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Brandenburg Bildungszoff: Linke will die Einheitsschule
Brandenburg Bildungszoff: Linke will die Einheitsschule
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19:16 19.06.2015
„Eine Schule für alle“, fordert Brandenburgs Linke. Quelle: dpa
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Potsdam

Brandenburgs rot-roter Koalition streitet über die künftige Bildungspolitik. Die Linke kündigte am Freitag überraschend die schrittweise Einführung der Gemeinschaftsschule ab 2017 an. Im Koalitionsvertrag hatte die SPD die Forderung der Linkspartei nach einer Gemeinschaftsschule abgewehrt. Beschlossen wurde lediglich die Errichtung von Schulzentren auf freiwilliger Basis.

In der Gemeinschaftsschule soll gemeinsames Lernen für Schüler von der 1. bis zur 13. Klasse möglich sein. „Angesichts rückläufiger Schülerzahlen gibt es zu Schulzentren mit Grund- und Oberschulen und selbst Gymnasien keine Alternative, wenn auch auf dem Land alle Kinder die gleichen Bildungschancen haben sollen“, begründete die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Kathrin Dannenberg, den Vorstoß.

Zehn Millionen Euro pro Jahr für das Projekt

Für eine fünfjährige Pilotphase mit rund 20 Schulen will die Linke ab dem Schuljahr 2017/18 jedes Jahr zehn Millionen Euro zusätzlich bereitstellen. Das Geld soll in mehr Personal – neben Lehrern auch Psychologen, Sozialarbeiter und Krankenschwestern – sowie in den Umbau und die Erweiterung von Schulgebäuden fließen.

Bildungsminister Baaske (SPD) plädiert für „Schulfrieden“

Bildungsminister Günter Baaske (SPD) warnte vor einem neuen Pilotmodell. „Wir brauchen Schulfrieden“, sagte er. Was die Linke wolle, sei schon heute in einigen Orten möglich – gemeinsames Lernen von der Einschulung bis zum Abitur, wenn die Schulträger, also Kreise und Kommunen, das wollten. Auch die bildungspolitische Sprecherin der SPD, Simona Koß, lehnte den Vorschlag der Linken ab. Statt eine ideologisch geleitete Strukturdebatte zu führen, wolle die SPD die Übergänge zur Berufsausbildung verbessern. „Für die Zukunft junger Menschen ist das wichtiger und förderlicher als die Einführung einer neuen Schulform“, so Koß. Die oppositionelle CDU hält ebenfalls nichts von den Plänen der Linken. Bislang sei durch den Zusammenschluss von Grund- und weiterführenden Schulen noch kein einziger bedrohter Standort gerettet worden, hieß es.

Einheitsschulen: besser als ihr Ruf?

Das Thema gilt als politisch heikel, weil Einheitsschulen bundesweit eine schlechten Ruf haben und bei märkischen Eltern nach 17 Modellversuchen in 20 Jahren das Interesse an neuen Experimenten gering sein dürfte.

„Wir wollen für alle Kinder die besten Startmöglichkeiten“, warb Linken-Politikerin Dannenberg. Die frühe Auslese, wonach sich Begabte bereits in der 5. Klasse oder 6. Klasse für den Weg zum Abitur entscheiden müssten, setze Schüler und Eltern unnötig unter Druck und versperre Spätstartern den Erwerb der Hochschulreife. Noch in Klasse 10 müsse die Entscheidung dafür möglich sein, so Dannenberg. Sie plädierte für eine „Schule für alle“. Dazu gehörten auch Unterrichtsformen, wo Kinder mit Behinderungen gefördert werden. Für inklusive Gemeinschaftsschulen seien insgesamt 112 zusätzliche Stellen erforderlich.

Der Fraktionschef der Linken, Ralf Christoffers, räumte ein, dass für die Gemeinschaftsschule auch kommunalpolitische Egoismen überwunden werden müssten, denn nicht jeder Landrat oder Bürgermeister sei bereit, einen Schulcampus zusammen mit dem Nachbarn zu betreiben.

Geburtenrückgang bis 2030


Aktuelle Bevölkerungsprognosen gehen bis zum Jahr 2030 von einem langsameren, aber kontinuierlichen Geburtenrückgang aus.

Die Prognose fällt für Brandenburg sehr unterschiedlich aus. Während im Berliner Umland ein Rückgang von 7670 auf 5240 Geburten (32 Prozent weniger) erwartet wird, gehen Experten in den berlinfernen Gebieten von einem Rückgang von 11 300 auf 4700 Geburten aus (58 Prozent weniger).

Brandenburg hat bereits jetzt 1000 unterfrequentierte Grundschulen. Das sind Schulen, die nach Schülerzahlen keinen Bestand mehr hätten, aber am Netz bleiben, um vor allem Schulanfängern lange Wege zu ersparen.

Von Volkmar Krause

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