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Brandenburg Biberdämme bedrohen Fischvielfalt
Brandenburg Biberdämme bedrohen Fischvielfalt
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15:49 11.10.2016
Die geschützten Biber sind in Brandenburg ein Streitthema. Quelle: dpa
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Potsdam

Bedroht der unter besonderem Schutz stehende Biber inzwischen andere Fischarten und Wasserlebewesen? Diese Frage stellt sich Steffen Zahn, Leiter des Fachbereichs Fisch- und Gewässerökologie am Institut für Binnenfischerei in Potsdam-Sacrow. „Wir können beobachten, dass sich der Biber zunehmend auch in den letzten natürlichen Fließgewässern niederlässt und dort den Lebensraum anderer Arten bedroht“, erklärt er. So sei etwa die Zahl der Neunaugen in bestimmten Regionen, etwa der Prignitz oder im Fläming, bereits rückläufig.

Der Grund: Der Biber lässt sich vermehrt an Gewässern nieder, an denen er vorher nicht anzutreffen war. „Raps und Mais, die in unmittelbarer Nähe von Flüssen oder Bächen angebaut werden, sind für den Biber ein idealer Lebensraum“, sagt Steffen Zahn. Und wie es sich für einen Biber gehört, baue dieser dann einen Damm und verändere dadurch die Gewässerstruktur zu Lasten anderer Arten. „Durch den Bau des Damms beginnt der Grund zu versanden“, so Zahn. Die ursprünglich kiesige Sohlestruktur ist dann nicht mehr vorhanden. Doch genau diesen Boden brauchen Neunaugen, Bachforellen und andere Arten, um ihre Eier abzulegen.

In solchen Bächen in Brandenburg leben seltene, kleinere Fischarten und die fischähnlichen Neunaugen – Biberbauten lassen den Boden verschlammen. Quelle: IfB

„Durch den Biber wird ein ohnehin schon bedrohter Lebensraum noch weiter eingeschränkt“, sagt Steffen Zahn. Und bestimmte Wasserlebewesen, die er nun durch den Biber bedroht sieht, seien besonders wichtig für die Selbstreinigungsfunktion der Gewässer. „Der Biber übernimmt diese Aufgabe nicht“, so Zahn. In Brandenburg seien gerade noch 20 Prozent der Gewässer in einem ökologisch einwandfreien Zustand.

Auch der Brandenburger Biberbeauftragten Undine Schubert ist das Problem bekannt. Dennoch sagt sie: „Dort, wo sich Biber ansiedeln, verzeichnen wir zunächst einmal eine wachsende Artenvielfalt.“ In Einzelfällen könne es dennoch vorkommen, so die Bibermanagerin, dass bestimmte Arten aufgrund des Nagers verdrängt werden. Dies müsse jedoch immer im Einzelfall untersucht werden.

Will der Biber schwimmen, baut er einen Damm

3200 Biber leben aktuell in den Gewässern im Land Brandenburg. Neben dem in Eurasien vorkommenden Europäischen Biber gibt es auch eine in Nordamerika verbreitete Art, den Kanadischen Biber.

Während der Eiszeiten entwickelten sich aus dem Europäischen Biber verschiedene Unterarten, darunter der in Brandenburg heimische Elbebiber.

Einen Damm bauen Biber vor allem dann, wenn die Wassertiefe zum Schwimmen und Tauchen nicht ausreicht. Sie liegt zwischen 50 und 80 cm. So kann der Biber bei Gefahr schnell abtauchen und der Eingang seiner Bauten liegt stets unter Wasser. Außerdem friert das Gewässer im Winter bei einer solchen Tiefe nicht bis zum Grund zu, sodass der Biber seine Nahrungsvor-
räte jederzeit schwimmend erreichen kann.

Der Biber sei nicht das Hauptproblem, heißt es vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Brandenburg. „Wenn der Neunaugenbestand in Brandenburg bedroht ist, muss man über spezielle Artenschutzprogramme nachdenken“, sagt Sprecher Axel Heinzel-Berndt. Wenn ein Biber einen Damm baue, tue er dies vor allem, um sich zu schützen. „In seiner Burg kann der Biber seinen Nachwuchs großziehen, ohne zum Beispiel den Fuchs fürchten zu müssen“, erklärt er. Entferne man den Damm, könne sich der Fuchs die jungen Biber holen. Aber auch beim BUND verschließt man nicht die Augen. „Wenn es zu einer erstzunehmenden Bedrohung der Neunaugen kommt, kann ein Antrag auf Beseitigung des Damms gestellt werden“, so Heinzel-Berndt. Dies sollte jedoch die letzte Möglichkeit sein. „Man kann den Damm auch mit einem Rohr versehen, das die Burg an dieser Stelle durchlässig macht“, erklärt der BUND-Mann.

Die Biberverordnung erlaubt es unter bestimmten Umständen, Problem-Biber aus den Revieren zu entnehmen und umzusetzen – vor allem, wenn Menschenleben in Gefahr sind. Sei das nicht möglich, könnten die Tiere notfalls geschossen werden. Von September 2015 bis Mitte März 2016 wurden nach Angaben der Biberverordneten im am stärksten betroffenen Landkreis Märkisch-Oderland 22 Tiere getötet.

Von Danilo Hafer

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