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Brandenburg Betreuer des Angeklagten im Zeugenstand
Brandenburg Betreuer des Angeklagten im Zeugenstand
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16:38 22.11.2017
Das Fahrzeug des Täters steht am 28. Februar 2017 auf einem Feld neben der Bundesstraße 168 zwischen Oegeln und Beeskow (Brandenburg). Hier wurden bei der Flucht zwei Polizisten überfahren und getötet. Quelle: dpa
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Frankfurt (Oder)

Die Ende Februar mutmaßlich von ihrem Enkelsohn erstochene Rentnerin in Müllrose (Oder-Spree) hatte mehrmals versucht, dass der 25-Jährige bei ihr auszieht. Das Landgericht Frankfurt (Oder) führte am Mittwoch im Mordprozess gegen den Mann, der auf seiner Flucht auch zwei Polizisten totgefahren haben soll, eine Kündigung der Rentnerin an. Der gerichtlich bestellte Betreuer des Beschuldigten wurde dazu mit Fragen überhäuft.

Kündigung widersprochen

Er hatte nach eigenen Angaben der Kündigung vom Herbst 2016 zunächst widersprochen. Im Dezember bekräftigte die damals 78-Jährige laut Gericht einen Antrag auf eine außerordentliche Kündigung, in dem sie unter anderem geschildert habe, dass ihr Enkel bis mittags schlafe und bis spätnachts aufbleibe. Zitiert wurde sie mit den Worten: „Ich weiß daher nicht, ob ich das überlebe.“ Eine Richterin sagte dazu: „Nachhaltiger kann man das nicht formulieren.“

In Müllrose (Oder-Spree) ereignet sich am 28. Februar 2017 ein schreckliches Verbrechen. Dort ersticht der 24-jährige Jan G. zunächst seine Großmutter. Dann flieht er und überfährt auf der Flucht zwei Polizisten an einer Straßensperre in Beeskow, Ortsteil Oegeln.

Der Mann, der den Angeklagten seit November 2015 betreute, betonte, dass er mehrmals versucht habe, eine Alternative zu finden – vergeblich. Eins der Angebote habe der 25-Jährige abgelehnt. „Ich habe ihr versprochen, intensiv weiterzusuchen“, sagte er über die Großmutter. Er habe im Dezember eine Räumungsfrist vereinbart, ein genaues Datum sei nicht festgelegt worden, sagte der Betreuer.

Immer wieder hakte das Gericht nach, ob er sich gekümmert und die Großmutter zu den Hintergründen befragt habe. Ebenso kamen Fragen, ob er auf Nachrichten einging, die die Freundin des Angeklagten aus Bayern geschickt und in denen sie unter anderem von „Todesangst“ gesprochen habe. Der Betreuer sagte, dass er ihr geschrieben habe, dass sie die Polizei holen solle, wenn sie es nicht schaffe.

Psychisch auffällig

Der Angeklagte galt schon lange als psychisch auffällig. Seit seiner Festnahme Ende Februar befindet er sich in einer psychiatrischen Einrichtung in Brandenburg/Havel. Die Staatsanwaltschaft hält ihn für vermindert schuldfähig. Der 25-Jährige steht seit Mitte Oktober wegen dreifachen Mordes vor Gericht.

Im Prozess gibt es immer mehr Hinweise auf ein hohes Tempo bei der Fluchtfahrt. Die Verletzungen sprächen für eine „sehr hohe Anprallgeschwindigkeit“, sagte ein Rechtsmediziner über die Obduktion einer der beiden Männerleichen. Der Rechtsmediziner führte am siebten Verhandlungstag aus, dass derartige Verletzungen normalerweise bei Unfällen mit mehr als 100 km/h zustande kämen. „Es gab kein Organ, das nicht verletzt gewesen war.“ Eine weitere Medizinerin sagte über die Leiche des zweiten Polizisten, dass Körperteile abgetrennt gewesen seien. Auch sie betonte: „Der Pkw muss schon sehr schnell gewesen sein.“

Täter gestand bereits

Der Angeklagte gab die Taten im Prozess bereits zu, indem er mehrmals den Tatablauf am 28. Februar schilderte.

Am Mittwoch waren auch Zeugen aus dem privaten Umfeld des Angeklagten geladen. Eine 25-Jährige berichtete, dass er vor Jahren ihre erste Jugendliebe gewesen sei. Über die Beziehung sagte die Verkäuferin aus Beeskow (Oder-Spree) grundsätzlich: „Er war eigentlich immer nett, zuvorkommend.“ Die beiden hätten sich in der Schulzeit kennengelernt. Allerdings erwähnte sie auch, dass er ihr immer wieder aufgelauert habe. Die Beziehung habe sie beendet, weil der Angeklagte Drogen genommen habe. Wann genau die Beziehung endete, blieb unklar.

Die junge Frau sowie ihre Mutter sagten zudem, dass der Angeklagte Jahre nach der Beziehung wieder den Kontakt gesucht hätte und mehrmals vor dem Wohnhaus der Eltern erschienen sei. Als er erfahren habe, dass sie einen neuen Partner habe, sei er später in Tränen ausgebrochen und habe immer wieder Briefe geschickt, berichtete die Mutter. Ihre Tochter wohnte zu diesem Zeitpunkt schon in einer eigenen Wohnung in Beeskow. Mehrmals sei er später dort aufgetaucht, sie habe aber nicht aufgemacht, sagte die junge Frau. Ende 2015 gab es laut Gericht aus der Familie eine Anzeige gegen ihn.

An dem Tag, an dem die Großmutter und die beiden Polizisten getötet wurden, sei er vormittags vor dem Haus der jungen Frau erschienen, wie sie berichtete. „Er stand vor der Haustür und hat geklingelt.“ Geöffnet habe sie ihm nicht. Er habe sehr „angespannt“ gewirkt und immer um sich geschaut.

Von MAZonline

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