war ein stadtbekannter Kiffer. Er flog deshalb mit 15 von der Schule, finanzierte seinen Konsum durch Dealen, saß jahrelang im Knast.“ Vor drei Jahren sei er gestorben. Müller sieht ihn als „Opfer der Cannabiskriminalisierung“.

Auch wenn Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vor kurzem angekündigt hat, den Cannabis-Anbau für medizinische Zwecke zu erlauben, ist Müllers Kampf für die generelle Legalisierung nicht vorbei. „Das ist ein kleiner Schritt, der aber nicht ausreicht.“

Cannabis auf Rezept: Gröhes Gesetz auf dem Weg

Für den Deutschen Hanfverband ist die Unterstützung durch Müller wichtig. „Er hat einen knallharten Ruf. Das rüttelt in der Politik vielleicht so manch einen auf, um die Legalisierung von Cannabis voranzutreiben“, sagte Verbandschef Georg Wurt.

Von Georg-Stefan Russew

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