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Brandenburg Bildung mit Lücken und Tücken
Brandenburg Bildung mit Lücken und Tücken
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07:30 08.04.2013
POTSDAM

Also hat der pensionierte Professor eins und eins zusammengezählt und kommt für das Schulfach Mathematik zu folgendem Schluss: „Brandenburg verstößt mit einem zu geringen Abiturniveau gegen die Bestimmungen der Kultusministerkonferenz.“

Der Trend ist klar: Seit dem Pisa-Schock wollen die Bundesländer den Flickenteppich in der Bildung vereinheitlichen. Standards, die jeder Schüler unabhängig von seinem Wohnort wissen soll, wurden festgelegt. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat sich auch auf Anforderungen für die Abiturausbildung geeinigt, die von den einzelnen Ländern möglichst einzuhalten sind. Brandenburg bricht diese Vorgaben seit Jahren, meint Assing, der als Lehrer und Hochschullehrer tätig war und immer noch Nachhilfe gibt.

Der 81-Jährige hat Lehrpläne, Stundentafeln, Abituraufgaben und Lehrbücher studiert, um die Verfehlung zu belegen. Herausgekommen sind zwei mehrseitige, detailreiche Studien, die man auf folgenden Nenner bringen kann: Mehrmals hat Brandenburg in den vergangenen Jahren das Niveau in Mathematik gesenkt.

Bis 2011 beruhte das Abitur noch auf 330 beziehungsweise 550 Stunden Mathematik in der gymnasialen Oberstufe. Nach einer Absenkung auf 210 im Grund- und 350 im Leistungskurs, haben nach einer Reform der Oberstufe inzwischen alle Brandenburger Abiturienten nur noch maximal 280 Unterrichtsstunden in dem Hauptfach. Die Unterscheidung zwischen Grund- und Leistungskurs gibt es nicht mehr, alle Schüler lernen künftigen in Kursen „auf erhöhtem Niveau“.

Assings Erkenntnis beim studieren der Lehrpläne: Lerninhalte, die von der KMK eigentlich vorgegeben werden, würden in Brandenburg – wohl in Anbetracht der reduzierten Stundenzahl und der Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre – nicht mehr behandelt. Teilbereiche der Stochastik, der Differenzial- und Integralrechnung etwa seien gestrichen worden, darunter welche, die sehr praktischen Nutzen haben: Sie braucht man zum Beispiel, um die Funktionsweise des Internets zu verstehen.

„Im Grundkurs in Sachsen lernen die Schüler mehr als im Kurs auf erhöhtem Niveau in Brandenburg“, sagt Professor Assing – obwohl dort auch nach zwölf Jahren Abitur gemacht wird. Die Folge aus seiner Sicht: Wer mit einem Brandenburger Abitur Physik oder eines der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) studieren möchte, hat das Nachsehen. Mit immer geringeren Vorkenntnissen seien diese Fächer für Brandenburger Schüler kaum zu bewältigen. Eine hohe Zahl Studienabbrecher sei da programmiert.

Das Bildungsministerium, dem Assing in mehreren Briefen seine Erkenntnisse vorgelegt hat, weist die Vorwürfe zurück. „Ein solches Absinken für das Fach Mathematik können wir nicht bestätigen“, sagt die stellvertretende Ministeriumssprecherin Antje Grabley. Das Ministerium lasse die Abiturprüfungsaufgaben regelmäßig von Lehrkräften überprüfen, die nicht an der Erstellung der Aufgaben beteiligt sind sowie von solchen, die selbst Prüfungen durchführen. „Von keiner Stelle gab es ein Signal über das Absinken des Niveaus“, so Grabley. Im Übrigen sei die Strukturreform der gymnasialen Oberstufe kein Brandenburger Sonderweg. Auch Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen verabschieden sich vom alten Kurssystem.

Für mehr Gleichheit und Gerechtigkeit bei der Bildung sorgt das aber noch lange nicht, wie Günter Germann herausgefunden hat. Er hält die Oberstufenreform in Brandenburg in Teilen sogar für „verfassungsrechtlich fragwürdig“ – wenn auch aus anderen Gründen als Assing. Germann ist pensionierter Mathematiklehrer aus Halle. Anhand der Oberstufenverordnungen jedes Bundeslandes hat er berechnet, welche Abiturnoten bei identischer Schülerleistung möglich sind. Obwohl die Kultusministerkonferenz Rahmen zur Berechnung festgelegt hat, unterscheiden sich die Noten erheblich – je nachdem, wie welche Kurse gezählt werden und wie viele schlechte Leistungen gestrichen werden dürfen.

Germanns Ergebnis: Wer in Bremen eine 1,5 und in Berlin eine 1,9 bekommt, muss sich in Brandenburg mit einem Abischnitt von 2,2 begnügen. In Germanns Herkunftsland Sachsen-Anhalt wird ein Schüler mit gleicher Leistung gar nicht zur Reifeprüfung zugelassen, weil er eine verpatzte Note nicht so einfach streichen kann.

Mit der Oberstufenreform werden die neuen Abiturienten in Brandenburg zudem gegenüber ihren Vorgängern benachteiligt, hat der ehemalige Oberstufenlehrer ausgerechnet: Wer jetzt eine 1,9 schafft, bekommt nach der neuen Regelung ab 2014 nur noch eine 2,2 – weil statt zwölf nur noch zwei schlechte Bewertungen gestrichen werden können. Unter Umständen werde der Schüler sogar gar nicht zum Abitur zugelassen, weil er in zu vielen Kursen, die nun gezählt werden, unter der Mindestpunktzahl 5 liegt.

Für die Abiturzulassung in Berlin, Hessen, Hamburg und Bremen müssen die Schüler zudem in nur 26 Halbjahresnoten mindestens die Note 4 erreicht haben. In Brandenburg sind es 34 Halbjahresnoten. „Die Wahrscheinlichkeit, nicht zur Prüfung zugelassen zu werden, ist aufgrund dieser Bestimmung in Brandenburg bundesweit am größten“, sagt Germann. „Das ist ein Drama.“

„Es geht bergab“, sagt auch Helmut Assing und hofft auf ein Nachsteuern seitens des Ministeriums. Glasklar ist für beide Ex-Lehrer eines: Den Durchblick bei diesem Bildungschaos der Länder zu behalten, ist eine schier unlösbare Aufgabe – selbst für Mathematiker. (Von Marion Kaufmann)

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