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„Bitter, das eigene Kind zu begraben“

Stilles Gedenken an gefallene Soldaten „Bitter, das eigene Kind zu begraben“

Sprengstoff-Anschläge, Schusswechsel: Mehr als 100 Soldaten kamen bislang bei Einsätzen der Bundeswehr im Ausland ums Leben, die meisten in Afghanistan. Ihre von Kameraden errichteten Ehrenhaine stehen seit einem Jahr im brandenburgischen Geltow - und ziehen viele Besucher an. Es ist „ein Ort, der im Herzen bleibt.“ Doch im Vorfeld gab es viel Kritik.

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Quelle: dpa-Zentralbild

Geltow. Es ist ein angenehm ruhiger Platz, eingebettet im nassen Herbstlaub. Eine kleine Anhöhe auf dem Gelände der Henning-von-Tresckow Kaserne im brandenburgischen Geltow beherbergt seit einem Jahr eine Gedenkstätte für die mehr als 100 Soldaten der Bundeswehr, die im Auslandseinsatz ihr Leben ließen. «Dieser Ort ist ein würdiger Ort, der für mich immer im Herzen bleibt», hat eine Besucherin im Gästebuch hinterlassen. Fünf Ehrenhaine - von Soldatinnen und Soldaten errichtet - für die in Afghanistan und in Bosnien ums Leben gekommenen Kameraden wurden vor einem Jahr dort aufgebaut. Auf sieben Stelen sind die Namen und das Todesjahr der im Auslandseinsatz verstorbenen Soldaten verzeichnet.

Eine Bundeswehrsoldatin im Wald der Erinnerung

Eine Bundeswehrsoldatin im Wald der Erinnerung.

Quelle: dpa-Zentralbild

Geplant wurde der «Wald der Erinnerung» als Erinnerungsort für die Angehörigen. Und für die Kameraden der Verunglückten. Aber es kommen viele mehr. «Im vergangenen Jahr hatten wir schon rund 11 500 Besucher», berichtet Projektoffizier Oberstleutnant Bernd Richter. «Etwa die Hälfte sind Soldaten.» Neben den Hinterbliebenen kommen Vereine, Schulklassen und Rentner. «Für Schulklassen, etwa aus Baden-Württemberg, ist das bei einer Berlin-Reise ein Ort für die politische Bildung», sagt Richter.

Aller Kritik zum Trotz

Lange war der Standort für die Gedenkstätte umstritten: Zu abgelegen, wurde kritisiert, ein Gedenkort in der Hauptstadt könnte mehr Besucher locken. Doch für viele Hinterbliebene ist es gerade die Stille, die diesen Ort auszeichnet. «Dort ist so eine friedliche Stimmung, dass ich wirklich zu mir selbst komme», berichtet Tabea Wirth, die ihren Ehemann Daniel verlor. Der 34-Jährige war im Mai 2013 bei Kämpfen in Afghanistan gefallen. «Sehr wichtig ist mir, dass man dort seine Erinnerung auch persönlich gestalten kann.»

In einem Waldstück hinter den Ehrenhainen können die Angehörigen einen Baum für das Gedenken auswählen. Dort hängen Tafeln, die an den Ehemann oder Sohn erinnern, Kinder haben dort Bilder für ihren Papa aufgehängt. «Ama sehgn ma uns wieda, Georg» lautet eine bayerische Inschrift.

Sind sie umsonst gestorben?

Sylvia Matthes, deren 33-jähriger Sohn 2011 bei einem Sprengstoff-Anschlag in Afghanistan ums Leben kam, hätte den Ehrenhain lieber in der Hauptstadt gesehen. Für die gehbehinderte Rentnerin ist der «Wald der Erinnerung» schwer zu erreichen. «Ich besuche meinen Sohn an seinem Grab auf dem städtischen Friedhof in Wilmersdorf», sagt die 66-Jährige. «Es ist schon bitter, das eigene Kind zu begraben - und das für so einen Mist wie in Afghanistan.»

Die Frage des Sinns bewege viele Hinterbliebene, bestätigt Truppenpsychologe Harald Hofmann. «’Ist der Tod meines Sohnes sinnvoll gewesen, ist er umsonst gestorben?’, lauten die Fragen», sagt der Psychologe. «Aber das ist eine philosophische Frage, auf die es keine Antwort gibt.» Die meisten Hinterbliebenen stellten aber nicht den Wunsch der Verstorbenen infrage, als Soldat Dienst zu leisten. «Die Wut und Trauer richtet sich selten auf die Bundeswehr», sagt Hofmann.

Die Namen  gefallenen Soldaten stehen in Geltow auf Gedenkplatten

Die Namen gefallenen Soldaten stehen in Geltow auf Gedenkplatten.

Quelle: dpa-Zentralbild

Der Truppenpsychologe hat auch schon einige Reisen mit Angehörigen zu den Einsatzorten in Bosnien, dem Kosovo und nach Afghanistan organisiert. «Alle Angehörigen wollen an den Ort, an dem ihr Sohn oder Ehemann gestorben ist», sagt Hofmann. Und wenn die Sicherheitslage es zulässt, bringt er sie dorthin. Auch Tabea Wirth ist ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes in das Einsatzgebiet in Afghanistan geflogen. «Es war wichtig, mit alldem noch mal hautnah konfrontiert zu werden», sagt die 34-Jährige. «Da hat man alles vor Augen und kann nicht mehr weglaufen.»

Gedenkfeier am Samstag

Am kommenden Samstag wird die Brandenburgerin an einer Gedenkfeier mit weiteren Hinterbliebenen und Kameraden im «Wald der Erinnerung» teilnehmen. Aus Sicht des Projektleiters Richter ist mit dem Gedenkort ein neues Konzept aufgegangen. «Dieser Ort ist von unten gewachsen, mit den aus dem Ausland heimgeholten Ehrenhainen, die die Soldaten dort für ihre toten Kameraden gebaut haben», sagt Richter. «Das ist grundlegend anders, als die oft imposanten Gedenkstätten in anderen Staaten.»

Von Klaus Peters

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