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Binnenfischer bitten um EU-Hilfe gegen Fischräuber

Kormorane, Biber, Fischotter Binnenfischer bitten um EU-Hilfe gegen Fischräuber

Immer mehr Kormorane, Biber und Fischotter machen Fischern in Brandenburg das Leben schwer. Sie fordern, dass in den Bestand dieser geschützten Tiere eingegriffen wird. Bei der EU stoßen sie auf ein offenes Ohr.

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100 000 Kormorane soll es deutschlandweit geben.

Quelle: Fotolia

Storkow. Kormorane, Biber, Fischotter & Co: Märkische Binnenfischer möchten stärker gegen diese Fischräuber vorgehen. Bei einem Besuch des zuständigen EU-Kommissars Karmenu Vella in Storkow (Oder-Spree) trugen sie ihm ihre Sorgen vor. Zu starre Naturschutzvorschriften sorgten für massive Probleme im Fischereiwesen, betonte Lars Dettmann vom Landesfischereiverband (LFV). Die Umwelt habe sich dank der vielen Ge- und Verbote massiv erholt. Das könne man an der gewachsenen Kormoran-Population ablesen, erklärte er. Deutschlandweit gibt es nach Angaben des Deutschen Fischereiverbands wieder 100000 Vögel.

„Das schadet mehr und mehr uns Fischern, weil viele ihre Betriebe in und an „Natura 2000“-Schutzgebieten haben.“ Es bestehe zwischen Natur und Fischereiwesen kein Gleichgewicht mehr, betonte Dettmann. Trotz massiver EU-Förderung – die Gemeinschaft unterstützt märkische Fischer bis 2020 mit rund 22 Millionen Euro – gehe es vielen Fischereibetrieben zwischen Elbe und Oder durch ein Mehr an geschützten Tierarten schlecht.

Gregor Beyer vom Forum Natur Brandenburg freut sich darüber, dass sich bedrohte Tiere erholt haben. „Es muss aber möglich sein, auch einzugreifen, damit es sowohl Kormorane und Biber gibt, es aber auch weiter möglich ist, wirtschaftlich Fisch zu produzieren“, betonte er.

EU-Kommissar Vella erklärte, dass einseitige Lockerungen nichts brächten. Über Anpassungen im europäischen Artenschutz müsse mit allen Akteuren wie Umweltorganisationen, Fischern und Regierungen gesprochen werden. „Wenn alle an einem Tisch sitzen, kann das Ergebnis von keiner Seite angegriffen werden“, sagte Vella. Es müsse ein flexibler Ansatz gefunden werden, wie Ökosysteme gemanagt werden können, unterstrich der Malteser. Er versprach Dettmann, sich für einen „Interessenausgleich“ starkzumachen. Ohne das Engagement etwa der Fischer in den „Natura 2000“-Gebieten könnte wichtiger Lebensraum für geschützte Arten verloren gehen.

Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) sprach sich auch für einen flexibleren Umgang mit geschützten Arten aus. Das Bundesamt für Naturschutz betrachte nur absolute Zahlen und gehe nur marginal auf regionale Unterschiede ein. In Brandenburg lebten aber proportional sehr viel mehr Biber, Otter und Wölfe als andernorts, sodass Konflikte mit Agrarbetrieben vorprogrammiert seien. Der Minister kündigte an, den Umgang mit geschützten Arten auf einer Umweltministerkonferenz mit dem Ziel zu thematisieren.

Binnenfischer haben gestern in märkischen Gewässern rund 340 000 Jung-Aale ausgesetzt. Die Aktion ist Teil eines von der EU geförderten Projekts, das in Brandenburg bereits seit 2006 läuft. Seitdem sind in märkischen Seen und Flüssen knapp 40 Millionen Jungfische entlassen worden. Hierfür sind acht Millionen Euro aus EU- und Landesmitteln ausgegeben worden.

Von Georg-Stefan Russew

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