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Brandenburg Ärzte: Der Flughafen macht krank
Brandenburg Ärzte: Der Flughafen macht krank
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08:20 13.03.2014
Der BER will wie der Flughafen Frankfurt am Main Drehkreuz werden und braucht dafür die Nachtflüge. Quelle: dpa
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Berlin

Er rechne nicht damit, dass sich die Meinung Berlins bis zu einer Landesplanungskonferenz beider Länder am 25. März ändere, sagte Senatskanzleichef Björn Böhning (SPD). Brandenburgs Landesregierung dringt auf ein schärferes Nachtflugverbot.

Anwohner hatten zuvor vor Gesundheitsrisiken gewarnt und ein Flugverbot zwischen 22 Uhr und 6 Uhr gefordert. Sie verwiesen auf Studien, die aus ihrer Sicht belegen, dass speziell nächtlicher Fluglärm krank machen könne. Möglich seien Tinnitus, Hörschäden, Depressionen, Konzentrationsstörungen und Bluthochdruck, sagte der Arzt Hans Behrbohm im Bauausschuss. Anlass war eine Anhörung, die die Friedrichshagener Bürgerinitiative mit einer Volksinitiative erstritten hatte.

Während Abgeordnete der Linkspartei, Piratenpartei und Grünen das Anliegen unterstützten, äußerten sich Vertreter der SPD/CDU-Koalition zurückhaltend. Aus Sicht von Anwohnern sind Nachtflüge auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht nötig. Böhning entgegnete, dem Flughafen entgingen bei einem Verzicht Einnahmen in Höhe von 25 Millionen Euro im Jahr. Flughafen-Betriebsleiter Elmar Kleinert verwies auf ein Gutachten von 2007, wonach jährliche Einbußen von 40 Millionen Euro und der Verlust mehrerer tausend Arbeitsplätze möglich seien.

Wann der Flughafen in Betrieb geht, ist wegen Planungsfehlern, Baumängeln und Technikproblemen nach wie vor unklar. Geschäftsführer Hartmut Mehdorn zeigte sich nach einem Jahr im Amt entschlossen, das Projekt zu Ende zu führen. Auf die Frage nach einem möglichen Rücktritt antwortete der 71-Jährige am Dienstagabend im RBB: „Die Frage überspringen wir, weil das nie stattfindet.” Mehdorn bekannte, dass es noch große Herausforderungen gebe. „Wir müssen da quasi eine völlig neue Entrauchung und Entlüftung einbauen, in einem fertig gebauten Gebäude”, sagte er. „Wir kommen voran, Schritt für Schritt, an vielen Stellen nicht so schnell wie wir das wollen.” Er betonte: „Die Kosten des BER sind nicht explodiert.” Der Flughafen sei heute doppelt so groß wie ursprünglich geplant. Auch die Kosten hatten sich seit Baubeginn verdoppelt.

Flughafen warnt vor Millionen-Einbußen

  • Ein ausgedehntes Nachtflugverbot würde den Flughafen BER in Schönefeld (Dahme-Spreewald) nach Betreiberangaben schwer schädigen.
  • Nachteile im dreistelligen Millionenbereich seien zu erwarten, wenn von 22 bis 6 Uhr nicht geflogen werden dürfe, sagte Betriebsleiter Elmar Kleinert gestern. In welchem Zeitraum die Einbußen anfallen würden, sagte er bei einer Anhörung im Berliner Abgeordnetenhauses jedoch nicht.
  • Der Berliner Senat lehnt ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr strikt ab. „Wir wollen ein internationales Drehkreuz“, sagte Senatskanzleichef Björn Böhning (SPD) und wies damit Forderungen Brandenburgs zurück.
  • Nächtlicher Fluglärm mache krank, warnte der Arzt Hans Behrbohm bei der Anhörung. Möglich seien etwa Tinnitus, Hörschäden, Depressionen, Konzentrationsstörungen und Bluthochdruck.

Mehdorns Thesen fallen bei einem Faktencheck durch

Für Überraschungen ist Flughafenchef Hartmut Mehdorn (72) immer wieder gut. Bei einem RBB-Fernsehauftritt aus Anlass seines einjährigen Amtsantritts irritierte er mit Äußerungen zu Kosten, Passagierzahlen und Schallschutz. Dabei hat er eine recht eigenwillige Sicht. Seine Thesen im MAZ-Faktencheck.

Mehdorn: 2016 hat der BER mehr als 30 Millionen Passagiere, 2020 bereits 35 Millionen Gäste.
2013 hatten die Airports Tegel und Schönefeld mehr als 26 Millionen Passagiere. Dass binnen zwei Jahren noch vier Millionen dazu kommen, ist jedoch nur schwer vorstellbar. Laut der internen Verkehrsprognose der Flughafengesellschaft vom vergangenen Sommer wird die 30,6 Millionen-Grenze erst 2020 überschritten. Die von Mehdorn für 2020 erwarteten 35 Millionen Gäste fertigt der BER dem Papier zufolge erst fünf Jahre später ab.
Mehdorn: Die Kosten des BER sind nicht explodiert. Der Flughafen ist doppelt so groß wie geplant und kostet deswegen annähernd doppelt so viel.
Eine eigenartige Rechenweise. Der Flughafen wurde zwar mehrfach modifiziert. Das Terminal sollte erst 600 Millionen Euro kosten, wurde dann um die Hälfte vergrößert, was die Terminalkosten auf 1,2 Milliarden Euro schnellen ließ. Das erklärt aber nicht die Verdopplung der Gesamtkosten von 2,5 auf fast fünf Milliarden Euro. Selbst seit Mehdorns Amtsantritt vor einem Jahr wuchsen die Kosten um rund 700 Millionen Euro.
Mehdorn: Wir wurden von den Schallschutzauflagen überrascht.
Falsch. Das Oberverwaltungsgericht hatte das Recht der Anwohner auf Schallschutz vor einem Jahr bestätigt, nachdem der Flughafen zuvor versucht hatte, das Schutzniveau systematisch zu unterwandern. Die vom Gericht bestätigten hohen Auflagen hatte der Flughafen selbst ins Planfeststellungsverfahren eingebracht. Vor wenigen Wochen erhielt Mehdorn noch Vollzugshinweise der Oberen Luftfahrtbehörde zum Einbau von Lüftern. Auch die darin angesprochene Einhaltung der DIN 1946-6, von der sich Mehdorn überrumpelt fühlt, ist bereits in der Planfeststellung geregelt.
Mehdorn: Wir sind jetzt soweit, dass wir die technischen Probleme alle geklärt haben.
Es scheint tatsächlich Grund zur Hoffnung zu geben. Offenbar gibt es Fortschritte bei der Steuerungstechnik der Brandschutzanlage. Damit soll sich die Leistung der Ventilatoren stufenlos regeln lassen, um im Brandfall genau so viel Qualm absaugen zu können wie nötig. Was das für den Start des Schönefelder Pannenairports bedeutet, ist offen. Einen Eröffnungstermin bleibt der Flughafenchef weiter schuldig.

Von Torsten Gellner

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