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Blaue Katzenaugen gegen Wildunfälle

Reflektoren können märkische Unfallquote senken Blaue Katzenaugen gegen Wildunfälle

Sie sind leuchtstark und sie sollen das Leben von Mensch und Tier retten: blaue Reflektoren am Straßenrand. 16.000 Wildunfälle gab es 2012 in Brandenburgs. Durch die blauen Katzenaugen soll die Zahl reduziert werden. Der Landesjagdverband würde den optischen Wildzaun gerne in Brandenburg testen – die Landesregierung ist skeptisch.

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Optischer Wildzaun am Straßenrand.

Quelle: Fredrik von Erichsen

„Vieles deutet darauf hin, dass solche Reflektoren Wildunfälle verhüten können“, sagt Georg Baumann, Geschäftsführer des Landesjagdverbands. „Es wäre vor allem im Vergleich zum Bau von Schutzzäunen eine preisgünstige Möglichkeit.“ 16 000 Wildunfälle gab es 2012 auf Brandenburgs Straßen.

Blau ist eine Farbe, vor der die Tiere zurückscheuen. Die Katzenaugen am Straßenrand bündeln das Licht vorbeifahrender Autos zu einem blauen Band, das auf Tiere wie eine Barriere wirkt. Erst wenn das Auto vorüber ist, überquert das Wild die Straße, so die Idee hinter den blauen Reflektoren.

Jäger Peter-Claus Neigenfind aus Bernau (Barnim) schwört auf den optischen Wildtierzaun: Sein örtlicher Jagdverband hat die blauen Katzenaugen entlang der Bundesstraße 158 zwischen Werneuchen und Tiefensee (Märkisch-Oderland) getestet. Die Zahl der Wildunfälle an dem Abschnitt sank innerhalb eines Jahres um zwei Drittel. „Die Straße ist ein Unfallschwerpunkt, gerade am Wochenende stark frequentiert“, sagt der Jäger. „Zehn Kilometer schnurgerade, links Wälder, rechts Felder.“ 2010 kamen hier noch 41 Rehe, Hirsche und Wildschweine unter die Räder, nachdem 2011 der Landesbetrieb Straßenwesen die Reflektoren gesponsert hat, sank die Zahl auf zwölf. Vergangenes Jahr krachte es 14 Mal. „Das sind Zahlen, die aus unserer Sicht eine deutliche Sprache sprechen“, meint Jäger Neigenfind.

Allerdings ist die Wirksamkeit der Katzenaugen umstritten, wie auch Georg Baumann vom Landesjagdverband einräumt. „Es wäre noch zu früh, das als Allheilmittel zu bezeichnen. Wir müssen die Technik weiter untersuchen.“

Im brandenburgischen Verkehrsministerium hält man wenig von den Strahlern, die für wenig Geld an die vorhandenen Leitpfosten geschraubt werden. „Es gibt viele verschiedene Versuche, das Wild von der Straße fernzuhalten“, sagt Ministeriumssprecher Lothar Wiegand. „Ob Reflektoren, Wildwarner mit Ultraschall oder Duftbarrieren: Es hat sich gezeigt, dass alles nichts bringt.“ Den einzigen zuverlässigen Schutz böten Wildschutzzäune. „Wir können aber nicht sämtliche Straßen in Brandenburg einzäunen“, sagte Sprecher Wiegand. „Wir sind ein Land, in dem es viel Wald und viel Wild gibt. Man muss einfach damit leben, dass Tiere die Straße kreuzen können.“

Neueste Erkenntnisse könnten diese Haltung bald revidieren. Der ADAC untersucht seit 2011 gemeinsam mit dem Göttinger Institut für Wildbiologie, was am besten gegen kreuzende Rehe und Keiler hilft. Das erste Zwischenergebnis der Langzeitstudie wurde vor Kurzem präsentiert: Die besten Mittel gegen Tiere an der Stoßstange sind Reflektoren und Duftzäune, die nach Fressfeinden riechen und die Tiere so abschrecken sollen. „Die ersten Ergebnisse des Projekts stimmen mich optimistisch und zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind“, sagt ADAC-Präsident Peter Meyer. Auf 25 Teststrecken in Schleswig-Holstein ging die Zahl der Wildunfälle dank Katzenaugen und Duftzäunen um bis zu 80 Prozent zurück. Auf manchen Strecken tat sich aber auch gar nichts.

Wenn sich die blauen Katzenaugen langfristig als wirksam erweisen, dann steht für Jäger Peter-Claus Neigenfind fest, dass die gefährlichen Straßen im Land Brandenburg damit ausgestattet werden müssen.

Schon aus Kostengründen: „Bei einem Unfall mit einem Keiler entsteht ein Sachschaden von 5000 Euro“, rechnet er vor. „Das reicht dicke aus, um ein paar Kilometer Straße mit Reflektoren auszustatten.“

Von Torsten Gellner

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