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Brandenburg Einchecken bei der Berlinale
Brandenburg Einchecken bei der Berlinale
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12:15 07.02.2014
US-Schauspieler Bill Murray (M.) sitzt vor der Premiere des Eröffnungs-Films "The Grand Budapest Hotel" im Berlinale Palast bei den 64. Internationalen Filmfestspielen in Berlin neben der britischen Schauspielerin Tilda Swinton (l) und der irischen Schauspielerin Saoirse Una Ronan sowie dem US-Schauspieler Tony Revolori. Quelle: dpa
Berlin

Den Beruf eines Festivalchefs muss man sich wohl so ähnlich wie den eines Hoteldirektors vorstellen: Der eine steht auf dem roten Teppich, der andere in der Lobby, und beide begrüßen liebe Gäste persönlich. Je mehr anreisen, desto mehr fühlen sie sich als Gastgeber gewertschätzt.

Berlinale-Direktor Dieter Kosslick jedenfalls hat sich Donnerstagabend über gute Buchungszahlen freuen können: 1600 Gäste kamen zum Eröffnungsempfang, und vor allem: Zum Eröffnungsfilm „The Grand Budapest Hotel“ checkten Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Bill Murray, Edward Norton und Tilda Swinton am Potsdamer Platz ein.

Berlin, 06.02.2014 - Mit der herrlich skurrilen Komödie „The Grand Budapest Hotel” wurde am Donnerstagabend die Berlinale eröffnet. Auf dem roten Teppich vor dem Berlinale-Palast tummelte sich auch in diesem Jahr wieder  viel Prominenz.

Angeführt wurden sie von US-Regisseur Wes Anderson, den Berlinale-Gänger schon von seinen Filmen „The Royal Tenenbaums“ und „Die Tiefseetaucher“ kennen. In insgesamt acht Produktionen hat der Texaner inzwischen eine prominente Filmfamilie um sich geschart. Der Zuschauer hat in diesem Fall allerdings Mühe, das ein oder andere Mitglied klar zu identifizieren. Einige haben Kürzestauftritte in abstrusen Verkleidungen – Harvey Keitel als glatzköpfiger Knastbruder oder Willem Defoe als Auftragskiller in Lederkluft. Und Tilda Swinton ist als runzelige, aber sexuell aktive Greisin zu sehen. So sehe sie ohne Make-up aus, scherzte die 53-Jährige. Offenbar ist für sie alle die Arbeit mit Anderson ein ganz besonderer Spaß: „Uns wurden Überstunden, niedrige Löhne und trockenes Brot versprochen“, flachste Bill Murray Donnerstagnachmittag.

Seiner einzigartigen Art, Geschichten zu erzählen, ist der stilbewusste Anderson auch dieses Mal treu geblieben. Er spielt mit dem Kino wie mancher Erwachsene mit der elektrischen Eisenbahn. Seine Stars versetzt er in eine detailverliebt ausgestattete Puppenstube.

Das titelgebende Hotel erinnert an eine Nobelabsteige der K.u.K-Monarchie, die zwischendurch in sozialistischer Tristesse versank und dann mit Barbiepuppen-Charme aufgehübscht wurde. Gefunden hat Anderson dieses verwunschene Jugendstil-Paradies nicht in der ungarischen Hauptstadt, sondern im sächsischen Görlitz. In dem Hotel tummeln sich ein exaltierter Concierge (Ralph Fiennes) und sein lernbegieriger Hotelboy (Neuling: Tony Revolori), die in einen Erbschaftsstreit und ein paar Morde verwickelt werden. Aber die Geschichte ist nicht wichtig. Bei Anderson geht es ums Wie, nicht ums Was.

Vorhang auf in Berlin: Hier die 23 Filme, die bei den 64. Internationalen Filmfestspielen um den Goldenen Bären konkurrieren. Die Berlinale läuft vom 6. bis 16. Februar 2014.

Etwas allerdings ist neu: Die Stimmung bei diesem Fest der Sonderlinge kippt zwischenzeitlich ins Bedrohliche. Die Schrecknisse des 20. Jahrhunderts hallen in Andersons Kunst-Welt wider. Nur wirkt diese Zeit irgendwie verrutscht, verschoben, verdreht. So stellen sich Amerikaner womöglich die europäische Geschichte vor, wenn sie nur über genügend verschrobenen Humor verfügen, in sensationslüsternen Fernsehdokus vom „Blitzkrieg“ hören und vielleicht schon mal in Budapest in einer Badewanne aus Kaisers Zeiten geplantscht haben. Inspirieren ließ sich der Regisseur nach eigenen Worten von Stefan Zweigs Erinnerungen „Die Welt von gestern“.

Für die 64. Berlinale war dieser Film ein toller Auftakt, zumal „The Grand Budapest Hotel“ tatsächlich um den Goldenen Bären konkurriert. Stargespickte US-Knüller laufen sonst eher außer Konkurrenz, weil sie zuvor schon anderenorts zu sehen waren. Das gilt heute Abend auch für „American Hustle“ (deutscher Kinostart: 20. Februar), dekoriert mit zehn Oscar-Nominierungen und in Berlin beworben von Christian Bale und Bradley Cooper. Am morgigen Sonnabend rückt dann George Clooney mit seinen „Monuments Men“ zum Schaulaufen an und bringt natürlich jede Menge Glamour nach Berlin. Im Wettbewerb ist nur ein anderer echter US-Kandidat gemeldet: Richard Linklaters Langzeit-Projekt „Boyhood“, das mit Hollywood-Glamour wenig zu tun hat.

Kosslick macht das Beste aus dieser Zweitverwertung. Wenn Hollywood die Berlinale allein für Werbezwecke nutzt, nutzt er eben Hollywood umgekehrt für die Berlinale und sucht im Wettbewerb derweil nach Entdeckungen. Das kann schiefgehen, doch mit dem Bären- und späteren Oscar-Sieger Asghar Farhadi („Nader und Simin – Eine Trennung“)hatte er schon einmal einen guten Riecher.
Bei der Stardichte an diesem Wochenende kann man Kosslicks Lockerheit jedenfalls verstehen. Auf die Frage, welche Berühmtheiten er 2014 denn erwarte, antwortete er: „Eigentlich alle. Bis auf ein paar.“
Nur einer wird schmerzlich vermisst: Ausnahme-Schauspieler Philip Seymour Hoffman, der im Alter von 46 Jahren in New York möglicherweise an einer Überdosis Heroin starb. Hoffman wollte in Berlin sein neues Familiendrama „God's Pocket“ präsentieren. Ihm zu Ehren zeigt das Festival am 11. Februar noch einmal Hoffmans Oscar-Film „Capote“ (2005). Das ist immerhin ein kleiner Trost, wenn schon ein Zimmer im Hotel Berlinale leer bleibt.

Berlinale-Splitter

Neue Imbiss-Meile: Barbecue-Sand wiches, Allgäuer Kässpatzen und koreanische Suppe: Bei der Berlinale werden zum ersten Mal aus „Food Trucks” Snacks aufgetischt. Die Imbiss-Wagen stehen auf dem Festivalgelände am Potsdamer Platz.
Shoppen im Berlinale-Shop: Zur 64. Berlinale gibt es eine Festivaltasche aus recycelten Flaschen für 18,90 Euro. Neu im Sortiment sind ein Babyleibchen (14,90 Euro) und der Schnuller mit Bären-Logo (4,90). Das Festivalplakat ziert dieses Jahr nicht ein einzelner Bär, sondern ein ganzes Rudel. Die Optik erinnert an Tarnmuster wie beim Militär.

Von Stefan Stosch

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