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Bendeliner Landwirt will den Biber jagen

Naturschützer gegen Bauern Bendeliner Landwirt will den Biber jagen

In der Prignitz hat der schwimmende Supernager 252 Weiden den Garaus gemacht. Landwirt Karsten Krüger berichtet auch von Problemen auf den Ackerflächen und fordert den Abschuss. Die Naturschützer sind empört.

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Karsten Krüger zeigt die Bissspuren des Bibers an einer der abgestorbenen Kopfweiden.

Quelle: dpa

Bendelin. Karsten Krüger drückt das Gestrüpp, das bis auf Hüfthöhe reicht, ein wenig zur Seite: „So kann man die Schäden viel besser sehen.“ Tatsächlich: Von dem gut 30 Zentimeter dicken Weidenstamm stehen nur noch sieben, acht Zentimeter in der Mitte, der Rest wurde ganz offensichtlich Opfer scharfer Biberzähne. 256 Kopfweiden hatte das Prignitz-Dorf Bendelin 1993 gepflanzt, als Alleegürtel in einer stark meliorierten Landschaft. „Doch jetzt sind nur noch vier Bäume sind gesund“, meint der Landwirt der Agrargenossenschaft Bendelin. „70 fehlen, noch mehr sind tot. Verursacher sind Biber in Bendelin. In den letzten zwei Jahren gab es immer mehr Schäden.“

Biber sollen mehr als 250 Weiden in Bendelin zerstört haben

Biber sollen mehr als 250 Weiden in Bendelin zerstört haben.

Quelle: dpa

Bendelin ist sicher nicht der erste Ort in der Prignitz, an den man denkt, wenn es um Biber geht. Bis auf Gräben gibt es dort nur wenig Wasser, die Elbe liegt in rund vier Kilometern Entfernung. Doch gerade die Entwässerungsgräben haben sich die nagenden Schwimmer im Sturm erobert. Durchlässe wurden mit Zweigen und verrottenden Blättern verstopft, das Wasser angestaut. Biber schaffen sich ihren eigenen Lebensraum – und in diesem wollen sie schwimmen können. Dass die Kopfweiden inzwischen wie Hexenbesen aussehen, interessiert die rund ein Meter großen Nager nicht. Zudem legen sie geräumige Wohnhöhlen an. „Wir müssen beim Beackern der Fläche in der Nähe der Gräben immer aufpassen, dass die Traktoren nicht mit den Rädern einbrechen“, sagt der Landwirt. Die Elbnähe legt zwar nahe, dass die Tiere aus westlicher Richtung eingewandert sind, doch Krüger meint: „Ich denke, dass das Tiere von der Oder sind, über Jäglitz und Havel besteht dorthin eine Verbindung.“

Kategorisch verneint aber Jürgen Herper von der brandenburgischen Naturwacht im benachbarten Biosphärenreservat Elbtalaue dies: „Das sind eindeutig Elbebiber.“ Eine Familie habe sich in Bendelin angesiedelt, er beobachte sie schon einige Zeit. „Aber der Lebensraum ist für die Tiere dort nicht optimal. Es gibt Zeichen, dass die Familie das Revier wieder aufgeben will und auf dem Rückzug ist.“

Abschuss nur im Ausnahmefall

3000
Biber gibt es etwa im Land Brandenburg. Die Population wuchs in den vergangenen 25 Jahren stark an. Zuvor war das Tier fast ausgerottet.

Brandenburgs Landwirte fordern eine bessere Handhabe im Kampf gegen die Biberplage. Die Landesregierung soll sich bei der Europäischen Union dafür einzusetzen, dass Biber wieder gejagt werden dürfen. Dem stehen europäische Richtlinien entgegen.

Landwirtschaft und Naturschutz seien keine Gegensätze, meint Bauernbund-Chef Reinhard Jung. Es dürfe nicht angehen, dass aus einer ehemals bedrohten Art eine Landplage wird.

Die Brandenburger CDU unterstützt das Ansinnen und hat einen entsprechenden Antrag gestellt. Am Montag findet dazu eine Anhörung im Landtag statt.

Die Schäden durch Biber gehen in die Millionen, kritisieren die Bauern. Durch ihre Bauten setzen sie Felder und Wiesen unter Wasser setzen und gefährden Deiche oder Straßen.

Um das zu verhindern, hat die Landesregierung eine Biberverordnung erlassen. Demnach dürfen Biber unter bestimmten Voraussetzungen auch geschossen werden, etwa wenn Menschen in Gefahr sind, weil sich die Biber an Deichen zu schaffen machen.

Im Biosphärenreservat bewohnen rund 100 Biberfamilien eine Gesamtfläche von 56 000 Hektar: Eine Familie pro 50 Hektar, rechnet Herper vor. Die Entwicklung ihrer Zahl werde vom Populationsdruck bestimmt: „Weil hier inzwischen ausreichend viele Tiere leben, nehmen die Geburtenziffern ab.“ Brachte jedes Biberpaar der Region früher noch drei bis fünf Junge jährlich zur Welt, bemerkt Herper heute einen Trend zum Einzelkind: „Nur selten gibt es noch zwei Junge.“ Er bringt zwar Verständnis für die Bendeliner auf, die sich ja viel Mühe mit den Pflanzungen gegeben haben. „Aber solche Schäden entstehen ja auch nicht in wenigen Wochen, sondern über Jahre hinweg. Warum wartet man so lange, bevor man aktiv wird?“ Schäden seien durchaus zu minimieren, etwa durch Drahten der Bäume, auch wenn das mühselig sei.

Auch nach Erlass der brandenburgischen Biberverordnung im Mai stehen die Elbebiber unter Schutz und dürfen bei nur bei Lebensgefahr (Straßen, Staudämmen) geschossen werden. In Bendelin sieht Krüger die Lösung in der Jagd. Zumal Biber auch mal Maisfelder in Wassernähe plündern. Naturwächter Herper protestiert energisch: „Werden Tiere getötet, führt das nur dazu, dass anschließend wieder mehr Junge geboren werden.“

Von Claudia Bihler

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