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„Viele sagen: Endlich habt ihr das gemacht“

Günter Baaske zum Rahmenlehrplan „Viele sagen: Endlich habt ihr das gemacht“

Seit Monaten wird erbittert um den neuen Rahmenlehrplan gestritten. Was und wie wird künftig an Brandenburger Schulen unterrichtet? Kritiker befürchten, dass das Fachwissen auf der Strecke bleibt. Im MAZ-Interview weist Bildungsminister Günter Baaske (SPD) die Vorwürfe zurück. Er sagt: Brandenburg braucht eine moderne und bessere Pädagogik.

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In der Defensive: Bildungsminister Günter Baaske (SPD) verteidigt den neuen Rahmenlehrplan gegen vielstimmige Kritik.
 

Quelle: dpa

Potsdam.  Günter Baaske (SPD) ist seit Herbst 2014 Bildungsminister in Brandenburg – und hat früher selbst als Mathe- und Physiklehrer vor der Tafel gestanden.

MAZ: Herr Baaske, auf Facebook wird der Rahmenlehrplan kontrovers diskutiert. Es gibt zum Teil harsche Kritik. Ist das berechtigt?

Günter Baaske: Konstruktive Kritik ist hilfreich – die haben wir im Rahmen der umfangreichen Anhörung auch aufgenommen. Aber was im Netz teilweise veröffentlicht wird, ist außerhalb jeder ernsthaften Diskussion. Manche behaupten sogar, wir würden die Schüler gezielt verdummen, um sie unkritisch gegen Politik zu machen. Der neue Plan soll dazu beitragen, Wissen zu mehren, Sprach- und Medienkompetenz zu entwickeln oder auch soziale Kompetenzen zu stärken.

Unsere Welt wird immer komplexer, das Wissen vielschichtiger. Aber Sie legen Fächer zusammen. Warum?

Baaske : Der Rahmenlehrplan setzt bundesweite Standards um. Wir reagieren damit auf die zunehmende Komplexität in der Welt. Der Vorschlag, Physik und Biologie sowie Geschichte, Geografie und Politik in den Klassenstufen 5 und 6 fachübergreifend zusammenzufassen, kam von Pädagogen und Wissenschaftlern. Die Zahl der Wochenstunden ändert sich nicht.

Geben Sie ein Beispiel.

Baaske: Ganz einfach: Der Käfer, der kopfüber an der Decke krabbelt. Das ist Physik und Biologie.

Steckt hinter dem Aus-viel-mach-eins-Prinzip nicht eher der Versuch, sich beim Fachlehrermangel zu behelfen oder Personal einzusparen?

Baaske: Nein, darum geht es nicht. Die Schüler-Lehrer-Relation bleibt unverändert. Wir wollen eine moderne und bessere Pädagogik anbieten. Wir bereiten die Lehrkräfte umfassend auf die Fächer vor. Für die Einführung gibt es Übergangsregelungen, um genügend Zeit zur Vorbereitung zu geben. Übrigens hat schon heute ein Viertel der Brandenburger Grundschulen die Fächerkombinationen freiwillig im Stundenplan – bei gleicher Personalausstattung.

Fühlten sich Lehrer, Eltern und Schüler mit der kurzfristigen Veröffentlichung der Rahmenlehrpläne zu recht überrumpelt?

Baaske: Im Gegenteil, wir haben das Anhörungsverfahren deutlich verlängert und den Start um ein Jahr – ab 2017/18 – verschoben. In der Debatte gab es 4800 Rückmeldungen, die sorgfältig geprüft wurden und erkennbar eingeflossen sind. Das Internetportal Rahmenlehrplan_online wird am 15. Dezember freigeschaltet. Es wird Beispielaufgaben, Anwendungsgebiete und Vorschläge für Verbindungen zu anderen Fachgebieten beinhalten. Wir haben die PDF-Version Mitte November veröffentlicht, da damit bei Fortbildungen schon gearbeitet wird.

Diskutieren Sie mit!

Der neue Rahmenlehrplan ist umstritten. Besonders die Zusammenfassung von Physik und Biologie sowie Geschichte, Geografie und Politik sorgt für Streit.

Was sagen Sie?

Diskutieren Sie mit über die Kommentarfunktion am Anfang des Artikels oder auf Facebook. Oder schreiben Sie einen Leserbrief an leserbriefe@maz-online.de .

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Der neue gemeinsame Rahmenlehrplan für Brandenburgs und Berlins Schulen sorgt weiter für Debatten. Knackpunkt: Physik und Geschichte gibt es künftig nicht mehr als eigenständige Fächer in Klasse 5 und 6. Wolfgang Seelbach, Sprecher des Brandenburger Landeselternrats, sieht allerdings eine große Chance darin. Doch es gibt auch mögliche Probleme.

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Was hat sich konkret nach der Kritik der Lehrer geändert?

 
Baaske: Es gab in allen Fachbereichen Veränderungen. Zum Beispiel wurde für die 5. und 6. Klassen bei den Gesellschaftswissenschaften der Geografie-Anteil gestärkt und historische Inhalte können nun sowohl als Längs- als auch Querschnitte oder in Form von Fallbeispielen unterrichtet werden. Bei den Naturwissenschaften wurden zum Beispiel Themen und Inhalte teilweise gegliedert und verpflichtende Fachbegriffe überarbeitet.

Stehen die Lehrer hinter Ihnen?

Baaske: Die meisten, aber sicher nicht alle. Wenn man solche Veränderungen einführt, gibt es immer Skepsis. Viele sagen aber: „Endlich habt ihr das gemacht.“

Statt von Fachwissen ist jetzt vor allem von Kompetenzen die Rede. Brauchen die Schüler keine Allgemeinbildung mehr?

Baaske: Pisa hat uns gezeigt, dass unser System nicht ergebnisorientiert ausgerichtet war. Unsere Schüler kannten zwar die Formeln und Regeln, konnten sie aber nicht anwenden, weil im Unterricht der Praxisbezug fehlte. Schüler müssen ihr Wissen auch in anderen Fachrichtungen anwenden können – danach fragt Pisa, danach fragt auch das Leben.

Vom Lehrerpult ins Bildungsministerium

Günter Baaske, geboren 1957 in Belzig, unterrichtete von 1982 bis 1990 Physik und Mathematik und managte nach dem Mauerfall nebenberuflich die Band Keimzeit. Seit 1989 ist er Mitglied der SPD. Nach Anfängen in der Kreispolitik war er Sozialminister (2002 bis 2004, 2009 bis 2014), ehe er zu Beginn der laufenden Legislatur ins Bildungsressort wechselte.

Von Bastian Pauly

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