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Berliner Vierlingen und Mutter geht es gut

Ärzte der Charité geben Auskunft Berliner Vierlingen und Mutter geht es gut

Neeta, Dries, Bence und Fjonn: Den Vierlingen der 65 Jahre alten Annegret R. aus Berlin geht es den Umständen entsprechend gut. Das gaben Ärzte der Charité jetzt bekannt. Zwei der 15 Wochen zu früh geborenen Babys können inzwischen selbstständig atmen. Doch über den Berg sind sie noch lange nicht.

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Christoph Bührer (l), Direktor der Klinik für Neonatologie, und Wolfgang Henrich, Direktor der Klinik für Geburtsmedizin, auf der Pressekonferenz.

Quelle: dpa

Berlin. Es geht ihnen gut, aber über den Berg sind sie noch lange nicht: Neeta, Dries, Bence und Fjonn, geboren mit zarten 655 bis 960 Gramm und nur 30 bis 35 Zentimeter lang, kämpfen sich ins Leben. Die Berliner Vierlinge sind weltweit einzigartig, weil ihre Mutter, die Berliner Lehrerin Annegret R., sie mit 65 Jahren zur Welt brachte - rund 15 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin, berichteten die behandelnden Ärzte am Mittwoch. Die Kinder hatten am 19. Mai in der Charité per Kaiserschnitt das Licht der Welt erblickt.

Annegret R. mit einem ihrer älteren Kinder.

Annegret R. mit einem ihrer älteren Kinder.

Quelle: dpa

«Die Kinder benötigen viel Aufmerksamkeit und eine intensive Behandlung», sagt Prof. Christoph Bührer, Neonatologie-Chef der Berliner Charité, wo das Vierlingsquartett versorgt wird. Eine Prognose ist schwierig, die Gefahr für bleibende Schäden oder Entwicklungsverzögerungen hoch. Eines bekommen sie aber jetzt schon: Muttermilch, tröpfchenweise und per Magensonde.

«Erstaunlicherweise funktionierte das bei der Mutter ganz ohne Hormongabe. Jetzt pumpt sie ab», berichtet Prof. Wolfgang Henrich, Direktor der Charité-Klinik für Geburtsmedizin. Generell habe die 65-Jährige, die bereits 13 große Kinder hat, die Schwangerschaft erstaunlich gut bewältigt. «Sie stellte sich uns nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel vor. Alles war völlig zeitgerecht und unauffällig.» Auch der große Ultraschall in der 22. Schwangerschaftswoche war noch völlig unauffällig.

«Wir wissen aber, dass das gesundheitliche Risiko bei Mehrlingsschwangerschaften deutlich höher ist, die Gefahr für Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes oder Thrombosen gesteigert», berichtet Henrich. Am Tag vor der Geburt habe sich Annegret R. in der Klinik vorgestellt, weil es ihr nicht gut ging: Bluthochdruck. In der Nacht setzten dann vorzeitige Wehen ein. «Für uns blieb trotzdem noch genug Zeit, die Entbindung gründlich vorzubereiten», sagt Henrich.

Das heißt: Die Babys bekamen noch im Mutterleib ein Mittel zur Lungenreifung gespritzt, vier mehrköpfige OP-Teams mussten bereitgestellt werden. «Dann haben wir die vier am Dienstag um 11 Uhr im Minutentakt auf die Welt geholt», berichtet Henrich. Der Operationssaal und die Räume für die Babys wurden auf 37 Grad hochgeheizt. Alles lief gut, zwei der Kinder atmeten von Anfang an bereits spontan.

Annegret R. wurde nach der Entbindung zwei Tage auf der Intensivstation überwacht. «Sie hat sich exzellent erholt und ist heute mehrmals täglich bei ihren Kindern», berichtet Henrich. Die Kleinen werden in der Neonatologie versorgt, die auf Risikoschwangerschaften wie diese bestens vorbereitet ist.

«Vierlinge kommen im Mittel acht bis zehn Wochen zu früh zur Welt. Hier waren es fast 15 Wochen. Sie sind alle ganz zerbrechlich, aber ganz süß», sagt Bührer. Die Frist bis zum eigentlichen Geburtstermin werden sie voraussichtlich noch in der Klinik bleiben müssen. Wenn alles klar geht. Denn Risiken drohen weiterhin, dem kleinen Mädchen - laut Bührer «eigentlich die Fitteste von allen vieren» - mussten bei einer OP bereits kleine Löcher im Darm geschlossen werden.

Kritik an den Umständen der Vierlingszeugung wollen die Charité-Ärzte nicht üben. «Für uns steht das Wohl der Kinder im Mittelpunkt», betont Bührer. Auch Henrich möchte sich nicht negativ äußern. «Wir müssen aber eine gesellschaftliche Diskussion führen mit dem unbedingten Ziel, Frauen das Kinderkriegen in einer früheren Lebensphase zu erleichtern.» Hohe Nachahmungsgefahr sieht er für das aktuelle Beispiel nicht. «Das war in jeder Hinsicht ein Sonderfall.»

Ein Sonderfall wird möglicherweise auch die Bezahlung für den ärztlichen Großeinsatz. «Ich bin gespannt, wie sich die Krankenkasse gegenüber der Frau verhalten wird», sagt Henrich. Bei Einlingsschwangerschaften ultraspäter Mütter, wie sie an der Charité schon mehrfach vorkamen, habe es bislang keine Probleme mit der Kostenerstattung gegeben. Weder Eizellspende noch das Einsetzen von mehr als drei befruchteten Embryonen, wie hier passiert, ist in Deutschland jedoch legal. «Andererseits werden in Deutschland viel zu wenig Babys geboren», sagt Henrich. «Diese Frau hat viel dazu beigetragen, die Quote zu erhöhen.»

Von dpa

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