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Brandenburg Bluttat von Borkheide vor Gericht
Brandenburg Bluttat von Borkheide vor Gericht
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06:36 10.03.2018
John B. (18) posierte gern in Rappermanier. Quelle: privat
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Potsdam

Wegen des mutmaßlichen Totschlags seiner Mutter steht ab dem 8. November ein 18 Jahre alter Mann aus Borkheide vor dem Potsdamer Landgericht. Dem in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten wird vorgeworfen, die 58 Jahre Ilona F. – eine SPD-Kreistagspolitikerin aus Potsdam-Mittelmark – mit einem laut Gericht „kantigen Gegenstand“ geschlagen und ihr Messerstiche in Schulter und Hals beigebracht zu haben. Den Leichnam der Frau fanden Ermittler am 8. April 2017 vergraben im Garten der Familie. Der zum Tatzeitpunkt 17-Jährige John B. soll den Körper seiner Mutter zerteilt, angezündet und an mehreren Stellen verscharrt haben.

Wegen des Zur Tatzeit jugendlichen Alters des mutmaßlichen Täters findet das Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Einem nervenärztlichen Gutachten zufolge ist John B. nach MAZ-Informationen nicht psychisch krank. In welchem Zustand er sich zur Tatzeit befand, könnte Einfluss auf ein mögliches Strafmaß haben. Allerdings entdeckte die Polizei die Leiche erst einige Tage nach der Bluttat. Ein Nachweis von Alkohol und Drogen im Blut des jetzt Angeklagten ist somit erschwert. Auf einen Zeitraum zwischen dem 31. März und dem 8. April datieren Ermittler den Tatzeitpunkt. Eine Freundin der Mutter aus einem Nachbarort hatte eine Vermisstenanzeige aufgegeben, nachdem sie erfolglos versucht hatte, Kontakt herzustellen.

Die Polizei fand Teile der Leiche im Garten verscharrt. Quelle: Julian Stähle

Ähnlich dem derzeit vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) verhandelten Dreifach-Mord von Oegeln und Müllrose, bei dem ein heute 25 Jahre alter Mann erst seine Oma und auf der Flucht zwei Polizisten tötete, gibt es im Tatkomplex Borkheide eine Vorgeschichte von massiver häuslicher Bedrohung und familiärer Hilflosigkeit. Mutter Ilona F., die im Kreis Potsdam-Mittelmark als ehemalige Kreistagsabgeordnete und frühere Geschäftsführerin des SPD-Kreisverbands eine bekannte Frau war, hatte ihren Sohn im Januar 2017 angezeigt. Im Familien-Zuhause hatte er sie mit dem Tod bedroht und ein Werkzeug geschwungen. In ihrer Verzweiflung rief die Mutter damals die Polizei. Ihr Kind wurde für einen Tag in die Asklepios-Nervenklinik in Brandenburg an der Havel eingewiesen, dann wohnte er drei Wochen in einer Jugend-Kriseneinrichtung in Caputh (Potsdam-Mittelmark). Die Mutter holte ihren Jungen nach MAZ-Informationen auf eigene Verantwortung wieder nach Hause.

Zu einer Gerichtsverhandlung kam es trotzdem. Dabei hatten sich die beiden offenbar schon wieder angenähert. Das Jugendamt des Landkreises hatte Kontakt zu der Familie aufgenommen. Die Jugendgerichtshilfe habe ihn in dem Strafverfahren begleitet, sagte die Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark, Andrea Metzler. Für den Tag, an dem der mutmaßliche Muttermörder schließlich verhaftet wurde, hatte das Amtsgericht Brandenburg eigentlich einen Prozesstermin angesetzt.

Polizisten sichern Indizien am 8. März 2017 auf dem Grundstück in Borkheide. Quelle: Julian Stähle

John B.’s Vater, ein Diplomat aus Sierra Leona, der aus politischen Gründen in Deutschland um Asyl gebeten hatte, wohnte zum Tatzeitpunkt schon nicht mehr in dem Haus am Wald, das er und seine Frau in dem 2000-Einwohner-Ort hatten bauen lassen. Er hatte seinen Sohn und seine kleinwüchsige Frau in Richtung London verlassen. Eine Scheidung stand im Raum.

Mit dem Gesetz geriet John B. im Vorfeld der Bluttat mehrfach in Konflikt. So stahl er in Berlin eine Hose. Als man ihn erwischte, trug er einen Schlagring mit sich. Ein anderes Mal fuhr „Johnny-Boy“, wie ihn Freunde nennen, ohne Führerschein mit einem Auto durch Borkheide – die Spritztour endete in einer Grünanlage. Ein Paket an Nachbarn, dass der Postbote bei ihm abgegeben hatte, riss John B. auf und verkaufte den Inhalt – einen Computer. In einem Zug beleidigte er Mitreisende und soll einen Rucksack gestohlen haben. Alkohol war offenbar ein ständiger Begleiter. Auf Facebook rühmt sich der junge Mann, wie er nach einer Sauftour auf dem Baumblütenfest in Werder (Havel) einen Filmriss hatte. In Rapper-Manier posierte der Jugendliche vor einem BMW, mit dicker Uhr am Handgelenk. Wer John B.’s die Facebook-Chronik bis ins Jahr 2014 verfolgt, findet einen geteilten Rap-Text, der einen erschaudern lässt. Dort heißt es in Reimform: „Stich in den Kopf, Stich in die Ohren, Stich in die Brust, bis ins Herz bohren.“

Ob sich John B. in dem Prozess zu der Tat äußern wird, ist fraglich. In den polizeilichen Vernehmungen soll er sehr schweigsam gewesen sein.

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Von Ulrich Wangemann

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