Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
"Berlin mischt sich beim Lärmschutz nicht ein"

Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider (SPD) im MAZ-Gespräch "Berlin mischt sich beim Lärmschutz nicht ein"

Rainer Bretschneider wechselt für Brandenburg in den Flughafen-Aufsichtsrat. Der 64-Jährige folgt auf Matthias Platzeck (SPD), der aus gesundheitlichen Gründen alle Ämter aufgibt. Im Gespräch mit der MAZ weist Bretschneider die Befürchtung von Lärmgegner zurück, Brandenburg werde beim Schallschutz künftig von Berlin beeindruckt.

Voriger Artikel
Brandenburg schrumpft weiter
Nächster Artikel
ARD-Wetterfrosch auf der Havel

Rainer Bretschneider.

Quelle: dpa

Potsdam. MAZ: Herr Bretschneider, freuen Sie sich darauf, künftig im Aufsichtsrat unter Klaus Wowereit arbeiten zu dürfen?
Rainer Bretschneider: Ich sehe das eher als eine Zusammenarbeit mit Klaus Wowereit und vielen anderen. Die Aufgabe ist gewaltig, die Verantwortung auch. Ich sehe beidem mit Freude und Respekt entgegen.

Wowereit leitet das Gremium nach dem Ausscheiden von Matthias Platzeck nur kommissarisch. Wer wird den Aufsichtsrat künftig führen?
Bretschneider: Diese Frage wird nach der Bundestagswahl entschieden, wenn feststeht, wer künftig für den Bund im Aufsichtsrat sitzt.

Trauen Sie sich die Aufgabe nicht zu?
Bretschneider: Das ist jetzt nicht die Frage.

Könnte es auch ein externer Fachmann sein?
Bretschneider: Ich bitte noch mal um Geduld bis nach der Bundestagswahl. Aber eines darf nicht in Vergessenheit geraten: Nach wie vor hängt das Vorankommen des Flughafens in erster Linie von der Geschäftsführung ab.

Der Flughafen hat 75000 Mängel, wann er an den Start geht, ist weiter unklar. Wie lange soll die Hängepartie um Deutschlands peinlichstes Bauprojekt noch dauern?
Bretschneider: Es wird so lange dauern, bis die Techniker und Planer überzeugende Antworten gefunden haben. Ich hoffe, dass das dieses Jahr noch der Fall sein wird. Wir brauchen für eine Reihe von technischen Problemen trag- und genehmigungsfähige Lösungen. Daran arbeiten wir mit Hochdruck. Einem Wettbewerb der Eröffnungstermine werde ich mich nicht stellen.

Im Frühjahr will Hartmut Mehdorn einen Minibetrieb mit drei Maschinen am Nordpier des BER starten. Ist das mehr als eine PR-Nummer?
Bretschneider: Hartmut Mehdorn hat im Aufsichtsrat viele Argumente dafür angeführt. Es geht um die Erprobung der komplexen EDV-Systeme und die Schulung der Mitarbeiter. Das hat den Aufsichtsrat überzeugt. Aber wir haben auch gesagt, dass dafür die nötigen Genehmigungen vorliegen müssen. Erst wenn das der Fall ist, werden wir weiter entscheiden.

Aber kann man mit so einer Liliputversion ein internationales Drehkreuz simulieren?
Bretschneider: Bis der BER voll am Start ist, brauchen wir noch ein bisschen… Wichtig ist jedoch auch: Wir wollen zeigen, dass wir mit dem Projekt vorankommen.

Die erste Regierungserklärung des neuen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) an diesem Donnerstag wird von einer Mahnwache von Lärmgegnern überschattet. Sie beklagen, dass Brandenburg durch eine Zuständigkeitsänderung bei der Luftfahrtbehörde Lärmschutzfragen nur noch mit Berlin regeln kann. Schieben Sie da nicht die Verantwortung von sich?
Bretschneider: Nein, überhaupt nicht. Es gibt zwar eine gemeinsame Behörde beider Länder, aber weiterhin hat jedes Land die Aufsicht über seine von ihm übertragenen Aufgaben. Das ist im Staatsvertrag ausdrücklich geregelt – und der gilt seit mehr als einem Jahrzehnt erfolgreich. Also noch mal: Der Lärmschutz bleibt unter der alleinigen Aufsicht Brandenburgs. Die Berliner mischen sich nicht ein, und wir würden beim Lärmschutz auch keine Einmischung dulden. Die Befürchtung, wir hätten uns unserer Verantwortung entledigt, ist völlig abwegig.

Sie verhandeln seit Monaten mit Berlin über ein Nachtflugverbot am BER. Warum können Sie noch keine Erfolge vermelden?
Bretschneider: Wir diskutieren mit Berlin und dem Bund eine ganze Bandbreite: von technischen Betriebslösungen für mehr Nachtruhe bis zu einer konkreten Verkürzung der Betriebszeiten. Es stimmt, Erfolge können wir bislang nicht vermelden. Es ist ein hartes Brot, das wir da backen. Aber wir wollen bis spätestens Ende des Jahres Ergebnisse erzielen.

Interview: Torsten Gellner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Bretschneider Vorschlag zu Nachtflügen stößt auf Ablehnung

In der Region stößt Rainer Bretschneider mit seinem Vorschlag zu den Nachtflügen auf Ablehnung. Von Eiertanz und faulem Kompromiss ist die Rede. Vor allem die Bürgermeister der an den BER angrenzenden Gemeinden wollen in der Nacht eine Flugpause.

mehr
Mehr aus Brandenburg

Würden Sie Wasserfähren im alltäglichen Nahverkehr als Alternative zu Bus und Bahn annehmen?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg