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Betonkrebs nagt an Autobahnen

Straßenschäden gehen in die Millionen Betonkrebs nagt an Autobahnen

Seit 2005 die nach der Wende komplett erneuerte Fahrbahn des südlichen Berliner Autobahnrings aufbrach, kennt der Autofahrer das Wort Betonkrebs. Durch die chemische Alkali-Kieselsäure-Reaktion bricht die Piste auf und bröckelt auseinander. In Brandenburg müssen 125 Kilometer Richtungsfahrbahn dringend saniert werden. Geschätzte Kosten: 97 Millionen Euro.

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Quelle: dpa

Potsdam. Der Betonkrebs nagt an Brandenburgs Autobahnen. Baustellen bringen den Verkehr derzeit vor allem auf den Schwerpunkt-Autobahnen A 2 und A 9 zum Stocken. Experten gehen davon aus, dass die Hälfte des 800 Kilometer langen Fahrbahnnetzes – soviel ist in Beton gegossen – in den nächsten Jahren saniert werden muss. 125 Kilometer Richtungsfahrbahn sind massiv geschädigt. Weitere 275 Kilometer wurden als akut belastete Verdachtsflächen ausgewiesen, so der Sprecher des Brandenburger Infrastrukturministeriums, Steffen Streu. 30 Jahre sollten die Betonpisten halten, auf dem Berliner Südring, wo die Misere 2005 erstmals zutage trat, war es nicht mal die Hälfte der Zeit.

Kaputte Stellen werden mit Asphalt aufgefüllt

Was im Volksmund als Betonkrebs bezeichnet wird, ist die sogenannte Alkali-Kieselsäure-Reaktion (AKR). Dabei bildet sich im Beton ein Gel, das aufquillt, Risse bildet und die Piste zerbröckeln lässt. Das geschieht – beeinflusst durch Regen, Frost, Streusalz und schwere Lastwagen – über viele Jahre im Verborgenen. Sind die Schäden sichtbar, ist es zu spät. Die Autobahnmeistereien entfernen dann schadhafte Stellen und füllen sie mit Asphalt aus. Hilft das Flicken nicht mehr, muss die Fahrbahn komplett erneuert werden.

Materialprüfung in der Klimakammer

25 Prozent des 13 000 Kilometer langen deutschen Autobahnnetzes bestehen aus Betonfahrbahnen, drei Viertel sind Asphaltpisten.

Beton besteht aus Zement, Kies, Sand und Wasser. Er ist bei richtiger Verarbeitung langlebiger und druckfester.

Asphalt ist ein Gemisch aus Bitumen, Kies und Zusatzstoffen. Die Rollgeräusche der Autoräder werden deutlich vermindert. Aber im Gegensatz zum Beton verändert sich beim Asphalt die Festigkeit unter Wärmeeinwirkung.

Vor dem Einbau in Fahrbahnen wird Beton inzwischen strenger geprüft. Die Proben kommen neun Monate in eine Klimakammer und müssen extreme Temperaturen, Nässe, Trockenheit und den Einsatz von Tausalz überstehen.

Neben Sachsen-Anhalt ist Brandenburg am stärksten betroffen. Bis 2019 sind 97 Millionen Euro für die Sanierung eingeplant, Fachleute halten die doppelte Summe bis 2023 für durchaus wahrscheinlich. Die reinen Baukosten trägt der Bund, für die Planung zahlt das Land. Sechs Millionen Euro mussten für Erhaltungsmaßnahmen seit 2005 aus der Potsdamer Landeskasse bereitgestellt werden. Baufirmen sind nicht haftbar zu machen, weil die Gewährleistung bereits nach fünf Jahren abläuft.

Experte kritisiert, dass er beim Autobahn-Ausbau nicht gehört wurde

Auslöser für Betonkrebs sind Zuschläge für den Beton, speziell bestimmte Kiessorten, die chemische Reaktionen auslösen. Nach Ansicht des Beton-Experten Gerhard Hempel rächt sich, dass man beim Autobahnausbau Ost nach der Wende allzu lax vorging und seinen Rat in den Wind schlug. Hempel, damals Geologe am Institut für Baustoffe in Weimar, war schon zu DDR-Zeiten an der Untersuchung von Zuschlägen aus problematischen Kiesgruben beteiligt. „Ich kannte die Gefahr und habe die Behörden gewarnt“, so Hempel, der den Schaden allein in Ostdeutschland auf mehr als eine halbe Milliarde Euro beziffert. Er vermutet, dass weiterführende Prüfungen in den 1990er-Jahren aus Zeit- und Kostengründen unterblieben.

Zerbröselter Altbeton gilt als Sondermüll

Maik Schüßler vom Brandenburger Landesbetrieb für Straßenwesen verweist darauf, dass einige Kiesgruben inzwischen tabu seien und der Beton vor dem Einbau strenger geprüft werde: „Die Proben kommen für neun Monate in eine Klimakammer, müssen extreme Temperaturen, Nässe, Trockenheit und den Einsatz von Tausalz überstehen.“ Laut Schüßler können am Ende nur Betonrezepturen eingesetzt werden, die das Bundesamt für Straßenwesen freigegeben hat. Zerbröselter Altbeton darf nicht mehr verwendet werden, er gilt als Sondermüll.

Von Volkmar Krause

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