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Brandenburg Berliner Kleingärtner wollen nicht nach Brandenburg
Brandenburg Berliner Kleingärtner wollen nicht nach Brandenburg
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00:28 17.05.2018
Kleingärten in Berlin sind begehrt. Die Laubenpieper wollen sie nicht aufgeben. Quelle: dpa
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Berlin

Jetzt ist geschehen, was irgendwann geschehen musste: Die Berliner Kleingärten sind ins Visier von Investoren geraten, aber auch von Politikern – wenngleich die sich öffentlich lieber zurückhalten.

Vielen ist der Ärger noch in Erinnerung, den sich der damalige Bausenator Michael Müller (SPD) 2012 einhandelte, als er laut darüber nachdachte, dass für den Bau günstiger Wohnungen auch Kleingartenkolonien aufgegeben werden müssten. Das war noch vor dem Volksentscheid zum Tempelhofer Feld, in dem eine klare Mehrheit der Wahlberechtigten gegen dessen teilweise Bebauung votiert hatte.

Inzwischen ist Müller Regierender Bürgermeister und das Bevölkerungswachstum hält unvermindert an – um jährlich 40 000 Menschen. Dafür sind rechnerisch 15 000 bis 20 000 neue Wohnungen nötig. „Die Anspannung auf dem Berliner Wohnungsmarkt hat sich deutlich verschärft“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) kürzlich bei der Vorstellung des neuen Wohnungsmarktberichts der Investitionsbank Berlin (IBB).

Flächen werden überall gesucht

Überall in der Stadt werden für die benötigten Wohnungen Flächen gesucht. In einem offenen Brief an Lompscher hat sich der Immobilienentwickler Arne Piepgras zum Wortführer derer gemacht, die die innerstädtischen Kleingartenanlagen überbauen wollen.

Auf den 3000 Hektar Parzellen könnten nach Piepgras‘ Rechnung 400000 bezahlbare Wohnungen entstehen. Die Kleingärtner sind naturgemäß empört. „Eine Idee, die im Detail und der Argumentation soviel Unverstand enthält, dass man sich fragt, wie ernst sie gemeint sein kann“, erklärt der Landesverband Berlin der Gartenfreunde.

Trotzdem setzt er sich damit ausführlich auseinander. So gehe Piepgras davon aus, dass eine 100-Quadratmeter-Neubauwohnung für 300.000 Euro zu haben sei, obwohl „wir in jedem Kiez sehen, dass der Kaufpreis von Neubauwohnungen eher bei 5000 Euro pro Quadratmeter liegt“. Der Verbandspräsident Günter Landgraf hebt vor allem die Bedeutung der Kleingärten für Klimaschutz und Artenvielfalt hervor, sie seien öffentliches Grün.

Außerdem habe die Landesregierung in ihrem Koalitionsvertrag eine klare Aussage zum Umgang mit Kleingartenflächen getroffen: „Kleingärten werden dauerhaft gesichert. Wenn der Schutz nicht möglich ist, sind Ersatzflächen in räumlicher Nähe zu schaffen.“

Kleingärtner ins Umland

Diese Flächen zu finden, ist in den Augen der meisten Beobachter allerdings ein eher zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Piepgras schwebt deshalb vor, „die Kleingärten ins Umland umzusiedeln“. Dies sei gerechter, als „absehbar hunderttausende Berliner Bürger“ auf der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung nach Brandenburg zu schicken.

In einem Interview im RBB hat Piepgras deutlich gemacht, dass das aus seiner Sicht ginge, ohne endlose Konflikte mit den brandenburgischen Kommunen ausfechten zu müssen: „Wir brauchen die Brandenburger gar nicht zu fragen.“

Die Kolonien sollen nämlich auf den Berliner Stadtgütern entstehen. Die Stadtgüter GmbH ist eine 100prozentige Tochter des Landes Berlin. Zuständig ist die Stadtentwicklungsverwaltung. Deren Sprecherin will den Vorschlag von Piepgras nicht kommentieren, verweist gegenüber der MAZ aber darauf, dass jede Inanspruchnahme der Stadtgüterflächen im Einzelfall und in Kooperation mit den brandenburgischen Kommunen genau geprüft werde. Das heißt: Die Speckgürtelgemeinden müssen durchaus gefragt werden.

Gegenwehr nicht nur bei den Kleingärtnern

Mit besonders starker Gegenwehr wäre nicht zuletzt seitens der Naturschützer zu rechnen. Sie machen sich seit der Wiedervereinigung gegen die Zersiedlung des Umlands stark. Die Äcker und Wiesen der Stadtgüter – früher meist Rieselfelder – sind vielerorts die einzigen größeren Flächen ohne Bebauung. Sie haben beachtlichen Erholungswert.

Für Kleingartenlobbyist Landgraf spricht auch etwas sehr Einfaches gegen die Umland-Idee: „Ein Kleingarten muss fußläufig erreichbar sein.“ Sonst sei es gar kein Kleingarten mehr. Allerdings weiß Landgraf auch, dass das, was Piepgras vorschwebt, durchaus schon mal praktiziert wurde: in der DDR.

In den 1970er Jahren wurden Berliner Kleingartensparten außerhalb der Stadt angesiedelt, Treptower zum Beispiel in Blankenfelde (Kreis Zossen). Linientreuen Spartenmitgliedern wurden auch Parzellen an der Mauer angeboten. 1975 habe der Ministerrat die Bebauung von Kleingartenkolonien verboten, so Landgraf. Da waren allerdings viele schon weg, wegen des Wohnungsbaus.

Von Stephan Laude

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