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Bistum erwägt Priesterausbildung in Potsdam

Kirche und Hochschulen Bistum erwägt Priesterausbildung in Potsdam

Es war mehr als ein Höflichkeitsbesuch. Als sich der neue Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, die Ausbildung von Rabbinern und Kantoren am Potsdamer Abraham-Geiger-Kolleg erklären ließ, beklagte er die „sehr unbefriedigende Situation“ der Katholischen Theologie in der Region. Kollegs-Direktor Walter Homolka riet Koch, ein katholisches Institut an der Universität zu gründen.

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Quelle: imago stock&people

Potsdam. Das Erzbistum Berlin spielt mit dem Gedanken, an der Universität Potsdam ein Institut für Katholische Theologie zur Priesterausbildung einzurichten. Berlins neuer Erzbischof Heiner Koch sieht in der dort bereits angesiedelten „School of Jewish Theology“ ein Vorbild für eine entsprechende katholische Einrichtung.

Der Erzbischof hatte am 19. April aus eigenem Antrieb das zur „School“ gehörende Potsdamer Abraham-Geiger-Kolleg besucht. Dort werden Rabbiner und Kantoren ausgebildet. Koch hatte sich über die Organisation des Kollegs und die Ausbildungswege informiert und sich sehr beeindruckt gezeigt.

Gegenüber dem Direktor des Kollegs, Walter Homolka, äußerte Koch: „Im Erzbistum haben wir bei der theologischen Ausbildung viele verstreute Mosaiksteine, die aber kein Mosaik bilden, es fehlt die Gemeinschaft und Verbindung.“ Dies sei „eine sehr unbefriedigende Situation.“ Das Erzbistum Berlin sucht schon seit Jahren nach einer Möglichkeit, die Priesterausbildung in die Hauptstadtregion zu verlagern. Bislang sind sämtliche Versuche gescheitert.

Spannende Impulse

Das Gespräch habe „spannende Impulse“ geliefert, bestätigt Martina Richter, Sprecherin des Erzbischöflichen Ordinariats in Berlin, der MAZ. „Die Gründung einer theologisch-katholischen Fakultät jedoch ist ein langer Prozess, der nicht nur das Erzbistum Berlin betrifft, sondern die Katholische Kirche deutschlandweit“, schränkt Richter ein. Der Erfolg des Abraham-Geiger-Kollegs scheint das Ordinariat aber zu beflügeln. „Es gibt schon seit langem den Wunsch, Berlin als Wissenschaftsstandort für Theologie zu stärken“, erklärt Richter.

Sechs Jahre bis zum Priester

Die Katholische Kirche ist einer der größten Kirchen der Welt, Ihre Mitgliederzahl wird auf über 1,2 Milliarden weltweit geschätzt.

409000 Mitglieder zählt das Erzbistum Berlin derzeit. Es umfasst aber nicht nur die Hauptstadt Berlin, sondern auch weiter Areale Brandenburgs, und Mecklenburgs-Vorpommern. Derzeit gibt es 105 Pfarreien.

Das Priesteramt ist im Katholizismus auf Männer beschränkt. Die Ausbildung zum Priester erfolgt im Priesterseminar, dauert etwa sechs Jahre und ist mit einem Studium der Theologie verbunden.

Gegenüber der MAZ bekräftigte Homolka seinen Vorschlag, analog zur „School of Jewish Theology“ solle das Erzbistum ein katholisches theologisches Institut an der Universität gründen. Er sieht sogar Kooperationsmöglichkeiten zwischen der bestehenden Einrichtung für die Rabbinerausbildung und einem künftigen Institut für Katholische Theologie. „Warum soll das Fach Altes Testament nicht von einem Juden unterrichtet werden?“, fragt Homolka. An der „School of Jewish Theology“ hat Shani Tzoref die Professur für Hebräische Bibel und Exegese inne. Nach der Beginn der ersten universitären Rabbinerausbildung in Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkriegs wäre es aus Homolkas Sicht für Potsdam ein weiterer Coup, wenn nun bei der Ausbildung katholischer Priester Juden und Christen zusammenarbeiteten.

Viel Potenzial für katholische Theologie

Homolka sieht an der religionswissenschaftlich ausgerichteten Universität Potsdam sehr viel Potenzial für eine Katholische Theologie. Das Fach Fundamentaltheologie könne zum Beispiel vom katholischen Lehrstuhlinhaber der Professur für Religionswissenschaft, Johann Ev. Hafner, abgedeckt werden, praktische Theologie unterrichte der Abraham-Geiger-Gastprofessor Heinz-Günther Schöttler, für die Dogmatik könne die an der Humboldt-Universität existierende Guardini Professur für Religionsphilosophie und Katholische Weltanschauung umgewidmet werden. Nicht zuletzt kooperiere das Geiger-Kolleg schon jetzt mit der Universität Erfurt. Von dort aus könne zum Beispiel das Fach Neues Testament abgedeckt werden.

„Die Einrichtung eines entsprechenden Instituts würde gar nicht so viel kosten“, sagt Homolka. „Wir bündeln nur, was ehedem vorhanden ist.“ Homolka verweist auch auf das vom Bundesforschungsministerium geförderte Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg (ZJS), in dem viele Hochschulen und Forschungseinrichtungen der Region zusammengeschlossen sind. Er sieht darin einen Pool für mögliches Lehrpersonal.

„Generelle ist alles, was in Richtung Profilierung der Hochschule geht, eine gute Idee“, erläutert Sprecher Stephan Breidung die Position des Wissenschaftsministeriums zu den Gedankenspielen. Grundsätzlich müsse sich aber das Erzbistum über die Einrichtung über eines solchen Instituts mit seinem möglichen Partner, der Universität Potsdam, einig werden.

Die Universität Potsdam sucht den interreligiösen Dialog

Die ist gar nicht abgeneigt, wie Präsident Oliver Günther sagt. „Wir sind selbstverständlich offen, was die Erweiterung der Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Religionen angeht.“. Schon bei der Gründung der „School of Jewish Theology“ habe er betont, dass der interreligiöse Dialog an der Universität ein Schwerpunkt sein solle und neben dem Judentum auch andere Religionen einbezogen werden müssten.

Günther stimmt Homolka zu, was die personelle Ausstattung für eine Katholische Theologie angeht. „Wir fangen nicht bei Null an“, sagt er. Günther verweist insbesondere auf das Kanonistische Institut an der Juristischen Fakultät. Dessen Leiter, der katholische Jurist Ansgar Hense, lehrt unter anderem Religionsverfassungsrecht. Außerdem habe das Land Brandenburg die Rahmenbedingungen für die konfessionsbezogene Berufung von Professoren geschaffen. Die Katholische Kirche denke zwar in langen Zeiträumen, aber innerhalb von zwei bis drei Jahren könne man mit einem solchen Institut für Katholische Theologie an der Universität Potsdam „schon gut vorankommen“.

Von Rüdiger Braun

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