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Brandenburg Bischof Dröge gegen Diamanten aus Totenasche
Brandenburg Bischof Dröge gegen Diamanten aus Totenasche
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00:46 19.04.2018
Bischhof Markus Dröge Quelle: Friedrich Bungert
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Potsdam

Brandenburgs Landtag will die Regeln für Bestattungen im Bundesland ändern und arbeitet seit einiger Zeit an einer Gesetzesnovelle. Dazu lädt der Innenausschuss am kommenden Donnerstag zu einer Anhörung ein. Aus Sicht der evangelischen Kirche seien noch Veränderungen an dem Gesetzentwurf notwendig, sagte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz dem Evangelischen Pressedienst.

Brandenburg plant eine Reihe von Änderungen im Bestattungsrecht. Welche davon halten Sie aus kirchlicher Sicht für gut und wichtig?

Bischof Markus Dröge: Grüfte und Mausoleen sollen wiederbelegt werden können. So werden diese historischen Bauten weiter genutzt und bleiben erhalten. Bei ordnungsbehördlichen Bestattungen ist es eine wichtige Änderung, dass der Wille des Verstorbenen stärker beachtet werden soll. Falls dieser nicht zu ermitteln ist, befürworten wir, dass eine ortsübliche Bestattung dann die Regel ist.

Und was halten Sie von der Möglichkeit, künftig bei Urnenbestattungen einen Teil der Asche entnehmen zu können, um beispielsweise künstliche Diamanten daraus herstellen zu lassen?

Es mag zunächst nachvollziehbar sein, dass man ein Stück des geliebten Menschen nah bei sich behalten möchte. Aber es bedeutet, dass man das, was vom Körper des Verstorbenen übrig bleibt, aufteilt und für sich behält. Er wird zur Sache. Jeder Mensch ist und bleibt ein Geschöpf Gottes. Seine Würde bleibt auch im Tode unteilbar und unverfügbar. Das Gesetz würde so eine kommerzielle Verwertung der Ascheentnahme möglich machen. Und das Vorhaben wirft weitere Fragen auf: Wer ist dazu berechtigt einen Teil der Asche zu entnehmen? Wer bekommt ein solches Andenken, wer nicht? Wer entscheidet darüber? Und was geschieht am Ende mit diesen sterblichen Überresten, wenn sie niemand mehr haben will? Die Totenruhe ist nach christlichem Verständnis unteilbar.

Was muss aus Ihrer Sicht an der Gesetzesnovelle noch geändert werden?

Beim Thema Bestattung von Fehlgeborenen und bei der Ascheentnahme haben wir aus grundlegenden ethischen Überlegungen heraus klare Auffassungen, die sich nicht mit dem Gesetzesentwurf decken. Zudem gibt es formale, lösbare Einzelfragen, die wir als unzulässigen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen ansehen. Das muss noch nachgebessert werden.

Welche Regelungen zum Umgang mit Fehl- und Totgeburten wünschen Sie sich?

Als evangelische Kirche wünschen wir uns eine Bestattungspflicht für alle Fehlgeborenen und Totgeborenen auf einem Friedhof, unabhängig von Größe und Gewicht. Von Anfang an hat das menschliche Leben eine Würde, die auch dann gilt. Eltern von totgeborenen oder unter der Geburt verstorbenen Kindern leiden erheblich unter dem vorzeitigen Tod ihres Kindes und sollten die Möglichkeit der Trauer an einem Grab erhalten.

Wo sehen Sie außerdem Probleme?

Wir wünschen uns, dass auch Urnenbestattungen auf Erdwahlgrabstätten möglich sein können. Im Land Berlin ist das gängige Praxis. Sonst könnten Eheleute, die unterschiedliche, höchstpersönliche Entscheidungen darüber treffen, wie sie bestattet werden wollen, nicht mehr in einem Grab bestattet werden. Der Gesetzgeber will auch den Bau von Grüften auf Friedhöfen grundsätzlich verbieten. Das greift aber in die Befugnis der Kirche für ihre Friedhöfe ein. Wir wollen das weiterhin selbst bestimmen können. Erheblichen bürokratischen Aufwand würde zudem eine Regelung verursachen, dass die Friedhofssatzung auf Friedhöfen mit Kriegsgräbern zwischen Kommune und kirchlichen Friedhofsträger abzustimmen ist. Die Kirche ist ja ohnehin an die Bestimmungen des Gräbergesetzes gebunden.

Von Yvonne Jennerjahn

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