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Berliner mieten märkische Schreibtische

Coworking mit Landluft Berliner mieten märkische Schreibtische

Vögel zwitschern, der Wind pfeift und die Computertastatur klappert sanft: Immer mehr Städter flüchten zum Arbeiten nach Brandenburg und kombinieren die Ruhe auf dem Land mit ihrem Joballtag. In Bad Belzig entsteht demnächst ein großes Areal für Coworker. Dort können digitale Arbeiter ihr Notebook im Baumhaus aufklappen und am Kamin ein Meeting halten.

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Konzentriert arbeiten und sich von der Gemeinschaft inspirieren lassen: Das ist das Konzept des Start Ups „Coconat“ in Bad Belzig.

Quelle: Nadja Bülow

Potsdam. Ein Büro in den eigenen vier Wänden ist für viele Selbstständige täglich eine Herausforderung: Mal eben den Müll rausbringen oder die beste Freundin anrufen - Ablenkungen gibt es im stillen Kämmerlein zuhauf. Schnell kann einem allein zu Hause die Decke auf den Kopf fallen. Viele Freiberufler, gerade in Kreativberufen, entscheiden sich deshalb für einen Miet-Schreibtisch im Großraumbüro.

Auf dem Gutshof in Klein Glien (Potsdam-Mittelmark) können Coworker von nah und fern demnächst Seite an Seite arbeiten

Auf dem Gutshof in Klein Glien (Potsdam-Mittelmark) können Coworker von nah und fern demnächst Seite an Seite arbeiten.

Quelle: Janosch Dietrich

In fast allen großen Städten gibt es inzwischen sogenannte Coworking Räume, in denen sich der freiberufliche Architekt mit der Grafik-Designerin oder dem Schriftsteller ein Büro teilt. Berlin gilt als Hauptstadt der „Coworking Spaces“, was übersetzt für Kollegen-Räume steht, doch längst handelt es sich nicht nur um einen Trend der urbanen Arbeitswelt. Immer mehr Städter flüchten zum Arbeiten an märkische Schreibtische und kombinieren die Ruhe auf dem Land mit ihrem Joballtag.

Coworking hat in Brandenburg touristisches Potenzial

So beobachtet etwa die Tourismus-Marketing Brandenburg (TMB) seit einiger Zeit, dass Anbieter das Thema Coworking erfolgreich im Land vermarkten. „Es handelt sich um einen interessanten Markt als Erweiterung des klassischen Tagungsbereichs“, sagt Patrick Kastner, stellvertretender TMB-Sprecher. Brandenburg biete zum Arbeiten Ruhe und Abgeschiedenheit. „Coworking hat touristisches Potenzial, weil Berlin als Hauptstadt der Kreativen nah dran ist.“ Gleichzeitig arbeite man im Großraumbüro nicht isoliert und treffe auf Gleichgesinnte. „Coworking sorgt zudem dafür, dass manche Orte und Städte belebter werden.“

Mitten auf dem Land in Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) entsteht zurzeit ein großes Areal für Coworker aus aller Welt. „ Coconat“ heißt das Projekt, das der Berliner Janosch Dietrich und seine fünf Kollegen vor drei Jahren ins Leben gerufen haben. Es steht für „community and concentrated work in nature“, also konzentriertes Arbeiten in der Natur und in der Gemeinschaft.

Domizil für Coworker aus der ganzen Welt in Bad Belzig

„Es gibt ein großes Bedürfnis, sich zum Arbeiten aufs Land zurückzuziehen, um zum Beispiel am eigenen Buch oder einer Website zu arbeiten“, erklärt Dietrich. Erfahrung mit Coworking-Modellen hat der 38-Jährige bereits seit zehn Jahren. Mit Bekannten gründete er im Jahr 2007 die Bürogemeinschaft „Raumstation“ in Berlin-Moabit mit jeweils zehn Arbeitsplätzen auf fünf Etagen eines ehemaligen Fabrikgebäudes. Frei nach dem Motto, was in Berlin funktioniert, kann auch in Brandenburg klappen, fand der Gründer gemeinsam mit seinen Kollegen im vergangenen Jahr in Bad Belzig ein Domizil für seine Pläne.

Raus aus dem Home-Office

Raus aus dem Home-Office. Die Gründer von „Coconat“ machen dieses Motto zum Geschäftsmodell in Brandenburg.

Quelle: Nadja Bülow

Zurzeit lässt das Gründerteam dort einen alten, leerstehenden Gutshof aus dem Jahr 1822 renovieren, der zuletzt als Hochzeitshotel genutzt wurde. Ab April können sich Interessierte in Konferenzräume und Arbeitsbereiche mit 50 Schreibtischen einmieten. Alle Büros sind ausgestattet mit schnellem Internetzugang, Drucker und Scanner. „Das Ziel von Coworking ist, dass man sich in eine technische und soziale Infrastruktur einmietet“, erklärt Dietrich.

Berliner sparen sich teure Büromieten

Anders als in der Stadt, mussten die Coconat-Macher ihr Konzept auf dem Land erweitern. 50 Arbeitsplätze sollten in einem Coworking-Büro ausgelastet sein, damit sich das Modell wirtschaftlich für Betreiber lohnt. Bei einem größeren Einzugsbereich auf dem Land, sei es schwer, so viele Leute zusammenzubekommen und gleichzeitig die Fixkosten zu decken. In Potsdam-Mittelmark setzen die Gründer deshalb zusätzlich auf den Faktor Gastronomie und Übernachtung. Ein Restaurant und Zimmer mit 36 Betten wird es im Gutshof Klein Glien geben, außerdem jede Menge Freilicht-Schreibtische. „Man kann im Baumhaus arbeiten, am Kamin oder im Garten“, sagt Dietrich. Großen Wert legen die Betreiber darauf, dass sich nicht nur Berliner oder Reisende einmieten können, sondern digitale Arbeiter aus der Region. Eine Tageskarte für den Schreibtisch ohne Übernachtung kostet 10 Euro. Monatstickets für unbegrenztes Arbeiten kostet als Einführungspreis 89 Euro.

Was in Bad Belzig als Geschäftsmodell „Arbeiten und Entspannen“ vermarktet wird, funktioniert im Speckgürtel ohne Übernachtungskonzept. „Viele Coworker kommen aus Berlin, weil sie sich die teuren Büromieten in der Stadt nicht leisten können. Wir haben ständig Anfragen“, sagt Marco Barsch vom „ Oranienwerk“ in Oranienburg (Oberhavel). 30 Selbstständige, darunter Fotografen, Mediengestalter, Musiker und Werber haben sich dort bereits eingemietet.

Von Diana Bade

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